Obwohl „Enerquinn” zur „Blütezeit der Photovoltaik” in Deutschland gegründet worden sei, steht heute vor allem national immer me
Obwohl „Enerquinn” zur „Blütezeit der Photovoltaik” in Deutschland gegründet worden sei, steht heute vor allem national immer mehr das Thema Blockheizkraftwerke im Fokus. (Foto: enerquinn)
Schwäbische Zeitung

Der Name deutet noch darauf hin. Anfänglich waren einmal fünf Personen Teil des Projektes „Enerquinn“. Dieser blieb, auch nachdem das anfängliche Quintett zum Duett wurde und in Person von Stefan Oexle-Ewert und Mark Lehnertz schließlich 2007 die heutige „Enerquinn Energiesystemtechnik GmbH“ gründete. Nach Weingarten gekommen waren die beiden ursprünglich einmal zum Ingenieurstudium an der „Hochschule Ravensburg-Weingarten“ – geblieben sind sie mit der Mission, nachhaltige und effiziente Energielösungen anzubieten.

Diesen Plan verfolgen die Weingartener nun seit fast zehn Jahren mit kontinuierlich wachsendem Erfolg. Aus der Zwei-Mann-Firma mit Sekretärin hat sich in der Zwischenzeit ein über die Landesgrenzen hinaus agierendes Unternehmen mit 18 Mitarbeitern entwickelt. Im vergangenen Herbst wurde in Freiburg der erste Service-Standort außerhalb Weingartens eröffnet. Dieses Jahr folgte Regensburg und ganz aktuell Augsburg.

Dezentrale Energieversorgung

Obwohl „Enerquinn” zur „Blütezeit der Photovoltaik” in Deutschland gegründet worden sei, steht heute vor allem national immer mehr das Thema Blockheizkraftwerke (BHKW) im Fokus. Im Vergleich zur herkömmlichen Energieversorgung zeichnen sich diese Anlagen durch deutlich höhere Energieeffizienz und damit Umweltfreundlichkeit aus. Die Energiegewinnung erfolgt direkt vor Ort, weshalb neben dem produzierten Strom auch die anfallende Wärme genutzt werden kann. Daher betrage der Energieverlust lediglich etwa vier Prozent - gegenüber 60 Prozent bei konventionellen Kraftwerken großer Energieproduzenten. Dort gebe es schlicht keine Verwendungsmöglichkeiten für die Wärme.

Dass eine Energieversorgung mit vollständigem Verzicht auf die Verwendung fossiler Brennstoffe – wie sie mancherorts bereits gefordert wird – zumindest aktuell noch nicht möglich ist, dessen ist man sich bei „Enerquinn” bewusst. Auch die vom Unternehmen vertriebenen Blockheizkraftwerke sind noch auf Erd- oder Flüssiggas angewiesen. Dennoch: Die Attraktivität solcher sogenannten Eigenstrommodelle ist auch den großen Energiekonzernen nicht verborgen geblieben, weshalb laut Lehnertz mittlerweile eine deutliche Gegenbewegung zu spüren sei.

Ein Beispiel, wie erfolgreiche Dezentralisierung der Energieversorgung funktionieren kann gibt es in Konstanz. Dort ist vergangenen Montag ein im Auftrag der „Stadtwerke Konstanz” von „Enerquinn” realisiertes Projekt vom Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (BKWK) als „Blockheizkraftwerk des Jahres” ausgezeichnet worden. Das Mieterstrommodell versorgt die Haushalte eines Mehrfamilienhauses sowie eine Polizeistation und Bankfiliale mit Wärme und Strom, ohne dafür ein zentrales Kraftwerk anzuzapfen. Das ist aufgrund wegfallender Abgaben einerseits günstiger, andererseits ermöglicht es aber auch eine bessere Kontrolle des Stromverbrauchs.

Gelebte Nachhaltigkeit

Doch auch außerhalb Süddeutschlands vertraut man mittlerweile auf die Expertise der Weingartener Firma. Neben Projekten in der Karibik und Afrika hat „Enerquinn” unter anderem auf den Malediven bereits drei Solaranlagen mit angebundenen Lithium-Ionen Batteriespeichern installiert. Als Inselanlage operieren diese autark und sind mitverantwortlich dafür, dass der Dieselverbrauch der Inseln stark zurückgegangen ist. Zuvor waren die Inseln ausschließlich mit Strom aus Generatoren versorgt worden.

Nachhaltigkeit ist aber mehr als nur ein Verkaufsargument für die Weingartener. Der ehemalige Hauptsitz der Firma war als Plusenergiehaus konzipiert und seit 2015 ist das Unternehmen Mitglied der „Initiative Grüner Weg” (die SZ berichtete). Diese hat sich den Themen Umwelt- und Klimaschutz verschrieben. Auch soziale Projekte unterstützen die beiden Geschäftsführer. Nachdem ein Erdbeben im Jahr 2010 schwere Schäden auf Haiti angerichtet hatte, reiste Oexle-Ewert selbst auf den Inselstaat, um dort beim Errichten einer Photovoltaikanlage auf einem Waisenhaus zu helfen. Ebenso unterstützt die Firma das Projekt „Engineers Without Borders” vom Karlsruher Institut für Technologie.

Hoffen auf „Renaissance der PV“

Während weltweit der Markt für Photovoltaik weiter wächst, sei die Nachfrage in Deutschland nicht nur rückläufig, sondern regelrecht „eingebrochen“. Für eine Energiewende, die diesen Namen auch verdient, ist nach Ansicht von Mark Lehnertz deshalb ein Umdenken in der Bevölkerung notwendig. Der weit verbreiteten Meinung, dass sich Photovoltaik nicht mehr lohne, widerspricht der Geschäftsführer. Zwar sei die Vergütung für das Einspeisen von Solarstrom ins öffentliche Stromnetz in der Tat gesunken, gleichzeitig aber auch die Investitionskosten für die Anschaffung von Photovoltaikanlagen. Hinzu komme außerdem, dass verbesserte Lithiumbatterien heute deutlich bessere Speichermöglichkeiten für nicht unmittelbar benötigte Energie bieten, als dies früher der Fall gewesen sei. Er führt das gesunkene Interesse auch darauf zurück, dass Photovoltaik „politisch nicht mehr gewollt” sei.

Den Gegenbeweis liefern und damit mit gutem Beispiel vorangehen kann „Enerquinn” nun wieder selbst. Nachdem im Spätherbst aus Platzmangel der Umzug in ein neues Gebäude vollzogen wurde, steht die Umrüstung des neuen Standortes noch bevor.

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