Neue Weingartener Spielzeit verspricht Kulturgenuss

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Anton Wassermann

„Wir sind ein Wagnis eingegangen, trotz Corona für die Spielzeit 2020/21 ein komplettes Programm aufzulegen. Aber unser Konzept dürfte nach allem, was wir gegenwärtig wissen, voll aufgehen“, sagt Peter Hellmig, zuständiger Abteilungsleiter für den Bereich Kultur in der Stadtverwaltung. Dank des Hygienekonzepts für das Kultur- und Kongresszentrum, über das die „Schwäbische Zeitung“ bereits berichtet hat, kann das vorgesehene Programm für die Spielzeit nahezu unverändert angeboten werden.

Abgesagt werden musste lediglich das für Freitag, 11. Dezember, geplante Adventskonzert, weil der britische Chor aus Cambridge alle Konzertauftritte streichen musste. Dafür konnte Hellmig für Montag, 21. Dezember, das Freiburger Barockorchester für ein Weihnachtskonzert verpflichten, bei dem zwei Solokonzerte für Trompete auf dem Programm stehen.

Programmänderungen gibt es auch beim Eröffnungskonzert am Samstag, 3. Oktober, bei dem Martin Stadtfeld Beethovens zweites Klavierkonzert spielen wird. Weil das ihn begleitende Staatsorchester Rheinische Philharmonie nicht in voller Besetzung proben kann, erklingst statt der vorgesehenen Coriolan-Overtüre von Beethoven eine frühe Haydn-Sinfonie („Das Huhn"). Auch Beethovens Fünfte muss ersetzt werden durch die fünfte Sinfonie von Schubert, die eine kleinere Bläserbesetzung aufweist als das Schlüsselwerk von Beethoven.

Mit der jungen Norwegerin Vilde Frang kommt am Samstag, 24. Oktober, eine vielfach international ausgezeichnete Geigerin nach Weingarten, die regelmäßig mit führenden Orchestern und Dirigenten konzertiert. In Weingarten spielt sie zusammen mit dem Kammerorchester Basel Bachs Violinkonzerte in a-Moll und E-Dur. Um den Konzertabend ohne Pause durchziehen zu können, wurde Mendelssohns Streichersinfonie Nr. 9 aus dem Programm genommen. Aber Edvard Griegs Holberg-Suite gibt es zu hören. Für diesen Abend gibt es noch eine größere Anzahl von Karten.

Dank mehrerer Sponsoren konnte Peter Hellmig für das Konzert im Schlössle am Mittwoch, 18. November, den Cellisten Maximilian Hornung verpflichten. Neben zwei Cello-Suiten von Johann Sebastian Bach spielt er die Suite Nr. 1 von Benjamin Britten und ein Werk den Zeitgenossen Dieter Amann. Üblicherweise tritt Hornung bei internationalen Festivals oder in Sälen wie der Berliner Philharmonie, dem Wiener Musikvereinssaal oder dem Amsterdamer Concertgebow auf. Im kleinen Rokokosaal des Schlössle kommen ihm die Zuhörer aber ungewohnt nahe. Wegen der begrenzten Anzahl von Plätzen gibt es hier zwei Aufführungen, für die es nur noch wenige Karten gibt.

Ein weiterer Cellist, nämlich Johannes Moser, kommt am Mittwoch, 25. November, ins Kultur- und Kongresszentrum (KuKo). Begleitet vom Württembergischen Kammerorchester Heilbronn, spielt er die Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowsky und die Romanze für Violoncello und Orchester von Richard Strauss. Außerdem ist die achte Sinfonie von Ludwig van Beethoven zu hören. Entfallen muss hingegen Richard Wagners Siegfried-Idyll.

Das Quintett „Spark“ ist eigentlich für seine mitreißende Interpretation von Rock- und Jazzmusik, aber auch für seine Experimentierfreude bekannt. In Weingarten spielt es mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim Musik von Telemann, Händel, Vivaldi und Sebastian Bartmann, spannt also einen Bogen vom Barock bis zur Gegenwart.

Zehn Top-Musiker aus renommierten Sinfonieorchestern haben sich vor längerem zu „German Brass“ formiert. Ihre atemberaubende Virtuosität erlaubt es ihnen, Musik zu spielen, die ganz und gar nicht für eine reine Blechbläser-Besetzung komponiert war. Klaus Wallendorf, Hornist der Berliner Philharmoniker, führt humorvoll durch das Programm. Mit seinen unnachahmlichen Konzertmoderationen ist er zu einem besonderen Publikumsliebling avanciert.

Dass der legendäre Pianist Grigory Sokolov zu einem Klavier-Rezital am Freitag, 5. März 2021, nach Weingarten kommt, ist einerseits einer außerordentlichen Konzertpatenschaft von Jörg Thome zu verdanken. Andererseits erfüllt der Starpianist damit auch einen besonderen Wunsch von Oberbürgermeister Markus Ewald. „Als ich der Konzertagentur die besonderen Umstände erzählte, die mit diesem Wunsch zusammenhängen, und ihr berichtete, dass wir einen Sponsor haben, der uns großzügig unterstützt, bekam ich binnen einer Stunde die Konzertzusage – und zwar zu einem ermäßigten Honorar“, erzählt Peter Hellmig.

Ein weiterer Star, nämlich der Kontrabass-Virtuose Ödön Racz, Solo- Kontrabassist der Wiener Philharmoniker, gastiert am Samstag, 20. März, mit dem Deutschen Kammerorchester Berlin im Welfensaal. Er spielt unter anderem mit dem Konzertmeister des Orchesters das höchst virtuose Konzert für Kontrabass , Violine und Orchester von Giovanni Bottesini. Freunde der Filmmusik dürfen sich auf Freitag, 16. April, freuen, wenn die Stuttgarter Philharmoniker ihre Zuhörer in himmlische Sphären entführen.

Ein Opern-Juwel verspricht Peter Hellmig, wenn es am Freitag, 23. April, die Händel-Oper „Alcina“ in einer Produktion der Händel-Festspiele Halle und er „lautten compagney“ Berlin zu erleben gibt. Sängerisch, instrumental, aber auch bezüglich der Bühnenausstattung sei dies das Beste, was er je im Bereich der Barockoper erlebt habe, schwärmt Hellmig. Allein die Einführung mit Dörte Reisener imGespräch mit Wolfgang Katschner, dem musikalischen Leiter, lohne einen Besuch.

Eine zweite Barockoper, nämlich „Adams und Evas Erschaffung“ von Meingosus Gaelle und Sebastian Sailer, beschließt am Samstag, 15. Mai, die Spielzeit. „Das ist die einzige Oper, die im Kloster Weingarten komponiert worden ist. Daher muss sie endlich einmal in Weingarten gespielt werden“, sagt Hellmig. Er brachte diesen Opernabend im Programm des Bodenseefestivals unter. Im Rahmen dieses Festivals engagierte Hellmig auch Avi Avital, den Artist in Residence. Er spielt, begleitet vom Bruckner Orchester Linz, die Mandolinen-Konzerte von Antonio Vivaldi und Giovanni Solima. Außerdem erklingt von Anton Bruckner die zweite Sinfonie.

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