Für jeden gibt es eine Rolle

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 Regisseurin Jutta Klawuhn ermuntert die Kinder beim Casting fürs Welfentheater aus sich herauszugehen.
Regisseurin Jutta Klawuhn ermuntert die Kinder beim Casting fürs Welfentheater aus sich herauszugehen. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Kaum ist der Vorhang für das Winterwelfentheater gefallen, beginnen die Vorbereitungen für das Freiluftspektakel im Sommer. Räubergeschichten von Regisseurin Jutta Klawuhn sollen dieses Mal im Schlösslegarten auf die Bühne kommen. Dichtes Gedränge am Montag beim ersten Casting in der Talschule. Alle interessierten Schüler dürfen mitspielen, auch die schüchternen. Bedarf gibt es besonders noch bei Teenagern.

Von Lampenfieber, von Fremdeln keine Spur. Eher schon ein großes Hallo, ein Wiedersehen unter Freunden und alten Bekannten. Etwa 30 Kinder stürmen am Montag die Cafeteria in der Talschule, freudig die Regisseurin Jutta Klawuhn und die Koordinatorin Gisela Koch-Zülke begrüßend. Überwiegend alte Hasen, die schon bei der Geschichte um die Gablerorgel als Engel oder Teufelchen über die Bühne wirbelten, aber auch zehn Neueinsteiger. Darunter Geschwisterkinder, die nun als Erstklässler „endlich“ mitspielen dürfen.

„Es ist die Atmosphäre, das Familiäre in dieser Truppe, das die Kinder so schätzen“, sagt eine Mama mit weiterem Nachwuchs auf dem Arm. Und dass sich die Jungen mit ihren Ideen in die Handlung einbringen könnten. Und dann wird sich aufgelockert und warm gespielt, gestenreich, stimmstark, mit viel Körpereinsatz. Jutta Klawuhn macht‘s vor, die Kinder ziehen nach, mal zaghaft mal temperamentvoll. „Jeder bekommt eine Rolle“, sagt Klawuhn. „Für Schüchterne gibt es eben schüchterne Parts.“

Es ist für die Schauspielerin am Theater Ravensburg ihr neuntes Welfentheater. Sie ist von Beginn an dabei. Sie inszeniert nicht nur, sie schreibt auch die Stücke. Grundlage sind Sagen und historische Stoffe rund um Altdorf- Weingarten, wie Stadtgründung oder Laurasage. Die Fakten liefert ihr Stadtarchivar Uwe Lohmann. Der Rest ist Fiktion und wird angeregt durch das Potenzial, das die Kinder mitbringen. Denn stehen auch die Stücke zu Beginn der Proben in groben Zügen, flößen die Vorstellungen der Kinder auch mit ein, würden die Rollen angepasst ans lebende Modell, so Klawuhn.

Geschichte spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts

Ihr zur Seite stehen die Co-Regisseurinnen Annika Krüger und Miri Kessler. Alle zwei Jahre gibt es ein neues Stück. Nach Gabler, Orgelpfeifen und Basilikaweihrauch wird es dieses Jahr wieder irdischer, kommen Räubergeschichten auf die Bühne im Schlösslegarten.

Die Geschichte spielt zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als Räuberbanden die Gegend unsicher machten, ausgelöst durch Missernten und Hungersnöte. Moritaten- und Bänkelsänger werden auftreten und die Schauergeschichten vom schwarzen Veri und der roten Frickinger, von Beutelschneidern und Sackgreifern unter die Leute bringen. Denn ob Blutfreitag oder Viehmarkt, es wurde geklaut, was das Zeug hielt.

Die erstmal aufkommende Kriminalpolizei hatte alle Hände voll zu tun, dem Treiben Einhalt zu gebieten und die Verbrecher zu fangen. Wie sehr Verbrecherjagd, Räuber und Gendarm, als generationsübergreifendes Kinderspiel immer noch Spaß machen kann, führten die Kinder in improvisierten Kurzszenen vor. Und man ahnt: Das Thema läuft ihnen rein. Sie werden Jutta Klawuhn noch einige Pointen zu den „Räubergeschichten“ liefern können zum Beginn der Proben in zwei Wochen.

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