Landeskunde aus dem Leben, nicht aus dem Lehrbuch

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 Die Argentinier kurz vor ihrer Rückreise
Die Argentinier kurz vor ihrer Rückreise (Foto: Gymnasium)
Schwäbische Zeitung

Der Argentinien-Austausch des Gymnasiums Weingarten hat mittlerweile Tradition. Im Juni fliegen hiesige Gymnasiasten nach Buenos Aires, um dort zwei Monate lang ihr Spanisch aufzupolieren – und um die argentinische Kultur kennen zu lernen. Wie die Schule mitteilt, waren umgekehrt bis vor Kurzem vier Argentinierinnen und zwei Argentinier in Weingarten. Sie stammen aus der Provinz Buenos Aires und haben zum ersten Mal Weihnachten im Winter verbracht. Entsprechend begeistert waren die Austauschschüler, mit ihren neu gewonnenen Freunden in Weingarten Schneemänner zu bauen und sich gemeinsam Schneeballschlachten zu liefern.

Zum interkulturellen Lernen gehört das Lernen von- und miteinander. Die argentinischen Schüler waren laut Mitteilung etwa gefragt, typisch deutsche Wörter zu sammeln – und überraschten mit dem Wort „Matratze“. Warum halten sie ausgerechnet das Wort „Matratze“ für typisch deutsch? „Weil es sehr hart klingt, die deutsche Sprache hat etwas Hartes“, gaben die Argentinier als Antwort.

Lieblingswort: Glotzböbbel

Freude hatten sie besonders mit schwäbischen Wörtern wie Glotzböbbel oder mit Maultaschen, Kässpätzle oder Vesper. Überhaupt waren die Argentinier von der schwäbischen Küche sehr angetan, mit der sie in den Gastfamilien verwöhnt wurden. Am Gymnasium Weingarten revanchierten sie sich und zeigten, wie man die Teigtaschen Empanadas oder das Süßgebäck Alfajores zubereitet.

Das Gymnasium Weingarten organisierte laut Mitteilung unter anderem einen Ausflug nach Ulm. Dort stand nicht nur der höchste Kirchturm der Welt auf dem Programm, sondern auch der Besuch der Kunsthalle Weishaupt. Dort ist zurzeit die Ausstellung „Ausgang offen“ zu sehen – ein Titel, der die deutschen und argentinischen Schüler zum Nachdenken anregte. „Wie geht es mit unserer Welt weiter?“, fragten die Schüler, und nannten als Beispiele für „Ausgang offen“ den Klimawandel, aber auch die aktuelle Wirtschaftskrise in Argentinien.

Fragte man die Schüler aus Argentinien nach den größten Unterschieden zwischen dem Schulalltag in Weingarten und in ihrer Heimat Buenos Aires, fiel laut Mitteilung oft das Wort Freiheit. Mit ihren Weingartener Klassenkameraden verbrachten sie so manche Mittagspause in der Innenstadt – in Argentinien hingegen müssen sie jeden Tag bis 15.50 Uhr auf dem Schulgelände verbringen. Das Schulareal ist aus Sicherheitsgründen umzäunt und darf nicht verlassen werden.

„Die Freiheit in Weingarten genießen wir sehr“, war von argentinischer Seite öfter zu hören. Doch nicht alles in Weingarten leuchtete den Latinos ein: Den hiesigen Unterricht empfanden sie zum Teil als streng – zum Beispiel, weil keine Handys erlaubt sind. Was das Gymnasium Weingarten besonders freut, ist die Horizonterweiterung: Die Schüler lernen Landeskunde nicht abstrakt aus dem Lehrbuch, sondern im Dialog mit Gleichaltrigen und mit den Gastfamilien. Das fördert auch die Sprachkompetenz: Das Deutsch der Argentinier hat in den zwei Monaten rasante Fortschritte gemacht – und auch die Weingartener haben ihren spanischen Wortschatz erweitert.

Die Freundschaften halten oft über den Schüleraustausch hinaus – soziale Medien machen die Kommunikation über den Globus hinweg einfach möglich. Und manche werden während des Schüleraustauschs zu den größten Weingarten-Fans: Eine Argentinierin, die vor zwei Jahren am Austausch teilgenommen hat, studiert ab Oktober Grundschullehramt an der PH Weingarten, heißt es abschließend in der Mitteilung.

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