Freiwillige Feuerwehr Weingarten leistet Pionierarbeit

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 Die Feuerwehr Weingarten bereitet sich darauf vor, in Zukunft häufiger mit alternativen Antrieben zu tun zu haben.
Die Feuerwehr Weingarten bereitet sich darauf vor, in Zukunft häufiger mit alternativen Antrieben zu tun zu haben. (Foto: Britta Pedersen)
Katharina Höcker

Immer mehr Autofahrer entscheiden sich für ein Elektro-Auto. Was auf den ersten Blick viele Vorteile bietet, birgt auch Gefahren mit sich. Die Freiwillige Feuerwehr Weingarten bereitet sich deshalb besonders auf die Herausforderungen von neuen Formen der Mobilität vor. Von den Erkenntnissen profitieren nicht nur die Weingartener Feuerwehrleute unter Hauptbrandmeister Michael Badent, sondern auch ihre Kollegen im ganzen Landkreis.

„Die Mobilitätswende ist an sich ein wichtiges Thema“, ist sich Michael Badent sicher. Er ist stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Weingarten und beschäftigt sich nicht nur mit E-Autos, sondern allen alternativen Antriebsarten. „Wir müssen nur andere Parameter bedenken als bisher.“ Im Fall von Elektroautos zählen dazu auch die Lithium-Ionen-Akkus. Wenn ein solcher Akku von innen heraus brennt, kann er durch seine Blechummantlung nur schwer gelöscht werden und Temperaturen von etwa 1400 Grad Celsius erreichen. Mehrere tauschend Liter Wasser sind für eine solche Brandbekämpfung nötig.

Digitale Hilfsmittel

Zur Vorbereitung auf Unfälle oder Brände mit Elektroautos haben sich die Feuerwehrleute verschiedenen fiktive Szenarien überlegt und festgelegt, wie man taktisch am besten vorgehen kann. Das in Schulungen und durch Recherche angeeignete Wissen wurde anschließend einem Praxistest unterzogen. Dafür stellten Autohäuser und Privatpersonen ihre Fahrzeuge zur Verfügung. Ihr Wissen gaben die Vorreiter aus Weingarten auch an ihre Kollegen im Landkreis weiter.

Eine Schwierigkeit bei Elektroautos sei der Stromkreislauf im Wagen, so Badent. Bei einem Unfall soll der Kreislauf automatisch unterbrochen werden. Zusätzlich kann die Feuerwehr die sogenannte Notstromtrennung betätigen. Dafür arbeiten die Feuerwehrleute an der Unfallstelle mit einem tablet-basierten System, das erklärt, wo bei dem jeweiligen Fahrzeug der Strom abgestellt werden kann.

Feuerwehr gut vorbereitet

Der ADAC empfiehlt außerdem eine Rettungskarte mit ebendiesen Informationen im eigenen E-Auto hinter der Sonnenblende zu platzieren. „Das ist sicher kein Fehler“, findet Michael Badent. Gerade die Feuerwehr im Landkreis schätzt der Hauptbrandmeister als besonders gut gerüstet für den Umgang mit alternativen Antriebsarten ein. „Wir sind so gut vorbereitet, wie wir es zum jetzigen Zeitpunkt sein können.“ Gleichzeitig bilden sich die Einsatzkräfte regelmäßig weiter. „Es ist ein ständiger Lern- und Verbesserungsprozess.“

Ein erhöhtes Risiko gehe von Elektroautos jedoch nicht aus, sagt Badent. Er rät dazu, vor dem Aufladen des Fahrzeugs die Hauselektrik überprüfen zu lassen, denn beim Ladevorgang ist ein Akku besonders brandgefährdet. Zu einem Einsatz mit einem Elektroauto wurden Badent und sein Team bisher noch nicht gerufen. Für einen Brand durch einen Akku aus einem E-Bike oder einer Drohe musste die Feuerwehr allerdings schon häufiger ausrücken.

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