Markus Letsch packt es an

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 Handicap spielt keine Rolle: Finkbeiner-Filialleiter Michael Brockmann und sein Mitarbeiter Markus Letsch.
Handicap spielt keine Rolle: Finkbeiner-Filialleiter Michael Brockmann und sein Mitarbeiter Markus Letsch. (Foto: IWO)
Schwäbische Zeitung

Nicht mal ein halbes Prozent der Menschen mit Behinderung schaffen den Sprung aus einer Werkstätte auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, heißt es in einer Pressemitteilung der Integrations-Werkstätten-Oberschwaben (IWO). Ein Grund sei die mangelnde Bereitschaft und Einstellung vieler Arbeitgeber und deren Führungskräfte, die den gesamtgesellschaftlichen Prozess der Inklusion – noch – nicht im Blick haben. Anders Michael Brockmann vom Getränkefachmarkt Finkbeiner in Weingarten. Der Filialleiter hat mit Markus Letsch im Juli vergangenen Jahres einen Mann mit Handicap eingestellt. Und das mit großer Zufriedenheit – auf beiden Seiten, wie es weiter heißt.

Fünf Jahre lang war Markus Letsch in den Integrations-Werkstätten Oberschwaben in Weingarten beschäftigt. Dort hat er sich weiterqualifiziert und die Möglichkeit genutzt, in verschiedene Betriebe reinzuschnuppern. „Doch mehr als ein Praktikum sprang nicht heraus“, wird der 38-Jährige in dem Schreiben zitiert. „Einmal lag es an mir, einmal an der Firma oder dem dortigen Umfeld.“

Weil bei Finkbeiner im Frühjahr 2019 nach einer Vollzeitkraft gesucht wurde, klopften Letsch und IWO-Jobcoach Ralf Kuss bei Filialleiter Brockmann an, um nach einem weiteren Praktikum zu fragen. Die Jobcoaches der IWO qualifizieren Menschen mit Behinderung auf dem Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt, leiten sie an und begleiten sie in der Firma. „Mir war es wichtig, für Markus Letsch einen Vorgesetzten zu finden, der zu ihm passt und kollegial mit ihm umgehen kann“, so Kuss in dem Bericht und weiter: „Und ich wollte eine Arbeit für ihn finden, die seinen Fähigkeiten und Motiven entspricht und ihm letztlich dann auch Freude bereitet.“

Bei Finkbeiner hat Kuss mit seinen Wünschen und Vorstellungen für Letsch ins Schwarze getroffen. Das Praktikum wurde verlängert und mündete schließlich in ein volles sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis. „Markus hat sich im Praktikum bewährt, gebraucht habe ich sowieso jemanden und dann habe ich gesagt: Komm, wir probieren das“, sagt Brockmann, der seine Entscheidung laut der Pressemitteilung nicht bereut hat. Und das Handicap? „Im Grunde kommt hier seine Behinderung gar nicht zum Tragen. Ich merke nicht, dass er schwerbehindert ist“, sagt Brockmann. Und an Feinmotorik und Lernschwäche lasse sich schließlich arbeiten. „Das ist auch Übungssache“, weiß Letsch, der bei Finkbeiner nicht „nur“ einen Arbeitsplatz gefunden hat. Es gehe um ein höheres Selbstwertgefühl, um mehr Selbstbestimmtheit und um das Erfolgserlebnis, kann man dem Schreiben entnehmen. „Und Markus kann durch sein eigen verdientes Geld seine noch junge Familie selbst versorgen“, sagt Ralf Kuss, der inzwischen nur noch bei Finkbeiner vorbeikommt, um einzukaufen.

„Ziel unserer Arbeit ist die Inklusion in den Bereich Arbeit, was mit der Übernahme von Herrn Letsch in ein festangestelltes Arbeitsverhältnis hervorragend gelungen ist“, sagt Elke Lang, Pädagogische Leiterin in der IWO, in dem Bericht.

Leider gebe es aber immer noch zu wenige solcher Übergänge. Dabei sei es für den Arbeitgeber möglich, Lohnkostenzuschüsse zu erhalten und mancher Arbeitgeber melde zurück, dass die Beschäftigung eines Menschen mit Behinderung auch das soziale Miteinander in der Firma verbessert hat.

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