Moderne Musik auf der Gabler-Orgel

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 Die neue CD von Stepahn Debeur mit „Musik des 20. Jahrhunderts“ auf der Gabler-Orgel trägt starke Farben: sie zeigen Ausschnitt
Die neue CD von Stepahn Debeur mit „Musik des 20. Jahrhunderts“ auf der Gabler-Orgel trägt starke Farben: sie zeigen Ausschnitte aus dem „Kirchenfenster“-Gemälde des Weingartener Malers Conrad David Arnold. (Foto: Fotos: Dorothee L. Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Im vergangenen Jahr nahm Stephan Debeur, seit dem Jahr 2000 Organist an der Gabler-Orgel der Basilika Weingarten, an drei Tagen im Oktober Orgelwerke von fünf Komponisten für eine erste CD mit „Musik des 20. Jahrhunderts“ auf - und seit kurzem ist sie nun erhältlich. Zeitlich umfassen die Kompositionen einen Rahmen von 1923 bis 1974 und stammen von deutschen, österreichischen, schweizerischen und französischen Tonsetzern.

Mit ihrem farbigen und ansprechenden Cover macht die CD Lust auf eine andere Art der Begegnung mit der Gabler-Orgel. Schließlich scheint diese als barockes Orgelwerk nicht gerade prädestiniert für moderne Musik zu sein. Im dazu gehörenden 27 Seiten starken Booklet von Stephan Debeur folgt dann eine gute und gut lesbare Erklärung plus Unterweisung zur Orgel selbst, ihrer Disposition, Stimmung und ihrer zahlreichen Klangfarben.

Und natürlich erfolgt auch die Begründung, warum die Werke aus diesen 50 Jahren des vergangenen Jahrhunderts darauf spielbar sind: weil sie nämlich einerseits stilistisch partiell noch dem 19. Jahrhundert angehören, und andererseits die Mitte des 18. Jahrhunderts vollendete Orgel selbst mit ihren vielen besonderen Registern und für ihre Zeit 'progressiv' in die Zukunft wies.

Das Kathedral-Fenster

Stephan Debeur beginnt mit dem ältesten Komponisten Sigfrid Karg-Elert (1877-1933), der hauptsächlich in Leipzig wirkte und dessen Komposition „Kathedral-Fenster op. 106“ von 1923 ihn zur Auswahl des Cover-Bildes „Kirchenfenster“ des Weingartener Künstlers Conrad David Arnold anregte. Weitere Motivausschnitte dieses Gemäldes finden sich zwischendurch im Booklet, das macht sich gut auf schwarzem Grund.

Ein Stück des etwas jüngeren Schweizers Frank Martin (1890-1974) führt dann zu einer Reihe von Werken von Josef Friedrich Doppelbauer (1918-1989), eines wenig bekannten österreichischen Komponisten, zu dessen 100. Geburtstag Stephan Debeur letztes Jahr ein Orgelkonzert gab.

Zwei kleinere Stücke von Karg-Elert leiten über zu den beiden französischen Komponisten André Fleury (1903-1995) und Henri Nibelle (1886-1967), der Orgelkonzertfans vermutlich durch sein berühmtes „Carillon Orléanais“ von 1941 etwas sagen wird - ein verspieltes Werk mit dem reichlich verwendeten klingelnden Carillon-Register verziert.

Insgesamt bietet die knapp 72 Minuten dauernde Auswahl einen guten Überblick über verschiedene persönliche Kompositionsstile und macht neugierig auf einen Teil II, der bereits in Vorbereitung ist.

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