Idee: Blutritt ohne Pferde - Das sagen Weingartener dazu

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 Franziska Groß wünscht sich einen Blutritt ganz ohne Pferde. Weingartener Bürger können sich das nur schwer vorstellen.
Franziska Groß wünscht sich einen Blutritt ganz ohne Pferde. Weingartener Bürger können sich das nur schwer vorstellen. (Foto: Oliver Linsenmaier)
Schwäbische Zeitung
Nora Kneer

Die Weingartenerin Franziska Groß sieht beim Blutritt eine Verletzung des Tierschutzgesetzes. Um auf den Schutz der über 2000 teilnehmenden Pferde aufmerksam zu machen, plant sie eine friedliche Gegenveranstaltung.

Für die Zukunft wünscht sie sich einen Blutmarsch ganz ohne Pferde. Nora Kneer war in Weingarten auf dem Wochenmarkt unterwegs und hat Weingartener nach ihrer Meinung gefragt. Die meisten finden Groß’ Standpunkt übertrieben, doch sie findet auch Unterstützer.

Wolfgang Marx ist selbst Fotograf für die Blutreitergruppe Ravensburg. Für ihn und seine Frau ist ein Blutritt ohne Pferde unvorstellbar. Es sei eine christliche Tradition und eine Bekenntnis zum christlichen Glauben, und es gehe dabei nicht um Reiten als Sport. Dafür würden Jung und Alt zusammen kommen und eine Gemeinschaft bilden. Sogar sein Sohn aus Köln fahre jedes Jahr für den Blutritt nach Weingarten.

 Wolfgang Marx
Wolfgang Marx (Foto: Nora Kneer)

Eberhard Füssinger findet, man solle „die Kirche im Dorf lassen“ und nicht an Traditionen rütteln. Dass manche Pferde mit Beruhigungsmitteln sediert werden, findet er „generell nicht schön“. Er verweist aber auf die Mengen an Ibuprofen und anderen Medikamenten, die von Menschen täglich konsumiert würden. Wer den Blutritt als Tierquälerei sehe, solle zuerst gegen den Reitsport und den Zirkus vorgehen, meint er.

 Eberhard Füssinger
Eberhard Füssinger (Foto: Nora Kneer)

Jenny Kramer findet das Thema schwierig. Zum einen sei der Blutritt eine wichtige Tradition, zum anderen sei die Leistung, die von den Pferden verlangt werde, groß. Es spiele dabei keine Rolle, ob die Reiter auf eigenen oder geliehenen Pferden teilnehmen. Allgemein sieht sie Umzüge mit Tieren kritisch. Einem Blutmarsch ganz ohne Pferde steht sie deswegen positiv gegenüber.

 Jenny Kramer
Jenny Kramer (Foto: Nora Kneer)

Gernot Bohnert hält die Problematik für übertrieben. Im Mittelalter seien schließlich Ritter in voller Rüstung auf den Pferden gesessen, da ginge es den Pferden beim Blutritt doch besser, vermutet er. Ein Blutmarsch ohne Reittiere kommt für ihn nicht infrage. Er verweist auf die lange Geschichte. „Pferde wurden damals als Geschöpfe Gottes gesehen“, sagt er. Deswegen gehören sie für ihn zur allgemeinen „Frömmigkeit“ dazu.

 Gernot Bohnert
Gernot Bohnert (Foto: Nora Kneer)

Maren Brugger ist jedes Jahr als Zuschauerin beim Blutritt. Ohne Pferde kann sie sich die Prozession nur schlecht vorstellen, schließlich ist sie damit aufgewachsen.

 Maren Brugger
Maren Brugger (Foto: Nora Kneer)

Offizielle Empfehlungen fände sie aber wichtig. Zum Beispiel solle man vorher Reitstunden nehmen und sich gut vorbereiten. Auf einem fremden Pferd zu reiten, sei gefährlich und sollte vermieden werden. „Es liegt aber in der Eigenverantwortung der Pferdebesitzer und der Reiter“, sagt sie.

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