Firmen sollten Work-Life-Learn-Balance im Auge behalten

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 Die Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) der Pädagogischen Hochschule hat am Freitag, 5. Juli, ihr fünfjähriges B
Die Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) der Pädagogischen Hochschule hat am Freitag, 5. Juli, ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert. (Foto: Monica Bravo Granström)
Schwäbische Zeitung

Die Akademie für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) der Pädagogischen Hochschule Weingarten (PH) hat ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert. Berufsbegleitend studieren können hier nicht nur Berufstätige mit Abitur oder Hochschulabschluss, sondern auch Menschen ohne Abitur, die einschlägige Berufserfahrung mitbringen. Mit Workshops zu Angeboten und musikalischen Beiträgen von Studenten verbrachten die Gäste einen inspirierenden Nachmittag, teilt die Hochschule mit.

„Gestartet sind wir mit einer Referentin und drei Fortbildungsangeboten“, berichtete Professorin Karin Schweizer, Rektorin und Leiterin der AWW, von der Gründung im Juni 2014. Inzwischen habe die AWW auf zwölf Weiterbildungen aufgestockt, sei mehrmals umgezogen und habe erfolgreich umfangreiche Drittmittel eingeworben. Ihrem Vorgänger im Rektorenamt, Professor Werner Knapp, war die AWW ein großes Anliegen. Weiterbildung sei nichts Neues an der PH, sie stehe als eine ihrer Aufgaben im Landeshochschulgesetz. „Unser Ziel war aber eine systematische und konzeptionelle Weiterbildung in Verbindung mit einer Institution und Ansprechpartnern“, sagte Knapp in seinem Grußwort. Als große Chance sehe er die Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis.

„Tochterschiffe“ sind auf Erfolgskurs

Auf arbeitsintensive und spannende Jahre blickte die ehemalige Geschäftsführerin Roswitha Klepser zurück. Dabei verglich sie die AWW mit einem Boot, das mal durch bewegte, mal durch ruhige Gewässer segelte und ohne den Teamgeist der Mannschaft und deren unermüdliches Engagement nicht da wäre, wo es heute ist. Auf Erfolgskurs seien inzwischen auch die „Tochterschiffe“ FIER (Fast-track Integration in European Regions) und IGEL (Integration geflüchteter Lehrkräfte in die Lehrerausbildung), für die Klepser inzwischen die Projektleitung innehat.

Die Feier bedeutete auch die offizielle Übergabe an Monica Bravo Granström, die seit dem 1. März Geschäftsführin der AWW ist. Sie hob die Bedeutung der Weiterbildung hervor. Durch sie gebe es die Chance, sich umzuformen und zu entwickeln. Ändere sich doch immer wieder die Gesellschaft und es komme auch vor, dass es den gelernten Beruf gar nicht mehr gebe. „Wir brauchen Verständnis für andere Perspektiven und Strukturen“, forderte Bravo Granström, „vor allem in interkulturellen Bereichen“.

Mit Gudrun Lohr-Kapfer sprach die ehemalige geschäftsführende Gesellschafterin der Franz Lohr GmbH aus Ravensburg. „Wissenschaftliche Weiterbildung ist ein wesentliches Element von lebenslangem Lernen, das in allen Bereichen gefordert ist“, so Lohr-Kapfer. Im Laufe ihres Berufslebens – eigentlich wäre sie viel lieber Lehrerin geworden – sei die Ausbildung immer ihr Steckenpferd gewesen. „Heute übt kaum noch jemand am Ende seines Berufslebens den Beruf aus, den er ursprünglich gelernt hat“, weiß die Wirtschaftswissenschaftlerin.

Unternehmen nutzen wissenschaftliche Weiterbildung

Immer häufiger würden Unternehmen auf die wissenschaftliche Weiterbildung zurückgreifen, wenn es darum gehe, die Mitarbeiter auf dem aktuellen Stand von Wissen und Technik zu halten. Dabei sei sie ein Element der Personalentwicklung, um zum Beispiel auf Führungsaufgaben vorzubereiten. „Dadurch profitiert auch das Unternehmen und bleibt auf dem Laufenden.“ Nicht zuletzt steige seine Attraktivität für bildungshungrige Mitarbeiter. Den Unternehmen empfiehlt Lohr-Kapfer die Work-Life-Learn-Balance ihrer Mitarbeiter im Auge zu behalten. „Die AWW hat im Laufe von fünf Jahren ein gutes Fundament geschaffen und wir können stolz darauf sein, so eine Akademie vor der Haustür zu haben.“

Die Gäste hatten die Gelegenheit, in Workshops drei AWW-Angebote näher kennenzulernen. Sprachförderung am Arbeitsplatz (FIER) heißt eine mehrtägige Weiterbildung zum Sprachmentor in der Gastronomie und Hotellerie. „Im Rahmen der Zuwanderung werden zunehmend Konzepte nachgefragt, die den Spracherwerb von Zuwanderern gezielt unterstützen“, erläuterte Christiane Eiberger.

Mehrsprachigkeit durch digitale Medien fördern

Monica Bravo Granströms Thema war die Förderung der Mehrsprachigkeit durch digitale Medien. Da heutzutage die meisten Personen ein Handy dabei haben, liegt es nahe, dieses mittels bereits auf dem Handy installierter Apps wie WhatsApp, Facebook oder Twitter auch für den Spracherwerb zu nutzen. Fit für das Studium in Deutschland war das Thema von Professorin Katja Kansteiner. Sie stellte das Projekt IGEL vor. „Ziel ist, für die Lehrtätigkeit im deutschen Schulsystem durch Erlangen der notwendigen Qualifikationen fit zu werden“, berichtete Kansteiner von dem Bachelorstudium von drei Semestern.

Umrahmt war das Fest zum fünfjährigen Bestehen der AWW durch musikalische Beiträge von Studenten der PH. Am Klavier spielten Caroline Miez und Katharina Riedmann vierhändig die„Slawischen Tänzen“ von Antonin Dvorak. Frieder Herrmann an der Trompete und Menuin Rau am Klavier brachten Stücke von George Gershwin zu Gehör. Mit „Summertime“ setzten Fiona Gelatly und Menuin Rau einen Schlusspunkt unter die Feier.

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