Narrenbaum fällt auch ohne Spitze

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Barbara Sohler

Vielleicht der schönste, ganz bestimmt aber der letzte Narrenbaum im ganzen Schussental ist am Samstag auf dem Münsterpatz in Weingarten gefällt worden. Pünktlich um 11.11 Uhr fiel der Stamm mitsamt seinen roten und weißen Bändern, die als Zeichen der Plätzler von der Spitze wehten. Der Erlös des Verkaufs von Baumscheiben und beim Sägewettbewerb ging an einen guten Zweck.

Susanne Frankenhauser, die Zunftmeisterin der Plätzlerzunft Altdorf-Weingarten 1348 e.V., und ihr Mitstreiter, Marcus Schmid vom Stadtmarketing, haben einen schweren Stand, beim Narrenbaumfällen. Zum einen sieht der mächtige Stamm in der Krone ziemlich zerrupft aus – was daran liegt, dass nach dem Sturmtief Bennet die Freiwillige Feuerwehr die Spitze schon am Rosenmontag hat abnehmen müssen – aus Sicherheitsgründen. Zum anderen haben sich am Vormittag nur wenige Schaulustige auf dem Münsterplatz zum traditionellen Narrenbaumfällen eingefunden. Es ist einfach kalt und zugig: Der Sturm ist zwar einem Wind gewichen, der aber fegt in ungezogenen Böen über den Platz, peitscht Sägemehlwolken auf. Und dann sind die wenigen Besucher – die meisten davon sowieso Zunftmitglieder – auch noch mühsam zu motivieren.

Dabei geben sich Frankenhauser und Schmid alle Mühe. Immerhin soll der Erlös aus dieser Aktion einem guten Zweck zugute kommen. Die Kinderkrebsnachsorgeklinik in Tannheim soll mit dem Geld bedacht werden, das in vielerlei Disziplinen erspielt wird: Wer ein Los zu drei Euro gekauft hat, der darf sich mit einer Axt am Narrenbaum versuchen – wobei die Axt eher einem Kinderspielzeug gleicht und dem mächtigen Stamm garantiert nix anhaben kann. Dafür, dass der Stamm pünktlich um 11.11 Uhr fällt und zwar in Richtung Klostermauer, dafür sorgen umsichtige Holzfachmänner und ein kinderarmdickes Tau, das den Baum in die angedachte Richtung zwingt. Hernach kann jeder – und auch das gestaltet sich anfangs zäh – Holzscheiben mit gespraytem „Narrenbaum 2019“ Logo für den Kaminsims Zuhause kaufen. Und schließlich dürfen sich noch Zweierteams am Narrenholz austoben: Unter strammen „Zieh“-Rufen von Frankenhauser und Schmid frisst sich ein scharf gezacktes Sägeblatt in den ordentlich waagrecht festgezurrten Stamm. Sofern die Hobbysäger die Kurve kriegen und in einmütigem Rhythmus die empfindliche Hand-Säge in Schwung bringen.

Am Ende sind es laut Susanne Frankenhauser aber doch gut 500 Euro, die als wohltätige Spende am zehnten Jahrestag des Narrenbaumfällens zusammen gekommen sind. Ob dabei die Musikwahl („Lebt denn der alte Holzmichl noch“) eine Rolle gespielt hat oder ob sich vielleicht einfach ein paar der vielleicht 50 oder 60 Zuschauer noch einen gehörigen Ruck gegeben haben – wer weiß das schon. Die Fasnet 2019 jedenfalls geht mit dem traditionellen Narrenbaumfällen am Funkensamstag zu Ende.

Vordergründig. Denn hier ist es wie beim Fußballspiel: Nach der Fasnet ist vor der Fasnet. Oder wie Frankenhauser leise sagt: „Es goht scho wieder dagega“. Die Fasnet 2019 sei ein Traum gewesen, so die Zunftmeisterin. Hästräger und Fasnetsfreunde seien gleichermaßen zufrieden gewesen. Für die Plätzler geht es auch mitnichten in die Sommerpause, sondern erst einmal in die Kritiksitzung der Hästräger, die am kommenden Freitag stattfinden wird.

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