Mutmacher-Kabarett zum Frauentag

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Als rosa Dornröschen warnt Marlies Blume ihre Geschlechtsgenossinnen: Mädels wartet nicht auf den Märchenprinzen
Als rosa Dornröschen warnt Marlies Blume ihre Geschlechtsgenossinnen: Mädels wartet nicht auf den Märchenprinzen (Foto: Sybille Emmrich)
Schwäbische Zeitung
Sibylle Emmrich

Für die Änderung des Landtagswahlrechts, so wie es Grüne und CDU in ihrem Koalitionsvertrag vom Mai 2016 vereinbart haben, will sich das regionale Frauenbündnis stark machen. Carmen Kremer, Kreisvorsitzende der Grünen und Chancengleichheitsbeauftragte des ZfP Weißenau, wollte zum Abschluss der Veranstaltung die anwesenden Frauen zu entsprechenden Briefen an ihre Landtagsabgeordneten mobilisieren. Mache doch das neue, inzwischen von der CDU-Fraktion nicht mehr unterstützte Landtagswahlrecht den Weg für mehr Frauen im Parlament frei. „100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland ist das nicht nur recht und billig, sondern überfällig“, heißt es in der Petition. (sem)

Zum Internationalen Frauentag, der weltweit bekanntlich am 8. März auf dem Kalender steht, hat es Hunderte von Frauen (und auch ein paar Männer) am Freitag ins Kulturzentrum Linse in Weingarten gezogen. Galt das Interesse der Jubelfeier von „100 Jahre Frauenwahlrecht“? Oder lockte der freie Eintritt zum Kabarett? Egal, auf jeden Fall war der große Linse-Saal proppenvoll. Und das Publikum konnte sich nicht nur von kämpferischen Worten zum unzureichenden Stand der Gleichberechtigung mitreißen lassen, sondern mit Marlies Blume, der selbst ernannten „Beauftragten für Schanzengleichheit“, schallend lachen über herrliche Dämlichkeiten und dämliche Herrlichkeiten.

Marlies Blume, die in Ulm wohnende Kabarettistin Heike Sauer, ist eine Mutmacherin. Die „Weltbürgerin mit schwäbischem Migrationshintergrund“ versteht es meisterhaft, ihren Wortwitz durchgängig auf Schwäbisch zu servieren, ohne dass es dümmlich-heimattümmelnd wird. Und ihre Kritik am Status quo der „Schanzengleichheit“ wird niemals ätzend und zynisch. Gleich am Anfang stellt sie klar: „I hab nix gega Männer.“ Aber sie hat was gegen falsche Rollenzuschreibungen, dagegen, dass Männer das Sagen haben und Frauen das dulden und zulassen. Dabei lässt sie es nicht an Ermunterung für ihre Geschlechtsgenossinnen fehlen, denn: „Es roicht doch it, dass mir die Kompetenz hend, mir müsset se au laufa lassa.“

Mehr Frauenmut

Als rosa Wirbelwind fegt sie über die Bühne und macht klar, dass weder das Warten auf den Märchenprinzen noch die verschlafene Dornröschen-Rolle noch die drei schwäbischen K’s („Kerwisch, Kutterschaufel, Kittelschürz“) glücklich und frei machen. Nein, in ihren Appellen zu mehr Frauenmut wird sie bisweilen ganz unkabarettistisch deutlich: Jetzt sei’s an der Zeit für den nächsten Durchbruch, dafür, „aktiv passives Wahlrecht“ zu praktizieren, denn: „Mir dürfet dia Männer bei so wichtige Sache doch net alloi lassa.“

Begeisterten Applaus erntet sie für ihre Verwandlungskünste mit Glitzerkostümen und Paillettenkleidchen und ihre zu Playback dahin geschmetterten Lieder, aber auch für Sätze wie: „Gleichstellung ist dann erreicht, wenn auf jedem Herraklo an Wickeltisch schtôht“ oder „Wenn d’r Klügere nachgibt, saget de Domme, wo’s lang gôht“.

Beifall gab es auch für die acht Veranstalterinnen vom Frauenbündnis Internationaler Frauentag Ravensburg, die schon zum wiederholten Mal ein besonderes Programm für diesen Anlass geboten haben. Ilse Petry (DGB Ravensburg) stellte die Beteiligten und ihre Organisationen eingangs kurz vor. Und zwei von ihnen, die Gleichstellungsbeauftragten von Kreis und Stadt Ravensburg, Sabine Fietz und Eva-Maria Komprecht, ließen es bei aller Kritik auch nicht an Ermutigung fehlen. „Bringen Sie sich ein, bewegen Sie etwas“, so Komprechts Appell. Und ihre Kollegin vom Landratsamt, Fietz, verwies auf die Unterrepräsentanz von Frauen in der Kommunalpolitik: Im Ravensburger Kreistag beträgt die Frauenquote aktuell 32 Prozent, in den Gemeinderäten des Kreises liegt sie bei 24 Prozent. Um dies zu ändern, sind Kommunalpolitikerinnen aus den Kreisen Ravensburg und Bodensee unter dem Stichwort „BoRa“ aktiv geworden. Sie wollen die Quote auf 50 Prozent erhöhen.

Für die Änderung des Landtagswahlrechts, so wie es Grüne und CDU in ihrem Koalitionsvertrag vom Mai 2016 vereinbart haben, will sich das regionale Frauenbündnis stark machen. Carmen Kremer, Kreisvorsitzende der Grünen und Chancengleichheitsbeauftragte des ZfP Weißenau, wollte zum Abschluss der Veranstaltung die anwesenden Frauen zu entsprechenden Briefen an ihre Landtagsabgeordneten mobilisieren. Mache doch das neue, inzwischen von der CDU-Fraktion nicht mehr unterstützte Landtagswahlrecht den Weg für mehr Frauen im Parlament frei. „100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland ist das nicht nur recht und billig, sondern überfällig“, heißt es in der Petition. (sem)

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