„Komm“ lockt Kulturfans und Künstler an

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Bilderbuch-Open-Air-Wetter auch für die Poetry Slam-Veranstaltung am Samstagabend.
Treffpunkt für Kulturfans und regionale Künstler (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Zum dritten Mal in Folge war der Weingartner Münsterplatz am vergangenen Wochenende Treffpunkt und Bühne für Kulturfans und regionale Künstler. Zwei Tage lang hat das „Komm-Festival“ alles aufgeboten, was zum Staunen, Swingen und Mitmachen einlädt: von A wie Afro Percussion über Improvisationstheater und Poetry-Slam bis hin zu harter Punkrockmusik. Sogar einen Flash-Mob light haben Weingartner Studenten auf die Beine gestellt.

Was braucht ein amtliches Festival mehr als gute Live-Acts, strahlenden Sonnenschein und genügend Durstlöscher? Nicht viel. Außer vielleicht ein wohlwollendes Publikum. Und weil das alles am Freitagabend und den ganzen langen Samstag hindurch gegeben ist, deshalb sieht man allenthalben kühlwasserbeschlagene Radlerflaschen, nackte Schultern in Spaghetti-Tops und entspannt wippende Menschenknie. Menschen zuhauf. Dazwischen wuseln ein paar Linse-Mitarbeiter, die mit störrischen Sonnenschirmen kämpfen, den Kuchennachschub liefern oder rasch noch auf der Bühne Kabelsalat entwirren helfen.

„Komm“, was so viel bedeutet wie „Kultur – Open – Münsterplatz – Mitmachen“, ist auf Initiative des Kulturvereins Linse entstanden und fand in diesem Jahr zum dritten Mal auf dem Münsterplatz statt. Hauptverantwortlich für diesen Mix aus Kinderprogramm und Trommelworkshop, aus regionalen Live-Bands und Maskentheater, afrikanischen Trommlern und Poetry Slammern ist Barbara Brugger, die überall selbst mit Hand anlegt: als Ordner, als Fotografin und als Künstlerbetreuerin. Dass das Festival gänzlich auf Eintrittsgelder verzichten kann, das liegt einerseits daran, dass dies Bruggers strikte Vorgabe ist („Wir wollen eine soziokulturelle Veranstaltung!“) und andererseits daran, dass insgesamt 13 Sponsoren etwa drei Viertel der Kosten tragen und die Linse das Komm-Festival bezuschusst.

Im Durchgang zum kleinen Münsterplatz, auf einem zahnbelagfarbenen Sofa, testen Menschen ihre politischen Tendenzen aus, im schattigen Hinterhof wagen niedliche Mädchen ihre ersten Hüpfer durch ein Springseil und Teenies messen sich am Tischkicker. Während dessen geben sich die Künstler auf der gen Basilika ausgerichteten Bühne auf dem Münsterplatz im Stundentakt das Mikro in die Hand. Für vier Siegerbands aus dem Newcomer-Contest, so wie Sally und Thomas, die ordentliche Coverversionen zum Besten geben, ist das Festival eine großartige Gelegenheit, erste Erfahrungen vor größerem Publikum zu sammeln.

Als schließlich am Samstagabend, kurz bevor die Sonne endgültig hinter den Stadthausgiebeln verschwindet, zwei Luftballon-Männer und eine Handvoll Studenten mit Protestplakaten die Bühne entern, da weht schließlich sogar noch der Hauch eines Skandälchens über den Münsterplatz. Ein „Flash-Mob“ (ein scheinbar spontaner Menschenauflauf, der ungewöhnliche Dinge tut) bildet sich: Studierende der PH und der FH Weingarten fixen die Zuschauer an, mit provokanten Thesen zum 100 Jahre alten Bildungssystem, zu Steuerüberschüssen und Theorie und Praxis der Studieninhalte. Bildung versus Politik sozusagen. Und auch wenn die Wirkung nicht ganz so durchschlagend ist, wie wohl beabsichtigt - immerhin ist der Zeitpunkt für die Aktion clever gewählt: Nach den bunten, wilden Rhythmen der afrikanischen Trommler, die von über 300 Menschen üppig bejubelt werden. Kurz vor den hiesigen Poetry-Slammern, die auch für volle Zuschauerränge sorgen. Und mit genügend Abstand zur chilligen DJ-Party, die das „Komm-Festival“ bis Mitternacht ausklingen lässt.

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