Schnarchzapfenorden für Manne Lucha?

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Julia Marre

- Für Gesprächsstoff hat die Geschichte der Weingartener Grünen-Politikerin Barbara Baur gesorgt, der von Sozialminister Manne Lucha zum Bundesverdienstkreuz gratuliert worden war – das sie nun jedoch gar nicht erhalten soll. „Vielleicht sollten wir Manne Lucha für den Schnarchzapfenorden vorschlagen“, sagt Claus Kessel, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Weingarten, und lacht.

Dass seine Parteikollegin im Juli mit der Staufermedaille des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet wird, betrachtet Kessel als „eine hohe Ehre“. Dass sie ursprünglich Glückwünsche für das Bundesverdienstkreuz aus dem Stuttgarter Sozialministerium erhalten hat – dieser Brief jedoch ein Versehen war, hält Kessel für „ein bisschen dumm gelaufen“. Und er meint: Es gebe noch viel mehr Menschen in Weingarten, deren Engagement ausgezeichnet und gewürdigt werden könne. Auch der Stadtverwaltung in Weingarten ist „solch ein Vorfall bisher nicht bekannt“, sagt Pressesprecherin Sabine Weisel. Im Rathaus habe man „direkt durch Frau Baur von dem Missverständnis erfahren“. Zudem sei es falsch, dass die Stadt Weingarten Barbara Baur für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen habe – wie es das Stuttgarter Sozialministerium gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ erklärte.

„Im Falle von Frau Baur kam die Anregung auf Verleihung des Bundesverdienstordens aus dem persönlichen Umfeld“, erklärt Weisel. Im Rathaus habe man lediglich für das Ordensprüfungsverfahren „Stellungnahmen von den jeweiligen Stellen und Vereinen eingeholt, in denen sich Frau Baur engagiert und die eine Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz in Form der Stellungnahmen befürworten und fördern“.

All diese Erklärungen sowie den offiziellen schriftlichen Antrag habe die Stadt bereits Ende Mai 2018 an das Regierungspräsidium geschickt. Auch in anderen Fällen sei es üblich, so Weisel, dass ein Vorschlag für einen Verdienstorden aus dem persönlichen Umfeld des zu ehrenden Bürgers erfolge. „Die Stadt Weingarten hat hier in der Regel keine aktive Funktion“, heißt es aus dem Rathaus.

Brigitte Rösiger kennt Barbara Baur seit acht Jahren. Sie ist Geschäftsführerin des Landesverbands alleinerziehender Mütter und Väter in Stuttgart und arbeitet seit 2011 eng mit der Weingartenerin zusammen. „Auch ein Bundesverdienstkreuz hätte Frau Baur auf jeden Fall verdient“, sagt Rösiger. Denn sie sei „sehr engagiert“, fachlich eine kompetente Ansprechpartnerin und komme regelmäßig mit vielen guten Ideen zu allen Terminen.

Dass der Verdienstorden für Barbara Baur „falscher Alarm“ war, habe sie und viele andere Mitglieder im Landesverband alleinerziehender Väter und Mütter „schon etwas irritiert“ und für Gesprächsstoff gesorgt. Rösiger nennt das Versehen „peinlich für das Sozialministerium“. Auch sie wird zur Ehrung am 12. Juli ins Schlössle kommen – und die Laudatio halten. Auch für die Staufermedaille, die der Weingartenerin dann für ihr Engagement verliehen wird.

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