Grünen-Chefin freut sich über Energie-Projekt

Lesedauer: 6 Min

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter (zweite von links), freute sich gemeinsam mit ihrer Bundestagskandidatin Agniesz
Die Bundesvorsitzende der Grünen, Simone Peter (zweite von links), freute sich gemeinsam mit ihrer Bundestagskandidatin Agnieszka Brugger (dritte von links), Klaus Meyer und weiteren Parteimitgliedern über den Besuch in Weingarten. (Foto: Oliver Linsenmaier)
Schwäbische Zeitung

Die Begrüßung auf dem Parkplatz Nessenreben in Weingarten fällt herzlich aus. Handschläge hier, Umarmungen dort. „Da muss ich nur aufpassen, dass ich keinen Journalisten umarme“, scherzt Simone Peter, Bundesvorsitzende der Grünen. Damit ist das Eis gebrochen. Das passt auch zum Anlass. Ein Besuch des Wasserrades der Bürgerenergiegenossenschaft Weingarten steht auf dem Programm. Danach geht es ins Hotel Sonne, wo über Elektromobilität, Klimaerwärmung und den Dieselskandal gesprochen wird. Es ist Wahlkampfzeit – auch in Weingarten.

Daher soll die Grünen-Chefin aus der ersten Reihe, die Direktkandidatin der Grünen für den Landkreis Ravensburg, Agnieszka Brugger, unterstützen. Gern gesehen sind dabei Besuche in ökologisch vorzeigbaren kleineren Betrieben, Initiativen oder Projekten. Und so steht nach den Besuchen einer Bio-Käserei und einer Windkraft-Anlage in Bayern in den vergangenen Tagen für Simone Peter nun eben das Weingartener Wasserrad auf dem Programm. Schließlich ist die grüne Politprominenz – neben Simone Peter auch Anton Hofreiter, Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckhart – seit Montag und noch die kommenden fünf Wochen bis zur Bundestagswahl am 24. September in der ganzen Republik unterwegs. „Wir wollen mit den Leuten ins Gespräch kommen“, sagt Peter, die sich offen präsentiert und ehrlich zugibt, dass sie über Weingarten nicht viel weiß. „Aber deswegen machen wir ja auch die Tour. Um die Region kennenzulernen“, sagt Peter.

Weg fortsetzen

Dabei habe sie bereits die Schönheit der Landschaft und die Herzlichkeit der Menschen in der Region kennengelernt. So auch Klaus Meyer, der das Windrad als Vorstand der Genossenschaft vorstellt. „Es ist toll, den zu Mut haben, das anzugehen“, sagt Peter. „Da ist auch die Akzeptanz in der Bevölkerung da, weil es Leute aus Weingarten sind, die das machen.“ Diesen Weg gelte es fortzuführen, ermutigt Peter, bevor es zum Bürgerdialog in das Hotel Sonne geht. „Das ist genau die Bewegung, die wir brauchen. Die Demokratisierung der Energieversorgung – eine Bewegung, die nicht mehr zu stoppen ist.“

Das würde sich Peter sicher auch für das grüne Wahlergebnis am 24. September wünschen. Doch obwohl sie von ihrer Direktkandidatin Brugger komplett überzeugt ist, gerade weil sie deren Arbeit in Berlin als Abgeordnete kennen und schätzen gelernt habe, weiß sie ob der Konstellation im Landkreis, im dem das Mandat für den Bundestag in der Vergangenheit immer an die CDU gegangen ist. „Ich sehe Baden-Württemberg, ich sehe diesen Landkreis auf einem guten Weg“, sagt Peter bedacht.

Kritik an Kanzlerin

Etwas klarer wird die grüne Bundesvorsitzende beim Bürgerdialog, wenn es um die Bundeskanzlerin. In Sachen Energiewende habe sie eine „Politik des Mehltaus“ und ein „Nebel, der sich auf das Land gelegt hat“ zu verantworten. In den Jahren unter Kanzlerin Merkel sei beim Klimaschutz nichts vorangegangen, weil sie nur die Interessen der Industrie berücksichtigt habe. Gleiches gelte für Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), der sich in der Diesel-Affäre wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten habe. „Die Politik hat weg geschaut. Dobrindt wusste Bescheid, dass in seinem Haus etwas schief läuft“, sagt Peter.

Doch diese Kritik geht einigen Anwesende noch nicht weit genug. Sie würden sich etwas mehr Angriffslust und Offensive der Parteispitze wünschen. Themen, wie der Dieselskandal oder die verseuchten Eier, seien Steilvorlagen, mit denen man als Grüne einfach und vor allem überzeugend punkten könne. „Es macht Sinn, dass die Grünen der Stachel im Fleisch sind“, stimmt Peter zu und spricht über richtungsweisende Zeiten in Sachen Elektromobiliät und Konsumverhalten. Ihre Partei sei die richtige, um eben diese Themen in einen entsprechenden Rahmen zu stellen. Und auch Brugger sieht die Grünen mit ihren Wahlkampfthemen auf dem richtigen Weg. „Ich glaube, dass sich immer mehr Menschen Gedanken machen, wie man konsumiert“, sagt Brugger bevor sie regionale Produkte an die Parteivorsitzende übergibt – mitsamt herzlicher Verabschiedung.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen