Kirchenpfleger Walter verliert seine Stelle in Weingarten

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 Wegbegleiter verabschieden sich von Kirchenpfleger Gerhard Walter (Zweiter von links): Pfarrer Benno Ohrnberger (vorne von link
Wegbegleiter verabschieden sich von Kirchenpfleger Gerhard Walter (Zweiter von links): Pfarrer Benno Ohrnberger (vorne von links) Christine Zweifel (Kirchengemeinderat Heilig Geist), Dekan Ekkehard Schmid, Wolfgang Reck (Kirchengemeinderat St. Martin), Christa Sigg (hinten von links, Kirchengemeinderat St. Maria), Jörg Sträßle (Gesamtkirchengemeinderat), Eva-Maria Komprecht (Kirchengemeinderat St. Maria). (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Gerne wäre er bis zu seiner Pensionierung Kirchenpfleger der Katholischen Gesamtkirchengemeinde in Weingarten geblieben. Doch die Diözese Rottenburg-Stuttgart machte Gerhard Walter mit einer Verwaltungsreform einen Strich durch die Rechnung. Zentrale Aufgaben seiner Behörde werden nun im kirchlichen Verwaltungszentrum in Kißlegg bearbeitet. Bisher Diakon im Ehrenamt, geht der 53-Jährige nun als Hauptamtlicher nach Ravensburg. Am Freitag ist er unter großer Beteiligung der Kirchengemeinden und Stadt verabschiedet worden.

Pfarrer und Dekan sind nicht glücklich über Verordnung aus Rottenburg

Der Weggang fällt Gerhard Walter alles andere als leicht. 20 Jahre lang war er Kirchenpfleger in Weingarten und wäre dies gerne noch die nächsten zwölf Jahre bis zur Rente geblieben. „Das gute Miteinander mit den Kollegen, den Gremien, den Pfarrern, alles was man aufgebaut hat, fällt nun weg“, bedauert der 53-Jährige die Entscheidung der Diözese. Und auch die betroffenen Pfarrer Benno Ohrnberger und Dekan Ekkehard Schmid sind nicht glücklich über die Verordnung von Rottenburg, in jedem Dekanat nur noch ein Verwaltungszentrum mit den Aufgaben zu betrauen. Für Allgäu Oberschwaben ist der Sitz der Behörde in Kißlegg.

„Gerhard Walter war der Ansprechpartner vor Ort und immer sehr hilfreich und pragmatisch, wenn es um Problemlösungen und Finanzierungsmöglichkeiten ging“, sagt Ohrnberger. Eine Perspektive in der umstrukturierten Kirchenbehörde hat der Diplom-Verwaltungswirt für sich nicht mehr gesehen, weder in der verbleibenden Schrumpfversion in Weingarten noch auf einer höheren Verwaltungsebene. „Nach so langer Zeit an der kirchlichen Basis, konnte ich mir einen Wechsel auf die Metaebene nicht vorstellen“, sagt der in Ravensburg aufgewachsene Vater von fünf Kindern. Dort habe man es weniger mit Menschen, als mit Zahlen und Strukturen zu tun. In der Situation kam dem Verwaltungsmann sein zweites Standbein in der Seelsorge zu Gute.

Walter sieht Chancen: Er arbeitet künftig in Ravensburg

Berufsbegleitend ließ er sich einst zum Diakon ausbilden und war seit 15 Jahren als solcher in Ravensburg ehrenamtlich tätig. Künftig wird er dies nun im Vollzeitjob tun, als Hauptamtlicher in der Seelsorgeeinheit Ravensburg Mitte. „Diakon, den Menschen dienen, das war immer schon meines“, sagt Walter. Diese seelsorgerische Seite sei auch in seine Arbeit als Kirchenpfleger eingeflossen. Zu den Projekten, die er zusammen mit anderen Kooperationspartnern in Weingarten die letzten 20 Jahre maßgeblich mitgestaltet hat, gehören die Gründung der Hospizbewegung, der Familientreff. Der Umzug und die Vergrößerung der Bücherei Weingarten vom Gemeindehaus St. Martin in die ehemalige Gewerbeschule in der Abt-Hyller-Straße. Dazu die Gründung eines Kinderhilfsfonds der Kirchengemeinde Heilig Geist, der Beitritt zur Kinderstiftung Ravensburg und die Übernahme der Trägerschaft der Kindergartengruppe „Blauer Hort“ in der Promenadenschule, die noch bis Sommer läuft.

Er will Menschen am Rande der Kirche erreichen

Bei allem Unmut über das Wegbrechen seiner gerne getätigten Arbeit, will Walter in der neuen Herausforderung eine Chance sehen. „Als Diakon bin ich noch viel näher bei den Menschen.“ Er wird künftig unter anderem für das Soziale zuständig sein. Ob „Einfach Essen“, Seniorenarbeit, Taufen oder Beerdigungen, Walter will gerade auch die Menschen am kirchlichen Rand erreichen und „den Fernstehenden ein positives Bild von Kirche vermitteln“. Seine Nachfolgerin in Weingarten wird seine bisherige Mitarbeiterin, Elke Rizzolo, werden. Wobei die Stelle, ihrer wichtigen Kompetenzen beraubt, nur mehr der zentralen Verwaltungsbehörde in Kißlegg zuarbeiten wird.

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