Im Malgrund findet sich der Maler wieder

Lesedauer: 5 Min
Die "Atelierwände" sind der Blickfang. Der Künstler Bodo Kraft (Mitte) im Gespräch mit Vernissagegästen. (Foto: Babette Caesar)
Schwäbische Zeitung
Babette Caesar

Atelierwand an Atelierwand, unterbrochen von einem Freiraum, der einem virtuellen Durchgang gleicht. Insgesamt sind es neun mehr als zwei Meter hohe, aber nur 50 Zentimeter breite Leinwände, die panelartig nebeneinander platziert die hintere Querwand der Weingartener Galerie im Kornhaus bespielen. Kein Deut anders habe Bodo Kraft die Ausstellungssituation konzipiert, sagte er im Gespräch anlässlich seiner Vernissage am Sonntag. Alle anderen Wandpartien bespielen seine „quadri“. Sie sind aus vier- bis sechszehnteiligen Bildsegmenten zusammengesetzt, unterschiedlich bemalt mit Figuren und Farbflächen, collagiert mit Fotografien oder mit Gekritzeltem betextet und ergeben so wiederum ein Tableau.

Geruch von Ölfarbe inklusive

Es ist nach 13 Jahren die zweite Ausstellung des Karlsruher Malers, der in den 1960er- und 1970er-Jahren bei Horst Antes, Rudolph Haegele und Herbert Kitzel studiert hat. Der Atelieraufenthalte in Amsterdam, Bremen, Worpswede, Bologna, Hamburg und Berlin hatte, heute in Ettlingen, Karlsruhe und Kressbronn lebt. In einer sehr anschaulichen, sich auf die ausgestellten Arbeiten konzentrierende und diese beleuchtende Einführung nannte Sabine Heilig vom Kunstverein Nördlingen drei werkimmanente Aspekte – die Archäologie, die Architektur und die bildende Kunst. Sie bestimmen Bodo Krafts Schaffen so weit, dass er aus seinem geräumigen Ettlinger Atelier sogar den Geruch von Ölfarbe und Terpentin mit nach Weingarten gebracht hat.

Atelierwände sind der Blickfang

Ohne Frage sind die neun Atelierwände der Blickfang. Sie seien eine Form von Selbstporträts, stimmte Gerold Kaiser die große Schar an Vernissagegästen auf die Ausstellung ein. Selbstporträts in dem Sinne, als das der Maler sich in der Malwand wiederfindet. Sie zum direkten Gegenüber wird mit einer Vielzahl mehr oder weniger erkennbar abgebildeter Utensilien, Erinnerungen und Fundstücke, führte Sabine Heilig aus. War Krafts Gemaltes in den 1970er-Jahren vom hyperrealistischen Stil bestimmt, tauchen jetzt davon blitzlichtartig einzelne Bildelemente wieder auf, umfangen nun aber von einem gestischen, stark haptischen und damit kontrastreich angelegten Malgrund.

Vor den Quadri wird der Betrachter zum Suchenden und Forschenden nach Bezügen, die Bodo Kraft beispielsweise aus seiner Zeit in Bologna und den dortigen roten Dächern, den „tozzi rossi“, dem Freskohaften, wie es sich in den Arbeiten „Sinopia“ und „Palme“ zeigt, oder dem mehrfach wiederholten und vielfach variierten Bild-im-Bild-Motiv. Gestalterisch und nach strengen Ordnungsprinzipien geht Bodo Kraft vor. Gleichzeitig lässt er spielerisch Skizzenhaftes, Abstraktes und Amorphes innerhalb der von Bild zu Bild abwechselnd dominierenden Farbflächen entstehen.

Sabine Heilig sprach von lebensbejahenden Bildern in leuchtenden Farben, die einen starken sinnlichen Ausdruck verleihen.

Die Ausstellung „Atelierwände und quadri“ von Bodo Kraft in der Kornhaus-Galerie Weingarten, Karlstraße 28 (Fußgängerzone), dauert noch bis 21. Juli 2013 . Sie ist geöffnet mittwochs bis samstags von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr. In der Kunst- und Museumsnacht am Samstag, 29. Juni ist die Galerie von 18 bis 24 Uhr geöffnet. Jeweils um 20 Uhr und um 21 Uhr sind Führungen mit Gerold Kaiser. Zur Finissage am Sonntag, 21. Juli, um 11 Uhr spricht Gerold Kaiser mit Bodo Kraft über sein Werk.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen