Nach Kontrollen: Leser kritisieren Verkehrsverhalten von Radfahrern

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Viele der in Weingarten kontrollierten Fahrradfahrer befuhren den Radweg in die falsche Richtung.
Viele der in Weingarten kontrollierten Fahrradfahrer befuhren den Radweg in die falsche Richtung. (Foto: Symbol: Silas Stein/dpa)

Bei vier Kontroll-Aktionen von Radfahrern in den vergangenen vier Wochen hatte die Polizei in Weingarten 122 Verstöße geahndet, die meisten von ihnen waren Fahren in der falschen Richtung (die SZ berichtete). Die meisten der kontrollierten Radfahrer zeigten sich einsichtig, viele waren von der Höhe der Bußgelder überrascht. Als Reaktion auf den SZ-Bericht kritisieren einige Leser das Verkehrsverhalten von Radfahrern.

Wer beispielsweise mit dem Fahrrad bei Rot über die Ampel fährt, wird mit 60 Euro und einem Punkt in Flensburg bestraft. War die Ampel beim Überfahren bereits länger als eine Sekunde auf Rot geschaltet, fallen 100 Euro und ein Punkt in Flensburg an. Auch das Umfahren einer roten Ampel, beispielsweise über einen Gehweg, erfüllt den Tatbestand einer Rotlichtfahrt.

Anlass für die verstärkten Polizeikontrollen waren zahlreiche Beschwerden von Bürgern und die Verkehrsunfallstatistik des Landkreises Ravensburg und der Stadt Weingarten, wie der Leiter des Polizeireviers Weingarten, Nicolas Riehter, sagte. Im vergangenen Kalenderjahr ereigneten sich im Landkreis Ravensburg 216 Verkehrsunfälle mit Radfahrern innerhalb geschlossener Ortschaften. Dabei wurden 196 Personen verletzt, zwei davon tödlich.

Im Stadtbereich Weingarten bearbeitete die Polizei in den Jahren 2016 und 2017 insgesamt 67 Verkehrsunfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren. Das bedeutet: An 40 Prozent aller Verkehrsunfälle waren nicht motorisierte Zweiradfahrer beteiligt. Hauptunfallursache war das Fahren in die falsche Richtung.

Kontrollen werden begrüßt

Zahlreiche Leser haben sich daraufhin in verschiedenen Online-Portalen zu Wort gemeldet. Die Beiträge betreffen vor allem das Fahrverhalten von Radfahren, aber auch die Situation bezüglich der Radwege. „Bravo“, schreibt Sigurd S. auf schwaebische.de. „Es wurde schon lange Zeit, dass Radfahrer genauer kontrolliert werden. Keiner Gruppe von Verkehrsteilnehmern sind die Regeln so egal wie den Radlern.“ Ralf Kees beklagt auf Facebook, dass Radfahrer das Fahrverbot in der Weingartener Fußgängerzone ignorieren. „Regeln werden von den meisten Radfahrern eh nicht beachtet. Die meinen, sie haben einen Freibrief“, schreibt Kees weiter.

Auch Adrian Kehle findet die Kontrollen gut, denn „vielleicht kann man jetzt hoffen, dass Radfahrer endlich einmal einsehen, dass Verkehrsregeln auch für sie gelten.“ Andrea Janda macht ähnliche Beobachtungen. Auf ihrem Weg zur und von der Arbeit sieht sie täglich, wie Radfahrer auf der Gartenstraße rote Ampeln umgehen. „Ach, die Ampel ist rot? Schnell auf den Gehweg gefahren, dort ein Stück lang, ach, die Fußgängerampel hat ja grün, da kann man schnell drüberfahren“, schreibt sie in der Facebook-Gruppe „Du bist ein Ravensburger, weil ...“.

Schlechte Infrastruktur

Eine Erklärung, weshalb Radfahrer Regeln oft missachten, sieht Armin Willburger in der miserablen Infrastruktur für Radfahrer. „Wir haben keine vernünftigen Radwege“, meint auch Nicolai Bonschinski. „Es muss ein Umdenken einsetzen.“ Das Fahrrad sei so ein vernünftiges Verkehrsmittel, es sollte gefördert werden, anstatt angeprangert. „Mehr Fahrradwege für uns!“, fordert Erik Toth. „Und viel besser ausschildern!“ Es könne nicht sein, dass an bestimmten Stellen der Fahrradweg einmal links und dann wieder rechts sei.

Eines steht jedoch fest: Kontrollen, so die Polizei in einer Presseerklärung, soll es in Weingarten auch in Zukunft geben.

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