OSK-Landeplatz gesperrt: Helikopter müssen Patienten wochenlang nach Weingarten fliegen

 Weil die Kardiologie neu eingerichtet wird, ist der Helikopterlandeplatz der OSK für 18 Wochen nicht nutzbar.
Weil die Kardiologie neu eingerichtet wird, ist der Helikopterlandeplatz der OSK für 18 Wochen nicht nutzbar. (Foto: Felix Kästle)
Redakteurin

Die Rettungshubschrauber, die normalerweise auf dem Dach des St. Elisabethen-Klinikums (EK) in Ravensburg landen, werden die kommenden 18 Wochen stattdessen das Gelände im Lindenhofstadion in Weingarten anfliegen.

Von dort aus werden die Patienten mit einem Rettungswagen in das Klinikum gefahren. Der Grund: Das Dach des Krankenhaus-Gebäudes B muss neu gemacht werden.

Schon ab Montag, 8. August, steuern die Hubschrauber Weingarten an. Laut den Oberschwabenkliniken (OSK) dauert es dadurch zwischen zehn bis 15 Minuten länger, bis der Patient behandelt werden kann. In der Zeit von Montag bis Anfang Dezember rechnen die Kliniken mit bis zu 130 Starts und Landungen. HIER gehts zum aktuellen Kommentar zum Thema. 

Ein Rendezvousplatz in Weingarten

Es war das Regierungspräsidium (RP) Tübingen, dass nach der Untersuchung mehrerer Standorte in Ravensburg zu dem Ergebnis kam, dass sich der Platz im Gelände des Lindenhofstadions in Weingarten am besten als Interimslandeplatz für den Rettungshubschrauber eignet.

Winfried Leiprecht, Sprecher der OSK, erklärt: „Ein Kriterium war, dass wir dort schon länger einen sogenannten Rendezvous-Platz haben, auf dem der Hubschrauber auch jetzt schon landen kann.“ Ein Rendezvous-Platz bedeutet, dass der Notarzt dort gefahrlos und schnell aus seinem Wagen in den Helikopter steigen kann und umgekehrt.

Die Feuerwehr muss bei jeder Flugbewegung ausrücken

Diese Entscheidung des RPs zieht nicht nur einen längeren Transportweg der Patienten nach sich, auch die Infrastruktur musste zunächst einmal eingerichtet werden. Ein Beispiel: „Auf dem Dach der OSK gibt es eine ständige Feuerlöscheinrichtung und es ist immer ein Mitarbeiter für die Brandwache anwesend“, sagt Leiprecht.

Da es das in Weingarten nicht gibt, muss zur Sicherheit nun bei jeder Flugbewegung die Feuerwehr Weingarten anrücken.

Der Landeplatz im Gelände des Lindenhofstadions musste markiert werden, die Fahrten des Rettungswagens zwischen Landeplatz und Klinik gehörten geregelt. Auch auf die Straßen selbst hat die Entscheidung Einfluss.

Der Helikopter wird die Ettishofer Straße überfliegen, weshalb dort die Geschwindigkeit für Autos auf 30 Stundenkilometer reduziert wird. Im Vorfeld sei laut OSK zudem der Lärmschutz für die Weingartener Anwohner bewertet worden.

Ein Luftfahrtplaner hat einen Flugkorridor festgelegt, der sich außerhalb der Wohnbebauung befindet. „Der Rettungshubschrauber fliegt also nicht über die Häuser der Bewohner“, so Winfried Leiprecht.

Nachts fliegt kein Rettungshubschrauber

Bei Dunkelheit kann Weingarten allerdings nicht angeflogen werden, da es keine Landeplatzbefeuerung gibt – also keine Orientierungslichter für den Piloten. Im Notfall müsste die OSK allein auf den Rettungswagen zurückgreifen. Es seien aber ohnehin nur wenige Helikopter in der Lage, nachts zu fliegen. Auch jetzt schon seien Landungen in der Dunkelheit selten, so Leiprecht.

Der Grund für die ganzen Maßnahmen ist eine Dach-Erneuerung. Das Haus B des St. Elisabethen-Klinikums, auf dem die Hubschrauber für gewöhnlich landen, ist das einzige aus dem alten Bestand der 90er-Jahre.

Darin befinden sich die medizinischen Funktionsbereiche einschließlich der Operationssäle. Nun wird die Kardiologie für mehrere Millionen Euro neu eingerichtet, wofür Lüftungsanlagen auf dem Dach vonnöten sind.

Am EK gibt es keine Ausweichfläche mehr

Leiprecht sagt: „Wir müssen das Dach dafür neu machen, zunächst wird es aber ein provisorisches Dach geben. Das sollte vom Sog des Hubschraubers nicht weggeweht werden“. Es wird außerdem einen Kran geben, der einen so großen Ausleger hat, dass der über den Hubschrauber-Dachlandeplatz schwenkt. Das mache Landungen unmöglich.

Auf dem Rest des OSK-Geländes habe es keine Ausweichfläche gegeben, so Leiprecht. Dort, wo die Huschrauber früher gelandet sind, wird gerade das Parkhaus mit 1040 Plätzen gebaut. Das Labor Gärtner baut dort ebenfalls neu.

Das Regierungspräsidium hat auch mögliche andere Landeplätze in Ravensburg untersucht. Winfried Leiprecht schildert: „Das waren die Flächen in der Nähe des EK, am Ravensburger Sportgelände und auf der Burachhöhe. Unter anderem wurden die Plätze daraufhin überprüft, wie viele Belästigungen für die Nachbarschaft und Umgebung entstehen.“

Eine entscheidende Rolle habe gespielt, wo der Rettungswagen am besten ungehindert an- und abfahren kann. Der Rendezvous-Platz im Gelände des Lindenhofstadions habe sich unter diesen Gesichtspunkten als der geeignetste Überbrückungsstandort herausgestellt.

Trainings müssen unterbrochen werden

Der detaillierte Standort: Kreuzung Ettishofer Straße/Einfahrt zum Lindenhofstadion. Dort kümmern sich Verkehrsbehörde und Baubetriebshof der Stadt Weingarten gerade um Rasen, Markierung auf dem Feld, Anbringung eines Windsacks und vieles mehr. Das schreibt die Stadt auf Anfrage.

Direkt neben dem Landeplatz befindet sich das Trainingsgelände. Die Sportler seien darüber informiert, dass sie das Training auf dem Nebenplatz während eines Hubschraubereinsatzes aussetzen müssen. Außerdem müssen sich sämtliche Sportgeräte in ausreichender Entfernung befinden.

Landen wird in Weingarten künftig in erster Linie der Rettungshubschrauber Christoph 45 aus Friedrichshafen, das Lindenhofstadion wird aber auch von Helikoptern aus Memmingen, Ulm und Villingen-Schwenningen, sowie aus St. Gallen (Schweiz) und Bludenz (Österreich) angeflogen werden.

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