Kinder dürfen selbst entscheiden

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Die Kinder und Erzieher vom Kinderhaus Bullerbü in Weingarten freuen sich auf die Unterzeichnung der Kita-Verfassung, die in ei
Die Kinder und Erzieher vom Kinderhaus Bullerbü in Weingarten freuen sich auf die Unterzeichnung der Kita-Verfassung, die in einem intensiven Entwicklungsprozess entstanden ist. (Foto: Kinderhaus Bullerbü)
Schwäbische Zeitung

Wie wird mit den Kindern gesprochen, wie gibt man im Team untereinander Rückmeldung in Form von konstruktiver Kritik, wo kann man selbst Macht abgeben, welche Rolle spielt die eigene Erziehung? Viele Fragen und Themen standen am Beginn der Erarbeitung der Verfassung, die die Pädagogen des Kinderhauses Bullerbü vom Deutschen Roten Kreuz Kreisverband Ravensburg in Weingarten entwickelt haben. Bullerbü steht als Sinnbild für eine unbeschwerte Kindheit. Das Kinderhaus Bullerbü steht auch dafür, dass die Kinder in ihren eigenen Angelegenheiten mitbestimmen können. Festgehalten wurde dies laut einer Pressemitteilung in der erarbeiteten Kita-Verfassung, die beim Sommerfest am 29. Juni von allen Pädagogen unterschrieben wurde – im Beisein der Kinder und der Eltern.

Die Kita-Verfassung ist nun also Grundlage einer bildungs- und demokratieorientierten pädagogischen Arbeit in Weingarten. „Inzwischen ist die Verfassung verinnerlicht und von uns allen verabschiedet“, erklärt Fanny Oberrieder-Christin, die Leiterin vom Kinderhaus Bullerbü. Der intensive Entwicklungsprozess habe das Team positiv verändert und gefestigt. Die zwölf Paragraphen werden im Kindergartenalltag rege zurate gezogen.

Doch worum geht es? Es geht darum, dass Kinder selbst entscheiden können, und auch lernen, selbst zu entscheiden. Partizipation ist nicht nur gesetzlich festgeschrieben, Mitbestimmung ist in der Regel auch ein Grundbedürfnis. „Wir haben uns im Alltag angeschaut, wo Kinder mitentscheiden können. Es sind die Themen Anziehen, Schlafen, Essen“, schildert Fanny Oberrieder-Christin. „Kinder können bei uns schlafen, aber kein Kind muss bei uns schlafen.“ Die Erzieherinnen beobachten und begleiten die Kinder im Dialog. Die Erfahrungen, die es als Grundlage für Entscheidungen braucht, dürfen die Kinder im Kinderhaus machen. Gemeinsam mit den Erzieherinnen reflektieren sie sie. Am Ende gilt die persönliche Entscheidung des Kindes. So lernen schon die Kleinsten, auf ihren Körper zu hören, aber auch selbst nachzubohren und Erklärungen einzufordern. Diese Gepflogenheiten des demokratischen Zusammenlebens wollen früh gelernt sein, heißt es in der Pressemitteilung.

Doch manche Themen sind auch mit Ängsten verbunden: Können sich Kinder selbst anziehen, woher weiß ein Kind, wie es sich wettergerecht anzieht? Auch im tiefsten Winter. Fanny Oberrieder-Christin kann beruhigen. Sie hat großes Vertrauen in die Kinder, die ihre Entscheidung auch ändern können. Beim Spaziergang macht dies etwa ein Bollerwagen mit Jacken möglich. Die Leiterin erklärt: „Unsere Fürsorgepflicht hört mit der Verfassung ja nicht auf.“ Die Fachkräfte fungieren einerseits als Vorbilder. Andererseits haben sie immer das Befinden der Kinder im Blick. Um die Eltern in diese Prozesse einzubinden, fand und findet ein laufender Austausch mit ihnen statt.

Startschuss für eine eigene Kita-Verfassung war die Umbenennung der Einrichtung in Kinderhaus Bullerbü. „Da wir auch ein neues Team waren, brauchten wir eine neue Konzeption“, so Fanny Oberrieder-Christin. Das Kinderhaus Bullerbü gehört zu den ersten DRK-Einrichtungen, die eine solche Verfassung entwickelt haben. Die Einrichtung arbeitete dafür mit dem Institut für Partizipation der Universität Kiel zusammen. Den umfassenden Prozess begleitet seit Frühjahr 2016 eine externe Multiplikatorin. Diese beobachtete zum Beispiel Arbeitssituationen und coachte die Mitarbeiterinnen anhand von Videoaufnahmen. Mit der laufenden Reflexion wird sichergestellt, dass in der Praxis das gelebt wird, was auf dem gemeinsam erarbeiteten Papier geschrieben steht.

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