„Ich habe riesigen Respekt vor dieser Aufgabe“

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Susanne Frankenhauser war bislang Schriftführerin und führt nun die Weingartener Plätzlerzunft an.
Susanne Frankenhauser war bislang Schriftführerin und führt nun die Weingartener Plätzlerzunft an. (Foto: Oliver Linsenmaier)
Schwäbische Zeitung

Susanne Frankenhauser und die Plätzlerzunft haben Geschichte geschrieben: Die 50-Jährige ist die erste Frau, die die traditionsreiche Weingartener Narrenzunft anführt. Und sie ist die erste Frau überhaupt an der Spitze einer Zunft, die in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) organisiert ist. Dem mächtigen Narren-Dachverband gehören 67 sehr traditionell ausgerichtete Zünfte im ganzen schwäbisch-alemannischen Raum an. Nicolai Kapitz hat sich mit Susanne Frankenhauser über ihre Wahl in die als Männerdomäne bekannte Riege der Zunftmeister unterhalten – und über die Nachfolge von Klaus Müller, der die Plätzlerzunft in Weingarten wie kein anderer geprägt hat.

Was ist es für ein Gefühl, als Frau der traditionsreichen Plätzlerzunft vorzustehen und die erste Zunftmeisterin in der VSAN zu sein?

Es ist natürlich ein Novum, das ist mir klar. Aber ich möchte die Diskussion eigentlich gar nicht so sehr auf dieses Thema fokussieren. Mit dem Gender-Wahnsinn habe ich nichts am Hut. Für mich selber spielt das eigentlich gar keine große Rolle. Ich bin zwar eine Frau, aber in erster Linie ein Mensch. Und als solcher würde ich gerne wahrgenommen werden.

Die Riege der Narrenzunftmeister war meist eine Männerdomäne – bis jetzt. Gab es innerhalb der männlichen Narren – unter Zunftmeistern wie bei den Plätzlern – Vorbehalte dagegen, dass eine Frau Zunftmeisterin wird?

Die gab es bestimmt. Aber sie wurden nicht mir gegenüber angesprochen. Das ging eher an mir vorbei. Wobei ich es vielleicht auch eher ausgesessen habe und an mir abprallen ließ. Aber man beschäftigt sich schon auch mit versteckter Kritik. Und diesen Kritikern möchte ich einfach zurufen: „Wartet doch einfach mal ab, ob sich wirklich so viel ändert.“ Ich will sicher nicht das Rad neu erfinden. Bewährte Dinge sollen Bestand haben. Aber Tradition bedeutet auch Belebung. Wenn wir uns nicht innerhalb der Tradition weiterentwickeln, ist unsere Tradition irgendwann nur noch Schauspiel.

Für die Entwicklung der Tradition stand in der Plätzlerzunft bislang vor allem der Name des Zunftmeisters Klaus Müller, bis er vor rund einem halben Jahr überraschend verstorben ist. Wie groß sind die Fußstapfen, die jetzt auszufüllen sind?

Ich habe riesigen Respekt vor dieser Aufgabe. Aber ich gehe da auch mit einer gewissen Portion Naivität dran. Und diese Naivität möchte ich mir auch bewahren, weil ich glaube, dass sich das Amt damit ein Stück weit leichter tragen lässt. Ich versuche das Glücksgefühl, das ich die letzten Tage, ein bisschen zu konservieren und mitzutragen. Vielleicht kann ich es hervorholen, wenn mir der Wind einmal sehr stark entgegenbläst.

Der närrische Wind beginnt damit schon recht bald. Am 11.11. kommt der erste Auftritt als neue Zunftmeisterin.

Das Programm bei der Martinisitzung haben wir inhaltlich schon grob abgestimmt. Wir sind auch auf die Unterstützung der Weingartener angewiesen, damit es richtig lustig wird.

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