Festakt vor dem Rathaus anlässlich des Welfenfests, das damals noch Schülerfest hieß. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1910.
Festakt vor dem Rathaus anlässlich des Welfenfests, das damals noch Schülerfest hieß. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1910. (Foto: Stadtarchiv)

Alle Bilder, Videos und Geschichten rund um das Welfenfest gibt es online in einem Dossier unter: www.schwaebische.de/welfenfest

Einklappen  Ausklappen 

Eines seiner Markenzeichen war die Kreissäge. 1924 sang er „Valentine“, eines der populärsten Lieder der 1920er-Jahre. Mit seinen Auftritten prägte er das Bild vom charmanten und eleganten Franzosen und fand seinen Rollentypus als weltgewandter französischer Liebhaber. Die Rede ist von Maurice Chevalier.

Doch dass der französische Charmeur Vorbild für die Welfenfestkommission war und die Mitglieder den markanten Strohhut deshalb tragen, ist sehr abwegig. Fest steht allerdings eines: Chevalier war einer derjenigen, der die Kreissäge populär gemacht hat, sodass in den 20er-Jahren ein regelrechter Boom entstand. Männer galten als „in“, wenn sie diesen Hut trugen.

Wahrscheinlich ist, dass dieser Boom bereits um 1900 einsetzte, wie der Heimatforscher und gelernte Hutmacher Jürgen Hohl meint. Denn schon um diese Zeit könne man den Kaiser Wilhelm II. als Kronprinz mit der Kopfbedeckung sehen. Ein Zeichen, dass das Kleidungsstück „hoffähig“ war und damit der breiten Masse die Legitimation gab, es ihm gleichzutun.

Wie eine Fotografie aus dem Jahr 1910 zeigt, war die Mode auch in Weingarten und beim Welfenfest angekommen. Auf dem Bild sind deutlich Personen mit Kreissägen zu erkennen. Ob es sich dabei um Kommissionsmitglieder handelt, ist unklar.

Warum die Kopfbedeckung zum Markenzeichen der Kommissionsmitglieder wurde, weiß hingegen keiner. „Das weiß ich nicht“, bekennt Horst Wiest, seines Zeichens Zweiter Vorsitzender der Kommission und im Welfenfest so lange involviert, wie er denken kann. Aber: „Wir tragen ihn mit Stolz“, sagt er. Auch der Erste Vorsitzende, Rolf Steinhauser muss gestehen, keine Ahnung zu haben. „Das wüsste ich selbst gern“, sagt er.

Es kursieren nur Theorien, denn Dokumente, wie Stadtarchivar Uwe Lohmann versichert, existieren keine. Jürgen Hohl meint, dass die Popularität dieses Huts dazu beitrug, weshalb er auf dem Kopf der Welfenfest-Honoratioren landete und es ganz einfach zur Tradition wurde, die bis heute anhält. Raimund Linder, immerhin über 40 Jahre Organisator des Festplatzes, hat eine eigene Theorie. „Der Hut ist ein Erkennungszeichen“, sagt er, „damit die Leute sofort wissen, an wen sie sich wenden können, wenn sie Fragen oder ein Problem haben.“ Klingt plausibel, aber wer wann entschieden hat, die Kreissäge ist die offizielle Kopfbedeckung der Kommissionsmitglieder, das weiß auch er nicht.

Sicher ist eines: Die Kreissäge wird zwar von den Kommissionsmitgliedern getragen und sie sind damit als solche zu erkennen. Doch eine „Auszeichnung“ ist sie nicht. Sie ist auch kein Alleinstellungsmerkmal. Denn schließlich darf sie jeder tragen, dem sie gefällt.

Alle Bilder, Videos und Geschichten rund um das Welfenfest gibt es online in einem Dossier unter: www.schwaebische.de/welfenfest

Einklappen  Ausklappen 
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen