Kanis kandidiert im Alleingang

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Verzichtet bei seiner Bundestagskandidatur auf die Unterstützung einer Partei: Der Weingartener Paul-Gerhard Kanis spart nicht m (Foto: Daniel Drescher)
Daniel Drescher

Ein Mann, null Parteiunterstützung: Der Weingartener Paul-Gerhard Kanis kandidiert für die Bundestagswahl. Dass er es ohne Parteibuch ungleich schwerer haben wird, ist ihm klar: „Ich hab keine Chance, wenn mich nicht genügend Wähler unterstützten.“ Es ist das erste Mal, dass der Diplomingenieur kandidiert. Warum jetzt? „Der Leidensdruck war groß“, sagt der 1955 in Witten Geborene. Er könnte keine der großen Parteien guten Gewissens wählen, weil sie alle für wachsende Schulden, höhere Steuern und zunehmende Armut stünden. Konsequenterweise ist er vor zehn Jahren aus der CDU ausgetreten. „Man muss sich mal fragen, warum die Staatsverschuldung weiter steigt, während gleichzeitig die Steuerbelastung wächst.“ Kein anderes Land auf der Welt habe eine so hohe Steuerbelastung wie Deutschland. Für Kanis passt das nicht zusammen. Die Wirtschaftsleistung habe sich in den vergangenen 50 Jahren verzehnfacht. „Uns geht es aber nicht zehnmal besser“, sagt er. „Die Politiker erzählen uns, dass kein Geld da ist. Da muss doch etwas faul sein“, sagt er. Das Grundproblem in seinen Augen: Dass die Europäische Zentralbank Geld an die Banken verteile, nicht an Staaten. Kanis propagiert die Vollgeldtheorie, derzufolge das Geld direkt an die Staaten gehen soll. Sonst zahle letztendlich der Steuerzahler die Zeche, wenn Banken das Geld wiederrum an Staaten verleihen. Kanis spricht von „Steuergeld-Veruntreuung“.

Von utopisch bis gewöhnlich

Manche seiner Ziele klingen idealistisch bis utopisch. Dass etwa Parteispenden und Nebeneinkünfte für Bundestagsabgeordnete verboten werden sollen. Die Mehrwertsteuer will er abschaffen, Mütter sollen ein Gehalt vom Staat bekommen. Kurios mutet seine Forderung nach der Wiedereinführung der Kuxen an. „Kuxen sind Anteile an Unternehmen. Allerdings berechtigen sie nicht nur zur Teilhabe am Gewinn, sondern verpflichten auch, für Verluste und Schäden aufzukommen. „Wenn Kernkraftwerke auf Kuxen umgestellt würden, gäbe es in zwei Jahren keine mehr“, ist sich der Mann mit dem Schnauzbart sicher.

Doch Kanis wirkt nicht wie der klassische Utopist, wie er da im beigen Trenchcoat im Café sitzt, an seiner Zigarette zieht und über seine Ziele spricht. Nach dem Wehrdienst studierte er Maschinenbau mit Vertiefungsrichtung Energietechnik an der Ruhr-Universität Bochum. Als er 1984 sein Diplom in der Tasche hatte, schlug er eine Laufbahn als Entwicklungsingenieur in der Industrie ein. 1991 machte er sich selbstständig, 1993 gründete er die Firma Kantec Energietechnik. 2003 verkaufte er das Unternehmen. Kanis ist geschieden und hat drei Kinder. Leser der Schwäbischen Zeitung kennen ihn als eifrigen Leserbriefschreiber.

Andere Ziele sind gewöhnlicher: So ist Kanis gegen Fracking, gegen Genmanipulation in der Landwirtschaft und gegen bewaffnete Auslandseinsätze der Bundeswehr. Auch wenn der Einzug in den Bundestag ausgeschlossen scheint: Kanis will zum Nachdenken anregen. „Ich möchte alle Wählergruppen ansprechen – insbesondere Nichtwähler.“

Am Freitag, 20. September , hält Paul-Gerhard Kanis einen Vortrag zum Thema „So kommt Deutschland aus der Schuldenfalle“. Beginn ist um 19 Uhr im Ravensburger Hotel Waldhorn.

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