Ein Stück Weingartener Stadtgeschichte: Klosterapotheke ist seit 100 Jahren in Familienbesitz

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Margret Welsch

Das Kloster Weingarten ist Geschichte. Geblieben ist die Kloster-Apotheke, deren Gründung sich Jahrhunderte zurück den Mönchen verdankt. 1911 wurde die einst auch genannte „Gotteshausapotheke“ vom Martinsberg an den Ort in der Stadt verlegt, in der sie bis heute angesiedelt ist, in die Karlstraße 13. 1919 erwarb die Apotheke Christian Kremer, der Großvater von Barbara Kremer, die zusammen mit ihrem Mann, Josef Kraus, nun in dritter Generation Weingartens älteste Apotheke führt. Neben der Arzneimittelversorgung haben sich die Inhaber immer auch in das öffentliche Leben der Stadt eingebracht. Am 15. November wird gefeiert.

Wenn andere alteingesessene Apotheken schließen, wie die Stadt-Apotheke, die Kloster-Apotheke bleibt. Sie hat sich in all der Zeit mit Umbauten und Modernisierungen immer wieder den aktuellen Erfordernissen im Gesundheitswesen angepasst, zuletzt mit der großen Sanierung vor drei Jahren. Die Inhaberfamilie zeichnet aus, dass ihr über Generationen immer auch die Geschicke Weingartens am Herzen lag. In vielfältiger Weise brachte sie sich ins Stadtgeschehen ein. Ob der geschätzte Apotheker und Pharmazierat Hans Kremer, der 2012 verstarb, oder sein Schwiegersohn Josef Kraus: Als Gemeinderäte waren sie jahrelang die prägenden Gesichter der Freien Wähler. Engagierten sich in der Schülerfestkommission, bei der Plätzlerzunft, den Süffonikern, um nur einiges zu nennen. Und ob Blutfreitag, Fasnet oder Klostertraditionen, Weingartner Themen bilden sich immer auch ab im Schaufenster der Klosterapotheke.

Die Familientradition begonnen hatte der Großvater Christian Kremer mit seiner Frau Berta aus dem rheinhessischen Heidesheim. Er kaufte 1919 die Apotheke in der Karlstraße, die erst acht Jahre zuvor vom Martinsberg runter in die junge, aufstrebende Stadt Weingarten verlegt worden war und das Erbe des jahrhundertealten, klösterlichen Arzneimittelwesen weiterführte.

35 Jahre später, 1954, übergab Christian Kremer seinem einzigen Kind, Hans, die Geschäfte. Die Apotheke musste einige Jahre davor jedoch von einem externen Fachmann verwaltet werden, da der Gründer bei Laborarbeiten erblindete und seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte. 40 Jahre leitete Hans Kremer dann mit seiner Frau Irmgard, ebenfalls Pharmazeutin, die Geschicke der Apotheke.

Ist die Adresse auch stets dieselbe geblieben, so wurde die Klosterapotheke immer wieder umgebaut und erweitert. Anfang der Sechzigerjahre verdoppelte sich die Ladenfläche, kam der Raum des ehemaligen Textilgeschäfts Sonnentag mit hinzu. Zu der Zeit verfügte die Apotheke im Übrigen über eine Abteilung für Kosmetik, Kranken- und Säuglingsartikel. Die dritte Generation, die nun auch schon ein Vierteljahrhundert der Klosterapotheke vorsteht, übernahm das Ruder Anfang der Neunzigerjahre. Erst Tochter Barbara Kremer, 1994 dann ihr Mann, der promovierte Apotheker und Privatdozent und wie sein Schwiegervater Pharmazierat, der zahlreiche Apotheken in der Region beaufsichtigt.

Beim letzten großen Umbau vor drei Jahren wurde die Apotheke um Schulungs- und andere Räume erweitert und mit moderner Einrichtung und Technik, wie automatische Medikamentenlieferung aus dem Lager, auf den neuesten Stand gebracht. Die Granittäfelung wich einer modernen gerundeten Hausfassade. Parallel zur Klosterapotheke führt die Familie im Übrigen seit acht Jahren die Apotheke 14 Nothelfer. Das Feld ist bestellt für die vierte Generation. Vielleicht entschließt sich ja Tochter Teresa Kraus, ebenfalls promovierte Pharmazeutin, vom schönen München wieder ins beschauliche Oberschwaben überzusiedeln. Wichtig ist Josef Kraus, auch im Namen seiner Vorfahren, den Mitarbeitern, die teils bis zu 50 Jahren der Kloster-Apotheke die Treue hielten, zu danken. „Ohne sie wäre diese Geschichte nicht möglich gewesen.“

Am 15. November wird nun mit einem Aktionstag in der Karlstraße gefeiert.

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