Hochschule bastelt an Marsrover

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Julius Böhm

Von Weingarten auf den Mars – dieses ambitionierte Ziel haben sich Studenten der Hochschule Ravensburg-Weingarten gesetzt. Zumindest in der Theorie. Das 30-köpfige Team „Rover to Mars“ entwickelt und baut seit neun Monaten ein Fahrzeug, das in ferner Zukunft Missionen auf dem Mars erledigen soll. Das kurzfristige Ziel ist zunächst aber ein Wettkampf im August dieses Jahres in der kanadischen Wüste, bei dem sich die Studenten mit dem fertigen Rover mit Teams von Universitäten aus aller Welt messen wollen.

Trumpf und Herausforderung zugleich ist die große Vielfalt, die in „R2M“ (kurz für Rover to Mars) steckt. Die Studenten kommen aus zehn verschiedenen Nationen und studieren die unterschiedlichsten Disziplinen. Neben den erwartbaren Fachbereichen Elektrotechnik, Maschinenbau und Physik haben sich auch Studenten aus Design- und Management-Studiengängen angeschlossen.

Die Hauptaufgabe: Mechanik, Elektronik und Software müssen nebeneinander entstehen. Sonst könnte es eng mit dem Zeitplan werden. „Darin liegt sicher die Schwierigkeit, die verschiedenen Aufgabenbereiche in Einklang zu bringen – aber sicher auch der Lernerfolg, der an Praxisnähe kaum zu überbieten ist“, sagt Markus Pfeil, der das Projekt als Professor für eingebettete Systeme unterstützt. Wird etwa die Mechanik, also das System, mit dem der Rover fährt, geändert, kann sich das auch auf die anderen Bereiche auswirken. Kommunikation und vorausschauende Absprachen sind daher unerlässlich.

Um in der kanadischen Wüste bestehen zu können, muss der Rover einiges leisten: Er soll ferngesteuert, aber auch autonom fahren, Bodenproben nehmen und analysieren können und im Zweifel sogar einen verletzten Astronauten erst bergen und danach in Sicherheit bringen können. „Die Studenten müssen nun herausarbeiten, was all diese Anforderungen für ein technisches Gerät bedeuten und wie sich diese in die Realität umsetzen lassen.“ Und das alles mit einem Budget von 15 000 Euro, damit tatsächlich Kreativität und Eigeninitiative gefragt sind – und nicht Geld.

Angeführt wird das Thema von Daniel Heimmann aus Israel und Su-In Hwang aus Südkorea. Die beiden Frauen hatten keine Mühe, das erste deutsche Team, das an diesem Wettkampf teilnimmt, zusammenzustellen: „Wir wollen der Raumfahrt im öffentlichen Diskurs mehr Platz schenken und allen voran bei diesem Projekt die Komplexität der Realität mit all ihren Facetten kennenlernen. Außerdem hoffen wir, dass wir für nachfolgende Studenten hier in Weingarten den Grundstein für nachfolgende Projekte legen.“

Technisch weiter als die NASA?

Zum Teil werden bei dem Marsrover aus Weingarten sogar Komponenten verwendet, die deutlich moderner sind als die, die derzeit im Weltall bei NASA und Co. eingesetzt werden. Das liegt an der Strahlung im Weltraum. Alle Bauteile an einem „echten“ Marsrover müssen strahlungssicher sein und werden lange getestet. Dieses zeitaufwendige und sehr teure Hindernis gibt es in der Wüste Kanadas nicht.

Die größte Herausforderung, das vermutet Prof. Pfeil, wird das autonome Fahren des Rovers sein. „Typischerweise wird das mit maschinellem Lernen und viel Trainingsaufwand für das Gerät umgesetzt. Es muss die Umgebung erkennen und die Fahrroute selbstständig planen. Vor diesem Problem stehen aber alle Teams – und das ist zum Glück nur eine von vier Aufgaben.“

Am 22. Mai soll der Marsrover feierlich enthüllt werden, bis dahin wird noch viel Arbeit nötig sein. Die Studenten können ihren Einsatz für das Rover-Projekt zwar in Form von Projektarbeiten in das Studium integrieren, „aber gerade was die Organisatoren seit Monaten leisten, geht weit über das normale Maß hinaus – hier wurde die Semesterferien durchgearbeitet“, sagt Pfeil.

Er hat auch eine Vermutung, warum die Motivation bei „R2M“ so hoch ist: „Diese Aufgabe haben sich die Studenten selbst gegeben, und das motiviert ungleich mehr – das ist für den Lernerfolg immens.“ Nicht der Rede wert sind die rund 1000 Euro Preisgeld, die es beim Canadian International Rover Competition zu gewinnen gibt. Dafür aber die zahlreichen Unternehmen, die den Wettkampf beobachten und Talente für die Technik der Zukunft suchen.

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