Politiker wollen sich für Fawad einsetzen

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Fawad Akbari ist in allen Bereichen in der Werkstatt von Ahmet Yardimci einsetzbar.
Fawad Akbari ist in allen Bereichen in der Werkstatt von Ahmet Yardimci einsetzbar. (Foto: Archiv Oliver Linsenmaier)
Oliver Linsenmaier

Obwohl er Deutsch spricht, eine Ausbildung zum Fahrzeug-Lackierer macht und gut integriert ist, soll der 25-jährige Afghane Fawad Akbari in sein Heimatland abgeschoben werden. Das sorgt bei vielen Weingartener Bürgern für Anteilnahme und Unverständnis. Nachdem die „Schwäbische Zeitung“ über den Fall berichtet hat, haben sich zahlreiche Unterstützer aus dem gesamten Landkreis gefunden und eine Petition gegen seine Abschiebung unterschrieben. Doch damit nicht genug: Zwei bekannte Politiker aus Weingarten wollen sich für Fawad Akbari einsetzen.

„Wenn wenige 100 Meter von mir entfernt solch ein eklatanter Fall auftritt, fühle ich mich verantwortlich“, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Rudolf Bindig. Daher hat er sich direkt mit Akbari in Verbindung gesetzt und dem Ausbildungsbetrieb, der Autolackiererei Yardimci in Weingarten, einen Besuch abgestattet. Dabei versicherte Bindig, er werde sich beim Regierungspräsidium Tübingen für den jungen Afghanen einsetzen. Das mache zum jetzigen Zeitpunkt aber keinen Sinn, da zunächst das rechtliche Verfahren – Akbari hat Einspruch gegen seinen Abschiebebescheid eingelegt – abgewartet werden müsse.

Wichtiger Paragraf 60a

Das hebt auch Weingartens CDU-Fraktionsvorsitzender Axel Müller hervor. Bei einem persönlichen Treffen mit Akbari sagte er ihm Unterstützung zu. „Ziel muss sein, dass der junge Mann seine Ausbildung beenden kann. Junge Handwerker wie er fehlen uns“, sagt der Bundestagskandidat, der auf den Paragrafen 60a des deutschen Aufenthaltsgesetzes verweist. Dieser sieht vor, dass eine Ausbildung vor Abschiebung schützt. Daher hat Müller auch bereits kurz mit dem Präsidenten des Regierungspräsidiums über Akbaris, aber auch ähnliche Fälle gesprochen. „Er hat in Aussicht gestellt, dass der Paragraf 60a gezogen wird“, sagte Müller.

Doch selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, will sich Müller losgelöst vom eigentlichen Asylverfahren für eine Duldung Akbaris einsetzen. Die Chancen bewertet der CDUler dabei als gut. Müller erinnert an die sogenannte „Drei-plus-Zwei-Vereinbarung“ aus dem Asylpaket 2. Darin soll Flüchtlingen nach einer erfolgreichen dreijährigen Ausbildung ein zweijähriges Bleiberecht zugesichert werden – unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus. „Da müssen die Handlungsmöglichkeiten greifen, um sicherzustellen, dass es eine differenzierte Betrachtung gibt“, sagt Müller. „Jeder Fall eines Flüchtlings bedarf einer Einzelbetrachtung.“

Bindig: Afghanistan nicht sicher

Das sieht Rudolf Bindig ähnlich. Auch kann er die Entscheidung des Bundesamtes für Flüchtlinge (Bamf) nicht nachvollziehen. Dieses sieht für Akbari bei einer Rückkehr nach Afghanistan keine Todesgefahr. Nach eigenen Angaben wurde der 25-Jährige aber von den Taliban massiv bedroht und würde wieder verfolgt werden. Laut Bamf-Pressestelle hält die Behörde Teile Afghanistans für sicher. Akbari müsse eventuell eben in Afghanistan an einem anderen Ort leben. „Ich habe große Zweifel, Afghanistan zu einem sicheren Herkunftsland zu erklären“, befindet Bindig, der in seiner Zeit als SPD-Sprecher für Menschenrechte mehrfach in Afghanistan unterwegs war. „In solch einem Umfeld würde ich mich nicht wohlfühlen.“

Darüber hinaus sagte Bindig zu, er werde sich auch im Kreistag für Akbari einsetzen, sollte der Fall dort aufschlagen. Denn genau das ist das Ziel der Online-Petition, welche die Autolackiereri Yardimci ins Leben gerufen hat. Insgesamt 2500 Unterstützer braucht es aus dem Landkreis Ravensburg. Aktuell haben knapp 2100 Personen unterschrieben. „Die Leute nehmen Anteil. Das sieht man“, sagt Ahmet Yardimci, der Chef von Akbari. „Es kommen immer wieder ältere Leute zu uns, die unterschreiben wollen, weil sie kein Internet haben. Das zeigt, dass die Leute ein Herz haben.“

400 Unterschriften fehlen

Genau darauf setzt auch Akbari, der hofft, dass in den verbleibenden zehn Tagen die übrigen 400 Unterschriften zusammenkommen. „Ich hoffe, dass es etwas bringt“, sagt der junge Afghane, der mit seinem Chef auch auf die Berichterstattung setzt. Schließlich schnellte die Zahl der Unterstützer von knapp 300 vor dem Artikel auf aktuell 2100 nach oben. „Für die Petition war das mit dem Artikel sehr gut“, sagt Akbari, und Yardimci fügt an: „Man sieht, wie der Verlauf seit dem Zeitungsartikel nach oben gegangen ist.“

Die Petition zum Unterschreiben gibt es unter: http://www.openpetition.de/petition/online/fairness-fuer-fawad-stoppt-die-unfaire-abschiebung-von-fawad-akbari-nach-afghanistan

 

Fawad Akbari kämpft gegen seine Abschiebung
Fawad Akbari spricht quasi fließend deutsch.
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