Sie wollen nicht nur mitreden, sondern mitentscheiden

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„Die jungen Demokraten von Weingarten" um David Pichler und Alexander Nobis (Dritter und Vierter von rechts) wollen in Weingarte
„Die jungen Demokraten von Weingarten" um David Pichler und Alexander Nobis (Dritter und Vierter von rechts) wollen in Weingarten mehr mitentscheiden. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Mitreden wie im Jugendgemeinderat reicht ihnen nicht mehr. Sie wollen freier agieren und das gesellschaftliche Leben der Stadt effektiver mitgestalten. Deshalb gründen elf Weingartner Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren den Verein „Junge Demokraten für Weingarten“. Selbständig und auf Augenhöhe wollen sie so mit anderen Institutionen und Einrichtungen der Stadt kooperieren und die Anliegen ihrer Altersklasse besser ins Spiel bringen.

„Junge Demokraten für Weingarten“ – was nach Partei klingt, will das aber gerade nicht sein. Die elf Jugendlichen um David Pichler und Alexander Nobis wollen sich mit der Vereinsgründung eine Plattform schaffen, von der sie sich erhoffen, im öffentlichen Leben freier aufschlagen und mehr mitentscheiden zu können, als das bisher der Fall war. Denn die „jungen Demokraten“ sind keinesfalls nur am eigenen Fortkommen interessierte Zeitgenossen, sondern bereits mehrfach engagiert und so gut wie alle Mitglieder im Jugendgemeinderat in Weingarten.

Dinge selbständiger angehen

In diesem Gremium habe sich, so der zukünftige Vorsitzende David Pichler, herauskristallisiert, dass man Dinge selbständiger angehen und nicht immer „untergeordnet“ agieren wolle. Sie dürften sich zwar bei Themen beteiligen, aber nicht mitentscheiden. Was sie am Beispiel des Skaterplatzes festmachen. Sie hätten dabei zwar Vorschläge machen und den Antrag ausarbeiten, aber darüber letztlich nicht entscheiden dürfen, weil es Sache des Gemeinderates ist. „Nur Vorschlaggeber sein und nicht Entscheider, das möchten wir ändern“, sagt David Pichler.

Mit der Gründung „Junge Demokraten für Weingarten“ wollen sie ihrem Anliegen Gewicht geben. Sie wollen zeigen, dass Jugendliche auch Führungsebene können. „Das ist im Moment eine große Lücke in Weingarten“, sagt Pichler. Der Altersdurchschnitt in anderen Vereinen, zumal in der Vorstandsebene, sei so hoch, da kämen sie gar nicht vor. Pichler spricht vom „typischen Weingartner Konservatismus“, dem sie mit den „jungen Demokraten“ etwas entgegensetzen wollten. „Jugendliche wollen sich hier für Jugendliche einsetzen“, sagt Carina Lipp. Man habe vor, Festivals zu organisieren oder sich einzubringen als Partner auf Augenhöhe, sei es bei der Kulturkonzeption oder bei Verkehrsplänen.

Dabei setzen die „Jungen Demokraten“ auf Kooperation mit anderen Einrichtungen und Institutionen. Jeder sei eingeladen bei ihnen mitzumachen. Alle, außer „die Extremen von rechts und von links.“ Dagegen grenzt sich Alexander Nobis, Zweiter Vorsitzender in spe, ab. Von Parteien unterscheide sie, dass sich nicht alle auf ein Programm einschwören müssten, sondern unterschiedliche Meinungen willkommen seien. „Wir lassen uns gegenseitig gelten, machen uns nicht fertig und finden gemeinsam eine Lösung“, sagt Alexander Nobis.

Noch liegt manche Arbeit vor den „Jungen Demokraten von Weingarten“, bis sie dann schließlich im Vereinsregister eingetragen sind, wie etwa die Satzung, rechtliche Fragen und Finanzen. Doch sind die Jugendlichen, die sich, entgegen landläufiger Meinung, neben Schule und allem anderen durchaus für Politik und das Weltgeschehen interessieren, voll motiviert. „Wir machen es gerne, weil wir was erreichen wollen für das Gemeinwohl“, sagt David Pichler. Da müsse man eigene Bedürfnisse schon mal hintanstellen.

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