Schwäbischer Sheriff schaut vorbei

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Anton Wassermann

Am Konzept des Weingrtener Kulturkreis-Abos haben Peter Hellmig, Leiter der städtischen Abteilung Kultur und Tourismus, und Reinhold Schmid, Vorsitzender des Konzert- und Theaterausschusses, zwar nichts geändert. Aber sie sind sicher, dass sie den langjährigen und neuen Abonnenten wieder ein attraktives Angebot zusammengestellt haben. Das Paket enthält sieben feste Veranstaltungen und ein Konzert, das zusätzlich gebucht werden kann.

Enthalten sind darin zwei Sprechtheater, eine Oper, eine Operette, ein Musical, ein sinfonisches Konzert und ein Ballettabend. Wer möchte, kann als Abonnent noch zusätzlich zu ermäßigtem Eintritt ein weiteres Konzert besuchen.

Los geht es im Abo am 18. Oktober mit dem Musical „Hello Dolly“ in einer Produktion der Kammeroper Köln. Es gastiert die Deutsche Musical Company mit den Kölner Symphonikern. Mit diesem populären Musical- Klassiker wollen Hellmig und Schmid auch ein junges Publikum ansprechen. Unterhaltsam, aber keineswegs oberflächlich seicht geht es im Abo weiter am 5. November. Dann gastiert die Württembergische Landesbühne Esslingen mit der schwäbischen Komödie „Der Sheriff von Linsenbach“. Im Mittelpunkt steht dabei ein Ordnungsfanatiker, der seiner Umgebung sehr bald auf den Wecker geht. Aufs Korn genommen wird in dieser Komödie nicht nur der schwäbische Fundamentalismus, sondern auch auch die scheinbare Idylle einer schwäbischen Kleinstadt.

Im erweiterten Abo können Musikfreunde am 25. November den Geiger Giuliano Carmignola erleben. Er spielt mit den Heidelberger Sinfonikern Mozarts Violinkonzert G-Dur, KV 216, und Joseph Haydns Vilonkonzert Nr. 4 in G-Dur. Außerdem erklingen von Haydn die Sinfonie Nr. 71 in B-Dur und von Wolfgang Amadeus Mozart die Sinfonie Vr. 33 in B-Dur, KV 319. Es ist schon viele Jahre her, dass im Kultur- und Kongresszentrum (Kuko) ein Mozart- Violinkonzert aufgeführt wurde.

Auf diesen Klassik-Abend dürfen sich besonders Liebhaber der historisch informierten Aufführungspraxis freuen. Carmignola, der mit zahlreichen renommierten Dirigenten und Orchestern aufgetreten ist, gilt als Leitfigur des barocken Violinstils. Aber auch die Heidelberger Sinfoniker werden zu den führenden Orchestern der historisch informierten Aufführungspraxis gezählt. Den Einführungsvortrag hält der Cellist Christoph Theinert, ebenfalls erfahrener Experte auf diesem Gebiet.

Nach einem zeitgenössischen Tanztheater der vergangenen Saison steht am 5. Dezember mit Léo Delibes „Coppélia“ wieder ein klassisches Handlungsballett auf dem Programm. Es basiert auf der Erzählung „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann und wird in Weingarten vom Moldawischen Nationalballett aufgeführt, einem Theater, das der russischen Ballett-Tradition eng verbunden ist. Musik von Franz Schubert wurde nach seinem Tod zu einer der populärsten Operetten zusammengefügt: „Das Dreimäderlhaus“. Sie kommt am 27. Januar in einer Inszenierung der Operettenbühne Wien nach Weingarten. Sie verspricht unverfälschten Wiener Flair des frühen 19. Jahrhunderts. Die Einführung hält Karl Blaas ab 19 Uhr.

Ganz und gar nicht idyllisch geht es am 26. Februar zu in „Glaube Liebe Hoffnung“, einem Totentanz in fünf Bildern von Ödön von Horváth, inszeniert und aufgeführt von der Landesbühne Esslingen. Für Reinhold Schmid, der auch die Einführung hält, geht mit diesem Gastspiel ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung, weil er bei diesem Autor nicht nur die klare Sprache sehr schätzt, sondern auch die Schonungslosigkeit, mit der Horváth soziale Themen zeitlos behandelt.

Hoch emotional, allerdings musikalisch, verspricht das letzte Abo- Konzert der kommenden Saison zu werden, wenn am 15. März die Geigerin Veronika Eberle mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen kommt. Auf dem Programm stehen das Violinkonzert von Johannes Brahms und die 9. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch.

Abschließend erklingt die Sinfonie Nr. 69 in C-Dur, die Joseph Haydn General Gideo Ernst von Laudon gewidmet hat, dem späteren Oberbefehlshaber er österreichischen Truppen im Türkenkrieg. Die Solistin des Abends hatte ihren internationalen Durchbruch 2006, als sie bei den Salzburger Osterfestspielen mit den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle begeistert gefeiert wurde. Eine Einführung in dieses Konzert gibt Julia Hellmig.

Zu Ende geht das Abo am 3. April George Bizets Oper „Carmen“. Die Tschechische Oper Prag bringt das Werk in Koproduktion mit der Oper Usti Nad Labem auf die Bühne des KuKo. „Mir war es wichtig, eine Produktion zubekommen, die für eine feste Bühne geschaffen wurde“, sagt Peter Hellmig. Bei dieser Oper, die das Publikum häufig im Fernsehen in üppiger Ausstattung mit großen Stars erleben kann, käme eine auf Provinzbühnen zugeschnittene Schmalspur-Version nicht gut an. Den Einführungsvortrag hält Rainer Hepp.

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