Gewerbeverein sorgt sich ums Schuler-Areal

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Zu wenig Gewerbe, zu viel Wohnraum und ein unbelebtes Stadtviertel: Der Gewerbe- und Handelsverein Weingarten (GHV) glaubt, dass die eingeschlagene Strategie der Stadtverwaltung und des Investors für das Schuler-Areal in Weingarten nicht zielführend ist. Daher fordert der GHV einen Ideenwettbewerb und mehr Bürgerbeteiligung.

Der Gewerbe- und Handelsverein Weingarten (GHV) sorgt sich um die Zukunft des innerstädtischen Schuler-Areals. Die Stadt Weingarten sei gerade dabei, die Jahrhundertchance zu vergeben. Würde man das aktuelle Strukturkonzept weiter verfolgen würde es zu viel Wohnraum, zu wenig Gewerbe und ein totes Stadtviertel geben. „Das geht nicht in die Zukunft. So ein Konzept hätte man im Jahr 1990 erstellen können“, sagt Karl-Anton Feucht, 1. Vorsitzender des GHV. „Wir wollen keine Trabantenstadt. Wir wollen eine lebendige Stadt.“

Für diese brauche es Einkaufsmöglichkeiten, Kunstangebote und vor allem – Gewerbe. Daher fordert der GHV einen Anteil von 50 Prozent an Gewerbeflächen, damit Wohnen und Gewerbe fair gewichtet würden. Die Idealvorstellung dabei: „Da gehe ich gerne hin. Da will ich auch gerne sein. Es geht um das Erlebnis Stadt“, erklärt Feucht. So könne auch das Wohnen besser mit dem Arbeiten vernetzt werden. Und das sei auch dringen nötig. In Weingarten sei aktuell nicht wirklich viel los. Daher müsse man das neue Quartier attraktiv gestalten. Und genau das sehe das Strukturkonzept, laut Feucht, aktuell nicht vor. „Das Strukturkonzept ist uralt“, sagt er. „Es gibt ganz viele Gutachten. Die hat man alle außen vor gelassen.“

Ohnehin seien viele Anmerkungen und Stellungnahmen – wie beispielsweise durch Step 2020 – in dem aktuellen Konzept nicht mit aufgenommen worden. Auch die Bürger seien trotz einiger, weniger Informationsveranstaltungen kaum gehört worden, meint Feucht. Die verschiedenen Vorschläge seien alle abgewiegelt worden. „Die Einflussmöglichkeiten sind nicht sehr groß“, sagt Feucht. Auch in der Aufbereitung und Kommunikation könne man deutlich mehr machen, wie beispielsweise eine ständige Ausstellung oder weitere Bürgerbeteiligungen. Andernfalls drohe ein Viertel ohne Leben, wie beispielsweise das Neubaugebiet Baienfurter Ösch. „Ich fände es schrecklich, wenn man die Innenstadt so lahm legen würde“, sagt Feucht – auch mit Blick auf das große Ganze. „Wir haben eine Verantwortung für zukünftige Generationen.“

„Wir übergehen einen Schritt“

Daher sei es nun an der Zeit, einen Ideenwettbewerb auszuschreiben und damit einen zusätzlichen Schritt zwischenzuschalten. „Wir übergehen einen Schritt“, sagt Feucht, der befürchtet, dass der Realisierungswettbewerb, der von den Lindauer Investoren i+R Dietrich Wohnbau bereits ausgeschrieben wurde – allerdings als sogenannter Einladungswettbewerb, bei dem rund ein Dutzend ausgewählte Architekturbüros angeschrieben wurden – als maßgebliche Grundlage auf das Strukturkonzept der Stadt zurückgreifen soll. „Wir lesen aus dem Strukturpapier viele Nachteile für die Stadt. Wir sehen den großen Wurf nicht“, sagt Feucht, der „keine Fußfesseln des Strukturpapieres“ will.

Doch bezweifelt Feucht, dass sich Stadt und Investor auf einen Ideenwettbewerb einlassen. „Da könnten Ideen kommen, die man so nicht will“, meint er. So zum Beispiel ein Bürgersaal oder ein Kulturzentrum – also Flächen für die Öffentlichkeit. Doch diese brächten, wie auch Gewerbe, nicht so viel Geld. „Es gibt finanzielle Interessen. Wohnraum bringt andere Gelder als Gewerbe“, erklärt der GHV-Vorstand. Auf dem Schuler-Areal sei mit 13,33 Euro auf den Quadratmeter für Wohnraum und 10,40 Euro pro Quadratmeter für Gewerbe zu rechnen. „Das wird wohl relativ teuer dort zu wohnen. Aber diese Beträge werden auch gezahlt“, sagt Feucht.

Einige Unstimmigkeiten

Daher werde auch immer höher gebaut. Das sei auch in Ordnung, wenn man im Gegenzug im Erdgeschoss Gewerbeflächen vorhalte. „Wir können nicht nur wohnen“, sagt er. Auch die Stadt müsse ein Interesse an mehr Gewerbe haben – alleine schon wegen der klammen Stadtkasse. Schließlich sei die Gewerbesteuer eine wichtige Einkommensquelle und „etwas, was der Stadt auch perspektivisch etwas bringt und nicht nur einmal.“ Ohnehin gäbe es in dem Strukturkonzept einige als Wohnraum ausgezeichnete Gebiete, in denen eben das gar nicht möglich sei. „An der Straße kann man nicht wohnen“, sagt Feucht mit Blick auf die vielbefahrene Schussenstraße. Auch sei zu viel als Grünraum eingezeichnet und es brauche mehr Anfahrtsmöglichkeiten in das Viertel.

Cafes und Start-Ups

Diese könnten dann von anderen Bürgern genutzt werden, wenn sie zum Einkaufen kommen. Besonders aber zur Anlieferung bedürfe es mehr Straßen. Neben Cafes und Bars schweben Feucht auch Boutiquen und Läden von Kunsthandwerker vor. Auch den Studenten müsse man Anreize schaffen, in das Viertel zu kommen. „Das ist ein Problem. Die müssen hier sein“, sagt Feucht, der sich auch Räumlichkeiten für kleine Start-Ups vorstellen kann. „Das Quartier steht die nächsten 100 Jahre“, sagt er. Da komme es auf ein halbes Jahr mehr oder weniger nicht an. „Jetzt wäre noch Zeit etwas zu verändern.“

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