Regionalität steht beim U&D über allem

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 Heute startet das sechste Umsonst-und-Draußen-Festival in Nessenreben.
Heute startet das sechste Umsonst-und-Draußen-Festival in Nessenreben. (Foto: Archiv Kapitz)
Maximilian Kroh

Es ist schon zur kleinen Tradition in Weingarten-Nessenreben geworden, und heute geht es wieder los. Zum mittlerweile achten Mal findet das Umsonst-und-Draußen-Festival (U&D) beim Hofgut statt. Die Veranstalter hoffen auf zahlreiche Besucher, bleiben ihren Prinzipien aber treu.

„Wir können einem sehr breiten Publikum ein Angebot für einen netten Tag machen“, fasst Fabian Ruf zusammen, was das U&D in Weingarten ausmacht. Gemeinsam mit Simon Bayer steht der 33-Jährige dem Verein vor und ist damit einer der Hauptverantwortlichen für das Festival. Eintritt kostet das Ganze, das verrät schon der Name, keinen. „Das allein sollte aber kein Grund sein, vorbeizukommen“, meint Bayer und Ruf fügt hinzu: „Wahrscheinlich gefällt es bei uns einfach jedem. Wir sind im Grünen, haben dazu sehr gute, größtenteils regionale Musiker.“ Die Faktoren Regionalität und Nachhaltigkeit stehen beim U&D Weingarten an oberster Stelle. „Natürlich hatten wir schon Angebote von großen Firmen“, sagt Bayer und erklärt vielsagend: „Aber wir wollen zum Beispiel einfach keine Dosen auf dem Gelände.“

Die Weingartener haben ein klares Konzept, dem sie treu bleiben. Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es so kaum Änderungen. Die Spielzeiten der Bands wurden verkürzt, dadurch treten in diesem Jahr drei Bands mehr in Nessenreben auf. Ansonsten steht ein Programm, das sich an alle Altersgruppen richtet. „Wir haben nicht die klassische Festival-Zielgruppe, sehen uns generell mehr als Musik- und Familienfestival“, findet Ruf. „Schon am Freitag haben wir ein sehr durchmischtes Publikum, am Samstag natürlich noch mehr. Da ist vom Kleinkind bis zu den Großeltern alles dabei.“ Bei gutem Wetter ist deshalb samstags zwischen 13 und 19 Uhr richtig viel los am Hofgut. Es gibt eine Hüpfburg, eine Himmelsleiter, Kinderschminken oder das sogenannte „Quatschmobil“, einen Spieleanhänger mit verschiedenen Geräten. Dazu bieten auch viele externe Organisationen Programmpunkte an, so veranstaltet etwa das Foodsharing ein Gemüsequiz. Als besonderen Service für die Besucher fahren auch in diesem Jahr wieder Shuttle-Busse für einen Euro stündlich von der Post nach Nessenreben.

Ein solches Projekt wie das U&D-Festival braucht natürlich eine ganze Menge an Helfern. 14 Leute zählt allein das Organisationsteam, an dessen Spitze die Vorstände Ruf und Bayer stehen. „Wir sind die Ansprechpartner und die Hauptverantwortlichen“, erklärt Ruf. „Aber alle aus dem Orgateam arbeiten gleich viel mit.“ Knapp 18 Leute helfen allein beim Aufbau, an den beiden Festivaltagen sind bis zu 85 Helfer im Einsatz.

Der Helferkreis setzt sich vor allem aus Freunden und Familie zusammen. „Jeder klappert da seinen Freundeskreis ab“, sagt Bayer. „Aber auch abgesehen davon ist es oft so, dass die Leute, die ein Mal geholfen haben, immer wieder mitmachen.“

Damit das U&D für den Verein finanziell zumindest zum Nullsummenspiel wird, verkaufen die Mitglieder selber Speisen und Getränke. „Ohne Sponsoren würden wir aber nicht bei null rauskommen“, stellt Bayer klar. „Im Verhältnis zu anderen Festivals ist unser Sponsoringrahmen sogar eher klein.“ Das U&D profitiert auch von anderen Finanzierungsmöglichkeiten. Beim TWS-Lokalhelden-Wettbewerb gab es dieses Jahr ein Preisgeld von 500 Euro. Und auch vom Programm „Demokratie leben“ der Bundesregierung gibt es Unterstützung.

Mit den 2000 Euro Förderung vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend holte sich das U&D die Band „Banda Internationale“ aufs Festival. Die Band aus Dresden ist ein loses Kollektiv von 25 Musikern, die aus der ganzen Welt als Geflüchtete nach Deutschland kamen. Zehn davon treten in Weingarten auf, sie singen zum Teil auf Deutsch, zum Teil in ihren Muttersprachen.

Die Veranstalter hatten sich direkt auf die Band beworben und wollen damit auch eine politische Botschaft senden, wie Simon Bayer erklärt: „Wir wollen damit auch mithelfen, ein positives Image für geflüchtete Menschen zu schaffen.“

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