Mehr als jede zweite Gründung läuft im Nebenerwerb

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 Die Übersicht über die Gründungsintensität im Jahr 2017 in den Regionen Baden-Württembergs.
Die Übersicht über die Gründungsintensität im Jahr 2017 in den Regionen Baden-Württembergs. (Foto: Grafik: IHK Weingarten)
Schwäbische Zeitung

In der Region Bodensee-Oberschwaben hat die Zahl der Unternehmensgründungen leicht abgenommen. Mit rund 3800 Neugründungen pro Jahr liegt die Region allerdings immer noch weit oben. Das teilt die IHK mit.

So kämen auf 1000 Einwohner im Schnitt sechs Gründungen. Das entspricht der höchsten Gründungsintensität im Regierungsbezirk Tübingen und liegt nur knapp unter dem Durchschnitt Baden-Württembergs (6,1), der von hohen Gründungszahlen in städtischen Agglomerationen geprägt ist.

Dies geht aus dem neu aufgelegten Gründungs- und Nachfolgereport der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bodensee-Oberschwaben hervor. „Im Vergleich zu anderen ländlich geprägten Regionen schneiden wir überdurchschnittlich gut ab. Wir sehen dies auch als Bestätigung unseres umfangreichen Services für Existenzgründer“, freut sich IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Jany.

Der neue Gründungs- und Nachfolgereport zeigt weitere Trends auf: Die Anzahl der Unternehmensübernahmen hat sich in der Region in den vergangenen Jahren bei etwa 500 pro Jahr stabilisiert. Mittlerweile erfolgen rund 35 Prozent der Übernahmen von Einzelunternehmen in der Region durch Frauen.

Nach wie vor sind weniger als zehn Prozent der Gründungsinteressierten dem Segment der stark wachstumsorientierten Start-ups zuzuordnen. Seit mehreren Jahren, so die IHK in ihrem Bericht, ist jedoch zu beobachten, dass sogenannte Chancengründungen zu- und Gründungen aus Mangel an Erwerbsalternativen eher abnehmen.

Darüber hinaus erfolgt in der Region mehr als jede zweite Gründung (57 Prozent) im Nebenerwerb, das sind vier Prozentpunkte mehr als im Landes- und zwölf mehr als im Bundesdurchschnitt. Der steigenden Tendenz zur Gründung im Nebenerwerb will die IHK durch spezielle Informationsveranstaltungen Rechnung tragen. Denn das Hauptproblem dieser Gründungsgruppe ist laut IHK-Mitteilung die Doppel- beziehungsweise berufliche Mehrfachbelastung. Durchschnittlich wenden diese Gründer 16 Stunden pro Woche für ihre Nebenerwerbsselbstständigkeit auf.

Die Arbeitsmarkteffekte der Nebenerwerbsgründungen werden nach Einschätzung der IHK häufig unterschätzt. Laut KfW-Gründungsmonitor 2018 beschäftigen Nebenerwerbsgründer zu Beginn im Durchschnitt etwa 0,3 Mitarbeiter. „Vor dem Hintergrund unserer regionalen Zahlen sind das etwa 700 Arbeitsplätze, die auf Nebenerwerbsgründungen zurückgehen. Dieser Leistung gebührt außerordentlicher Respekt“, betont Jany.

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