Reliquie verbindet Mantua mit Weingarten

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Schwäbische Zeitung
Margret Welsch

20 Jahre währt die Städtepartnerschaft Weingartens mit Mantua. Doch die historischen Verbindungen der beiden Städte reichen weit zurück ins Mittelalter und gehen auf die in Mantua aufgefundene Heiligblut-Reliquie zurück, von der ein Teil in der Basilika Weingarten aufbewahrt und verehrt wird. Zu den Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 20. Jahrestages ist eine Weingartener Delegation mit Vertretern von Stadt, Kirche und des Freundeskreises in die lombardische Partnerschaft gefahren und wurden mit großer Wertschätzung und Gastfreundschaft von Stadt und Diözese empfangen.

Am 12. März 1998 ist von Alt-OB Gerd Gerber und seinem Mantuaner Amtskollegen die Vereinbarung über die Partnerschaft der beiden Städte unterzeichnet worden. Es war die Erneuerung und Formalisierung einer bereits 1000 Jahre währenden Verbindung. Der Tag sollte an den 12. März 1048 erinnern, an dem die Heiligblut-Reliquie zum zweiten Mal in Mantua aufgefunden wurde. Die Reliquie wurde geteilt. Ein Partikel kam über Graf Balduin von Flandern und seine Stieftochter Judith, die mit Welf IV verheiratet war, 1094 schließlich ins Kloster Weingarten. Ein Verbrüderungsbrief der beiden Klöster von 1280 zeigt die tiefe Verbindung der beiden Städte. Aus dieser religiösen Verbindung ist eine moderne, europäische Städtepartnerschaft entstanden mit Aktivitäten und Austausch auf den verschiedensten Gebieten wie Kultur, Sport, Schulen, Vereinen oder Kirchen.

Freundeskreise sind treibende Kraft

Zwei Freundeskreise in den beiden Städten sind dabei die treibenden Kräfte. Mit von der Partie in der Weingartener Delegation waren die Väter der ersten Stunde, wie Alt-OB Gerd Gerber und die emeritierten Hochschullehrer Klaus Berg und Hans Ulrich Rudolf. Letzterer war als Historiker federführend an der Broschüre „20 Jahre Städtepartnerschaft auf historischen Spuren“ beteiligt, die nun druckfrisch zum Jubiläum aufliegt.

Beim Festakt im berühmten Teatro Bibiena gingen die Redner auf die Einzigartigkeit dieser Städtepartnerschaft ein. Der Mantuaner Bischof, Marco Busca, betonte die christlichen Wurzeln Europas. Durch Weingarten habe Mantua die Reliquie wieder neu entdeckt. So hat sich unter anderem vor acht Jahren die „Bruderschaft zum Heiligen Blut“ in Mantua neu gegründet. Sie ist in etwa das Pendant zur Blutfreitagsgemeinschaft in Weingarten. Die kirchlich tragenden Säulen dieser Partnerschaft hob Dekan Ekkehard Schmid hervor. Der Bürgermeister von Mantua, Mattia Palazzi und Oberbürgermeister Markus Ewald gingen auf die aktuellen Beziehungen, die vielfältigen Austausche ein, würdigten nochmal das große Engagement von Annelie Öhlschläger, der ehemaligen Präsidentin des Freundeskreises, die allzu früh verstarb. Als Symbol für 20 Jahre Städtepartnerschaft wurde an der Piazza des Vergil ein Ahorn gepflanzt und mit Mantuaner Lambrusco eingegossen.

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