Ruhig und beschaulich mit viel Handgemachtem

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Mit einsetzendem Schneefall am Sonntag kommt das Winterflair auf den Nikolausmarkt, aber die Besucher bleiben aus.
Mit einsetzendem Schneefall am Sonntag kommt das Winterflair auf den Nikolausmarkt, aber die Besucher bleiben aus. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Nikolausmarkt auf dem Weingartener Löwenplatz: Der kleine, feine, gerade einmal vier Tage dauernde Markt mit etwa 40 Ständen und Buden ist in der Adventszeit der Magnet für alle, die es nicht auf große, kommerzielle Christkindels-Märkte zieht. Der Nikolausmarkt lebt nämlich von vielen heimischen Beschickern, von Vereinen und von Anbietern aus den Partnerstädten.

Steinerne, bemalte Türstopper und selbstgenähte Puppenkleider, handgestrickte Mützen und eigenhändig aufgefädelte Perlensterne: Auf dem Nikolausmarkt in Weingarten findet sich an über 40 Ständen traditionell alles, was liebevoll und händisch hergestellt ist. Dazwischen Wurststände, der obligatorische Waffel- und Glühweinverkauf, Speck aus Südtirol und Stollen aus Grimma.

Manuela Wolf ist zum 21. Mal auf dem Nikolausmarkt, bietet den nach Familientradition hergestellten Christstollen an. Das Geheimrezept? „Mein Mann macht den Stollen mit den besten Zutaten überhaupt, nämlich mit Liebe und Leidenschaft“, sagt die Marktbeschickerin aus Grimma stolz.

Naturreine Kosmetika

Leidenschaft und viel naturheilkundliches Wissen stecken auch in den Produkten von Margit Klein. Die gelernte Krankenschwester aus Ravensburg gehört auch schon zur Standard-Besetzung auf dem Nikolausmarkt. Auch sie stellt ihre naturreinen Kosmetikartikel selbst her. „Zuhause, in meiner Hexen-Küche“, scherzt sie. Neuestes Produkt: Ein Pflegestück mit Granatapfelsamen-Öl, das nach dem Duschen auf die Haut aufgetragen wird.

Freundin Helen Vogler deckt sich traditionell in der kalten Jahreszeit mit der duftenden Rosencreme ein. „Die ist perfekt für den Hundespaziergang in der Kälte und für meine Enkelinnen zum Hautschutz beim Skifahren“, wie Vogler charmant erklärt.

Während am Samstag die Besucher des Nikolausmarktes noch live den stimmungsvollen Chorklängen des Liederkranzes 1841 Weingarten lauschen können, dafür aber auf den optischen Winterreiz verzichten müssen, sieht es am Sonntag auf dem Löwenplatz schon anders aus: Da dudelt aus den Lautsprechern auf der kleinen Bühne verhalten Weihnachtsmusik aus der Konserve, den Takt geben aber die kratzenden Geräusche von Schneeschiebern an. Endlich schneit es nämlich, dicke Flocken trudeln über den Platz. So schön die winterliche Pracht auch sein mag, die Standbetreiber müssen nun die Vordächer und Stehtische, ja selbst die Auslagen im Minutentakt von den weißen Schichten befreien – und die Zahl der Marktbesucher ist mau.

Am Sonntagmittag sind es nur ein paar vereinzelte Eltern, die fest in Plastikhüllen verpackte Kinderwagen durch den Schnee schieben, hier und da kommen sogar Schlitten als Transportmittel für den Nachwuchs zum Einsatz. Der übermannsgroße Pappmaché-Schneemann hat endlich eine natürliche Schneekappe, und selbst die Betonpoller am Markteingang schmücken sich jetzt mit einer weißen Naturhaube. Marktmeister Markus Gensier gibt zu Protokoll, dass die Poller dem neuen Sicherheitskonzept entsprechen und nichts mit dem Alarm auf dem Ravensburger Christkindelsmarkt zu tun haben. „Bei uns hier ist alles ruhig und beschaulich“, konstatiert der Marktmeister. Und genau das lieben die Weingartener so an ihrem Nikolausmarkt.

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