Gesicht der Linse verabschiedet sich

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Gesicht der Linse verabschiedet sich
Nach vier Jahren als Vorstand wird Barbara Brugger nicht mehr für ein offizielles Amt beim Kulturzentrum in Weingarten kandidieren. Da sie einige Ziele erreicht hat, zeitgleich aber sehr ausgelaugt ist, hofft sie nun auf einen Generationenwechsel im Vorstand.
Schwäbische Zeitung

Das Gesicht der Linse, Barbara Brugger, wird das Weingartener Kulturzentrum nicht mehr offiziell vertreten. Das hat die 64-Jährige im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ erklärt. Brugger wird bei der kommenden Linse-Mitgliederversammlung am 15. April nicht mehr für ein Vorstandsamt kandidieren. Insbesondere das aufreibende Ringen mit dem Gemeinderat sowie das komplizierte Vereinsgefüge des Kulturzentrums waren ausschlaggebend für ihre Entscheidung. „Mein Einsatz war einfach zu hoch. Das hat mich jede Menge Energie gekostet. Ich bin einfach ausgepowert“, erklärt Brugger, die der Linse aber dennoch treu verbunden bleiben wird.

Schließlich seien die vergangenen vier Jahre als Linse-Vorstand für den Bereich „Kultur und Programm“ sehr interessant und aufschlussreich gewesen. „Ich habe total viel gelernt, aber es war auch eine harte Schule. Ich habe gemerkt, dass das nicht meine Welt ist“, sagt sie hinsichtlich der immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit dem Gemeinderat um städtische Zuschüsse. Jahr für Jahr hatte sie um jeden Euro kämpfen müssen und letztlich auch meist ein zufriedenstellendes Ergebnis für das Kulturzentrum erzielt. Schließlich konnte Brugger in ihren vier Jahren als Vorstandsmitglied erwirken, dass die städtischen Zuschüsse von 12 000 Euro auf 20 000 Euro stiegen. Zudem erkämpfe Brugger die fixe Zusage für die Jahre 2018 bis 2020. „Das war sehr anstrengend“, sagt Brugger. „Aber das Ziel war es, die Verhandlungen mit der Stadt erfolgreich abzuschließen und da bin ich jetzt schon zufrieden.“

Schließlich waren die finanziellen Zuschüsse eines von drei Kernanliegen, denen sich Brugger in den vergangenen Jahren gewidmet hatte. Und auch ihr zweites Ziel hat die 64-Jährige nach eigener Aussage erreicht: Die bessere Vernetzung der Linse in der Region, was sich nicht zuletzt am Komm-Festival oder der Kino-Partnerschaft mit Mantua ablesen lässt. Mindestens genauso wichtig war Brugger die Kontaktpflege zu den rund 700 Mitgliedern. Schließlich sei man kein Sportverein, bei dem man regelmäßig wegen Wettkämpfen zusammenkomme. „Das sind alles Kulturförderer. Die machen das alles der Kultur zuliebe und für die Institution schlechthin im Kreis“, weiß Brugger, die sich besonders gerne an die gemeinsamen Ausflüge erinnert. „Da habe ich sehr viel zurück bekommen.“Doch während Brugger die Vorzüge des Kulturzentrums zu schätzen weiß, ist sie sich auch der Schwierigkeiten bewusst. Und diese sind tief in der DNA der Linse verwurzelt. Denn letztlich passen Vereinsstruktur und Aufgabengebiet kaum noch zusammen. Das Kulturzentrum hat mittlerweile so viele verschiedenen Aufgaben, Angestellte (30) und Mitglieder (700). Die drei Vorstände – neben Brugger sind es Eugen Mandel und Alexander Parret – werden ihren Aufgaben kaum noch Herr. Daher soll der Vorstand bei der Mitgliederversammlung um drei ständige Beisitzer für die Bereiche „Live“, „Film“ und „Galerie“ erweitert werden. Gerade Bruggers Vorstandsposten würde dadurch deutlich entlastet werden.

Gemeinnützige GmbH nicht auszuschließen

„Die Linse hat ein sehr vielschichtiges Konstrukt. Wir sind ein mittelständiger Betrieb mit Vereinsstrukturen. Da kommt das Konstrukt an seine Grenzen“, erklärt Brugger, die an dieser Stelle dringenden Handlungsbedarf sieht. Besonders der aufwendige Gastronomiebereich sei auf ehrenamtlicher Basis nicht zu führen. Zu vielschichtig, zu umfassend seien die Aufgaben. „Wir haben alles jeden Tag, das ganze Jahr. Das ist eine Herausforderung“, sagt Brugger, die auch die Gründung einer gemeinnützigen GmbH nicht ausschließen will. Auch wenn das dem demokratischen Gedanken, der in der Linse stets geherrscht, aber Brugger ihre Arbeit oft auch erschwert hatte, widerspreche. „Oft ist man als Vorstand nicht handlungsfähig und muss für Sachen Verantwortung übernehmen und sie nach außen vertreten, obwohl man anderer Meinung ist“, sagt sie.

Hoffen auf Generationswechsel

Daher setzt sie voll auf den künftigen Vorstand. Wer sich für die Wahlen aufstellen lässt, möchte Brugger nicht verraten. Dennoch hat sie vollstes Vertrauen in die potentiellen Nachfolger. „Es gibt Interessierte. Wenn es ganz toll läuft, gibt es einen Generationswechsel“, hofft Brugger. Mit ihren Kollegen habe sie viele wichtige Themen angestoßen. Diese gelte es nun fortzuführen – allerdings ohne Brugger in offizieller Funktion. „Herunterzufahren, um im Amt zu bleiben war nie ein Thema. Entweder mache ich es so gut wie möglich oder ich lasse es“, sagt sie und verspricht zeitgleich: „Ich werde weiterhin in die Linse gehen und werde nach wie vor im Kulturbereich unterwegs sein.“

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