Oberschwabe wird in Baden zum Ehrenmitglied

Lesedauer: 4 Min
 Jürgen Hohl mit zwei Radhauben, für die er Experte ist.
Jürgen Hohl mit zwei Radhauben, für die er Experte ist. (Foto: Archiv: Dirk Grupe)

Ehre wem Ehre gebührt. Das wird sich auch der Bund „Heimat und Volksleben“ (BHV) gedacht haben. Denn der laut eigener Aussage an Mitgliedsvereinen größte Trachtendachverband Deutschlands mit 207 Vereinen und mehr als 13 000 Mitgliedern wird Weingartens Fasnetspapst Jürgen Hohl zum Ehrenmitglied ernennen. Das besondere daran: Der Verband umfasst ausschließlich Vereine – meist sind es Trachtengruppen, Trachtenkapellen und Bürgerwehren – aus Baden. Und dennoch wird ein Oberschwabe mit dieser hohen Ehre ausgezeichnet. „Wenn ein Oberschwabe im badischen Land diese Auszeichnung verliehen bekommt ist das wie eine Seligsprechung in Rom“, sagt ein sichtlich gerührter Jürgen Hohl.

Denn, dessen ist er sich mit seinen bald 75 Jahren bewusst, solch eine Geste des Respekts gibt es nicht alle Tage. Gerade, weil es eben doch einige kulturelle Unterschiede gibt. Obwohl Hohl meint: „Letztlich sind das ja auch Schwaben, aber das hören sie nicht so gerne. Daher nennen sie sich Alemannen“, sagt er. „Ich habe mich aber immer zurückgehalten, denn das ist schon eine eigene Gruppe.“ Umso mehr freut es ihn, dass er mit seiner offenen unterhaltsamen Art auch bei den Badener Narren gut ankommt. Das hat besonders mit seiner Tätigkeit als Radhauben-Berater zu tun.

„Sie sind vor 20 Jahren auf mich zugekommen, weil sie niemand für ihre Radhauben hatten“, erinnert sich Hohl. Also erklärte er sich bereit, den BHV in Sachen Kopfbedeckung zu ihren Trachten zu beraten. Darüber hinaus hielt Hohl Vorträge und gab Kurse, in denen die Teilnehmer die Radhauben dann in Eigenregie anfertigten. Etwa 50 Radhauben sollen so in den Jahren entstanden sein. Insgesamt, also auch unabhängig vom BHV war Jürgen Hohl nach eigener Aussage seit 1980 direkt oder indirekt an der Entstehung von rund 700 Radhauben beteiligt.

Da Jürgen Hohl im Mai jedoch 75 Jahre alt wird, hat er sich vorgenommen, etwas kürzer zu treten. So hat er nicht nur den Vorsitz des Mostclubs abgegeben (die SZ berichtete), sondern auch seine offizielle Beratertätigkeit beim BHV beendet. Natürlich werde er den Bund auch weiterhin unterstützen, aber eben nicht in offizieller Funktion. „Ich will nur noch das Nötigste machen und ich will, dass es Platz für Jüngere gibt“, sagt Hohl. Verjüngung ist der Lauf der Welt.“

Doch für sein Wirken möchte sich der BHV, der sich über ganz Baden erstreckt, also von Markdorf über Freiburg bis nach Lörrach, aber auch gen Norden nach Karlsruhe, Bruchsal oder Mannheim, nun erst einmal bedanken. Daher wird Hohl am 17. März die Ehrenmitgliedschaft bei der Jahreshauptversammlung verliehen bekommen. „Diese Ehrung erfolgt in Würdigung ihrer großen Verdienste für das heimatliche Brauchtum in Ihrer Funktion als Referent für die Trachtenberatung, und hier insbesondere für die verschiedenen Kopfbedeckungen, besonders der Radhaube“, schreibt der BHV.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen