Kriminaltango in der Provinz

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Margret Welsch

Nun hat auch das zweite Stück der Klosterfestspiele 2016 Premiere gefeiert. Nach „Tom Sawyer“ vor zwei Jahren wird in diesem Jahr Astrid Lindgrens Kinderbuchklassiker „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ unter der Regie von Nadine Klante gespielt. Die spannende wie lustige Geschichte, von einem präsent agierenden Schauspielerensemble in Szene gesetzt, überzeugte am Sonntag junge wie ältere Zuschauer.

Doch im Gegensatz zu Brechts „Leben des Galilei“ finden die drei Aufführungen von „Kalle Blomquist“ grundsätzlich im Kulturzelt statt. Der Schräge wegen sei die große Freilichtbühne, laut Festspielleiter Rainer Beck, nicht so geeignet. Zudem schätzt Regisseurin Nadine Klante, gerade für das Kindertheater, die Konzentration im Dämmer des Kulturzeltes. Volle Aufmerksamkeit also für Kleinköping, das Nest in der schwedischen Provinz.

Eigentlich machen sich Kalle Blomquist und seine beiden Freunde Eva Lotta und Anders auf gähnend langweilige Sommerferien gefasst, als Ausläufer eines Verbrechens dann doch noch das Kaff erreichen – Ferien gerettet für den Hobbykriminalisten Kalle. Kleinköping, wo zum wiederholten Male bei Rot über die Ampel gehen zum Schlimmsten gehört, was es so an Gesetzesübertretungen gibt, wird über Nacht zum Zufluchtsort von Juwelendieben. Vorbei ist es mit Däumchendrehen und schüchternen Flirtversuchen. Das junge Ermittlertrio bekommt nun alle Hände voll zu tun.

Akribische Ermittlungsarbeiten

Auf einer minimal möblierten Bühne mit verschiebbaren Kulissen, gestaltet von Michaela Springer, nimmt der Krimi seinen Lauf. Da wird das Erdbeerbeet mal zum Fitnessgerät, mal zum Liegestuhl umfunktioniert. Größere Elemente deuten Häuserfronten oder eine Schlossruine an, wo das Diebesgut versteckt ist. Die Zuschauer werden Zeuge der akribischen Ermittlungsarbeiten mit Spurensicherung, Lauschaktionen und Verfolgungsjagden von Verdächtigen. Spürnase Kalle orientiert sich selbstredend nur an den Großen seiner Zunft und fantasiert sich bereits in die Ruhmeshalle der Meisterdetektive vom Schlage eines Sherlock Holmes. Mit dessen Hut und Pfeife versehen lässt er keinen Zweifel an seiner Klasse.

Steffen Essigbeck mimt den Kalle als altklugen, sehr von sich eingenommenen Jungspund, zu Höherem geboren, der gleichwohl die Mitarbeit seiner Freunde schätzt. In mehreren Rollen zu sehen ist Anetta Dick, die in Kasachstan geboren und in Weingarten aufgewachsen ist. Eva-Lotta gibt sie als herzhaftes Landei, das den Kalle ob seiner Klugheit bewundert. Im Kontrast dazu spielt sie den Gangster Tore als nicht die hellste Leuchte im Ganovenmilieu, mit Wampe und angesagtem Jugendsprech.

Tobias Wagenblaß als Anders, der Dritte im Bunde, ist loyaler Zuarbeiter für seinen Meister Kalle. Als harmloser Dorfpolizist Björk, der dem Hobbydetektiv Kalle natürlich nicht das Wasser reichen kann, was Auffassungsvermögen und Kombinationsgabe anbelangt, erfüllt er das Klischee der biederen wie überforderten Staatsgewalt. Und da ist noch Christoph Franz in der Rolle des Bandenchefs Einar. Franz gibt diesen Charakter gentlemanlike und gerissen. Mimik, Gestik, Körpereinsatz, die vier-köpfige Truppe agiert nicht plakativ übersteigert, sondern angemessen präzise. Reizattacke ist nicht. Man muss als Zuschauer da schon bei der Stange bleiben.

Spannung gehalten

Die Spannung wird über die 70 Minuten Spieldauer gut gehalten. Dazu tragen die stimmig ausgesuchten Musikeinspielungen bei, überwiegend Jazzpassagen. Ob Dorfidyll, ob nächtliche Umtriebe, die Musik vertieft, lädt auf, rhythmisiert, zapft den Krimi-Assoziationsspeicher des Publikums an. Auch trägt sie die Übergänge von Szenen, wo nicht gesprochen wird und nur die Bilder ihre Wirkung entfalten. Mit gespenstisch fahler Ausleuchtung der Schlüsselmomente leistet die Lichtregie ihren Beitrag zum Suspense Feeling, wie bei der Auffindung der Juwelenbeute oder bei der Überwältigung der Banditen beim Showdown.

Ein besonderer Regieeinfall von Nadine Klante, die mit demselben Team auch schon „Tom Sawyer“ bei den letzten Klosterfestspielen inszenierte, sind die Slow-Motion-Sequenzen, in dem die Schauspieler von Zeit zu Zeit choreografiegleich agieren. Schauspieltruppe, Geschichte, Effekte: Alles in allem ist „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ ein spannendes und einfallsreiches Kindertheaterstück. Dafür gibt es dann auch herzlichen Applaus von den gut 200 Zuschauern.

Weitere Vorstellungen des Kinderstücks der Klosterfestspiele „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ gibt es am Spielort Nessenreben am Sonntag, 14. August, um 18 Uhr und am Montag, 15. August, um 17 Uhr.

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