Klassiker voller musikalischem Esprit

Lesedauer: 6 Min
 Mit hohem musikalischem Esprit feiert das Städtische Orchester Weingarten unter Leitung von Rafael Ohmayer sein Jahreskonzert i
Mit hohem musikalischem Esprit feiert das Städtische Orchester Weingarten unter Leitung von Rafael Ohmayer sein Jahreskonzert im Kultur- und Kongresszentrum. (Foto: Babette Caesar)
Babette Caesar

Mit einer anspruchsvollen Musikauswahl hat das Städtische Orchester Weingarten sein Jahreskonzert am Dreikönigstag bestritten. „Mythen und Legenden“ stand als Motto über dem Programm im ausverkauften Kultur- und Kongresszentrum. Waren es im ersten Teil vor allem Klassiker, gaben in der zweiten Partie vermehrt zeitgenössische Werke den Ton an. Stadtmusikdirektor Rafael Ohmayer verstand es souverän, sein Orchester dabei durch alle Höhen und Tiefen zu führen.

Ein beschaulicher Tutti-Auftakt mit Peter Tschaikowskys „Ouvertüre 1812“ stand am Beginn des Konzerts. Langsam steigerte sich dieser, fächerte sich in die verschiedenen Register aus schwerem und leichtem Blech auf. Bekrönt von einem Jagdmotiv und begleitet von Paukenschlägen wechselte die eben noch so ruhige Melodie in einen Marsch über, um mit pompösen Glockenklängen zu schließen. Nicht zu überhören waren die am Bühnenrand installierten Böller, die passend zündeten.

1882 in Moskau uraufgeführt, stellt es den Sieg Russlands in den Napoleonischen Kriegen dar, erläuterte Alexander Kölle als erster Vorsitzender des Musikvereins Weingarten das populär gewordene Stück. Tschaikowsky hingegen habe ihm jeglichen künstlerischen Wert abgesprochen. Recht laut und lärmend sei es, doch ohne Liebe geschrieben. Kölle gelang es in seiner Moderation, den Mythen und Legenden mit viel Humor zu begegnen und immer wieder vergnügliche Episoden einzuflechten. Alle Personen seien an diesem Abend gleich wichtig, betonte er zu Beginn. Doch heute mache er eine Ausnahme, um Oberbürgermeister Markus Ewald zu begrüßen.

Angriffslustig und hochdynamisch

„Nostradamus“ als ein Werk des niederösterreichischen Komponisten Otto Martin Schwarz ging sofort aufs Ganze. Einem durchdringenden Posaunenklang folgten düstere und bedrohliche Partien mit Glockengeläut und einem stampfenden Marschrhythmus. Dahinein und mit dumpfem Grollen im Hintergrund erhob sich eine Flötenmelodie von geheimnisvoller Strahlkraft. Angriffslustig gebärdete sich das Orchester anschließend. Hochdynamisch und mit großer Wucht, nur um gleich wieder tiefe Stille zu erzeugen. Diese temporären Wechsel vermittelten viel Spannung, die sich zu einem fulminanten Finale aus Jagdmotiv und Trommelrhythmus steigerte.

Im Gegenzug dazu stand John Williams’ „Hymn to the Fallen“ aus dem amerikanischen Kriegsfilm „Der Soldat James Ryan“ von Steven Spielberg. Das 1998 in den deutschen Kinos erschienene Epos gilt als stilbildend für das Genre und beinhaltet Noten für einen vierstimmigen Chor. Ob die Musiker wohl singen werden, fragte Kölle vorweg. Ja, sie stimmten einen summenden Gesang an während der zurückgenommenen Tonart als Ausdruck der Ehrerbietung für die Gefallenen.

Bert Appermonts Konzert-Suite aus dem Musical „Im Schatten von Napoleon“ leitete mit einer beschwingten Walzermelodie zu Carl Teikes „Graf Zeppelin Marsch“ über. Beides – der gewichtige Feldherr, der mit 1,68 Metern Körpergröße in Wirklichkeit gar nicht so klein war, und der Begründer des Starrluftschiffbaus – sind unsterbliche Ikonen der Geschichte. Desgleichen das sagenumwobene Einhorn, dem Rossano Galentes klassisch sinfonisch tönender „Cry oft he last Unicorn“ gewidmet ist. Laute und leise Klänge entfachten hierin ihre Sogwirkung. Da heraus stach ein Querflöten-Solo, wie auch in Appermonts Hommage an „Coldplay in Symphonie“ das Saxofon zum Zuge kam.

Hommage an die Agenten-Ikone

Im „James Bond“-Arrangement von Lars Erik Gudim, darunter die berüchtigte 007-Jagd mit Jean Connery auf „Goldfinger“ eröffnet von einem spritzigen E-Gitarren-Solo, feierte Sängerin Michaela Popp ihren Auftritt. Mit kraftvoller Intonation verkörperte sie das „Bond-Girl“ und hauchte dem Klassiker gehörig Drive ein. Ursprünglich eine Pausenaufführung im April 1994 während des Eurovision Song Contest in Dublin ist Bill Whelans „Riverdance“ bis heute die bestverkaufte Show weltweit. Ihr widmete das Dreikönigskonzert sein Finale, in dem sich Cello und Kontrabass, Marimba und Xylofon an die Seite der Bläser stellten. Getoppt von einer Staccato-Trommelperformance – laut und lärmend, doch von hohem musikalischen Esprit.

Meist gelesen in der Umgebung

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen

Mehr Themen