Ravensburger Straße bleibt vorerst laut

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Die drei Hotspots im Lärmaktionsplan der Stadt Weingarten
Die drei Hotspots im Lärmaktionsplan der Stadt Weingarten (Foto: Graphik: David Weinert)

Mehr als 16.000 Fahrzeuge täglich: Die Ravensburger Straße ist mit Abstand Weingartens am stärksten befahrene Straße. Und damit wohl auch die lauteste. Doch eine Sanierung der Durchgangsstraße, und damit die Reduzierung der Lärmbelästigung, ist in den nächsten Jahre nicht in Sicht.

2012 hat die Stadt Weingarten einen Lärmaktionsplan erstellt. Auslöser dafür ist eine EU-Richtlinie, gemäß der ein bestimmter Lärmpegel bei zwei Werten nicht überschritten werden darf. Ein Wert, der Tag und Nacht beschreibt und ein Wert für die Nacht. Wie hoch diese sogenannten Auslösewerte sein dürfen, konnten die Städte selbst bestimmen. Im Falle von Weingarten sind sie Ergebnis der Interkommunalen Arbeitsgruppe, in der sich Nachbargemeinden formal und inhaltlich abstimmen, damit keine befürchten muss, eine andere würde sich rücksichtslos ihres Lärms auf Kosten anderer entledigen. Beim Tag- und Nacht-Wert dürfen demnach 70 Dezibel und in der Nacht 60 Dezibel nicht überschritten werden. Zum Vergleich: Ein normal geführtes Gespräch hat etwa 70 Dezibel, ein Presslufthammer 120.

In Weingarten geht es im Wesentlichen um die drei Bereiche Friedhofstraße, Wolfegger Straße und die Ravensburger Straße. Zwar liegen die Friedhofstraße und die Wolfegger Straße unter den Werten, dennoch hat die Stadt beschlossen auch hier entsprechende Maßnahmen umzusetzen. „Wir haben uns nicht an die gesetzlich vorgegebenen Stufen gehalten“, sagt Jens Herbst Abteilungsleiter Stadtplanung und Bauordnung. „Wolfegger Straße und Friedhofstraße fallen unter das Raster, die haben weniger Belastung. Wir haben aber gesagt, das macht keinen Sinn, wenn wir die weglassen.“

Ein Tempolimit ist bei den Maßnahmen erste Wahl, weil es am einfachsten umzusetzen ist. In Absprache mit den Anwohnern gilt deshalb in der Wolfegger Straße und der Friedhofstraße seit drei Jahren Tempo 30. Zusätzlich misst ein Blitzer in der Wolfegger Straße die Geschwindigkeit der vorbeifahrenden Autos.

Erneuerung ist notwendig

Anders liegt der Fall bei der Ravensburger Straße. Ein Tempolimit auf 30 Kilometer pro Stunde habe hier keinen Sinn gemacht. „Die Ravensburger Straße ist eine Durchgangsstraße“, erklärt Herbst. „Wir wollten nicht, dass sich der Verkehr aufgrund eines Tempolimits in die Wohnbereiche verlagert.“ Die Waldseer Straße und die Ravensburger Straße sollten ihre Sammelfunktion behalten. „Deswegen war hier der lärmoptimierter Asphalt das Mittel der Wahl“, sagt Herbst. Zudem ist einer Erneuerung der Straßendecke hier sowieso angezeigt, da der Belag seine Lebensdauer bereits überschritten hat. „Der Asphalt ist durch“, sagt Nicolas Werckshagen Fachbereichsleiter Planen und Bauen. „Eigentlich hätte er schon dieses Jahr gemacht werden müssen.“

Wann der lärmoptimierte Asphalt kommt, ist aber ungewiss. Bei der Ravensburger Straße ist die Stadt nicht zuständig, weil sie eine Landesstraße ist. Die Verantwortung zur Umsetzung der Maßnahme liegt beim Regierungspräsidium Tübingen (RP). Die Straße stehe dort zwar auf der Agenda, werde aber aus Haushaltsgründen immer wieder verschoben, sagt Werckshagen. „Eine Erhaltungsmaßnahme im Zusammenhang mit der Ortsdurchfahrt steht aktuell nicht an“, heißt es auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“ in einer Presseerklärung des RP. Man gehe derzeit von einer Deckenerneuerung in den Jahren 2020 aus. Auch der Bauumfang sei noch nicht festgelegt.

Immerhin habe ein Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde sowie ein Blitzer laut Stadtverwaltung den Verkehr bereits entschleunigt. Laut bleibt es auf der Ravensburger Straße in den nächsten Jahren dennoch.

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