Ein spritziges Stadtfest

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 Beim Fassanstich ging es spritzig zu.
Beim Fassanstich ging es spritzig zu. (Foto: Barbara Sohler)
Barbara Sohler

Stadtfest bedeutet: Eine bunte und fröhliche Mischung bevölkert die Innenstadt, initiiert von Weingartner Vereinen, getragen vom Gedanken, die Stadt zu beleben und mit Bürgern und Gästen ein kurzweiliges Wochenende zu erleben. Das ist – nicht zuletzt dank des guten Wetters – wieder einmal gelungen. Tausende schlenderten am Wochenende durch die Straßen, stöberten beim Flohmarkt, schnabulierten an den Essensständen oder ließen sich von allerhand Entertainment unterhalten.

Traditionell eröffnet wird das Weingartner Stadtfest am Samstag mit einem musikalischen Gruß der Businenbläser vom Amtshausbalkon herunter. Und mit dem Fassanstich. Und es ist auch schon Tradition, dass Adolf Mayer-Rosa, der Vorsitzende des Stadtfestausschusses, als Adlatus bei der trickreichen Amtshandlung des Bierfass-Öffnens behilflich ist. Weil jedoch in diesem Jahr („aus bekanntem Grund“, wie Mayer-Rosa sagt) OB Markus Ewald nicht selbst den Hammer schwingen kann, hat sich Mayer-Rosa die Stadträtin und erste ehrenamtliche Stellvertreterin des Oberbürgermeisters Susanne Münz an die Seite geholt. Die verkündet gleich, zwar die erste Maß zu zapfen, das Hammerschwingen jedoch dem versierteren Mayer-Rosa zu überlassen.

Ganz Gentleman kontrolliert der die Holztisch-Unterkonstruktion des 30-Liter Fässchens, den hoffentlich sicheren Aufstieg aufs Stadtorchester-Podium via ordinärem Stuhl und ob der gästehandtuch große Fleck zum Stehen und Hantieren nicht zum logistischen Problem für Frau Münz wird. Als Mayer-Rosa dann ganz zackig, mit gerade mal drei saftigen Hammerschlägen den Zapfhahn ins Holzfass treibt, da spritzt der Gerstensaft in einer hohen Fontäne auf unbedachte Gäste und Fotografen. Und das Stadtfest gilt damit als offiziell eröffnet. Ein Fest, das getragen wird von heuer 17 Weingartner Vereinen, die mit mehreren hundert Ehrenamtlichen „ein reichhaltiges Angebot“ offerieren und damit Zeichen setzen für ein „aktives Vereinsleben“ in der Welfenstadt wie Münz in ihrer kurzen Ansprache hervorhebt.

Auf der Stadtgartenwiese sind die Beschicker des Kinderflohmarktes um elf Uhr am Samstag schon Stunden im Verhandlungsmodus. Ein kleiner, souveräner Steppke bietet – aktuell alleiniger Herr über die Familienschätze – die auberginefarbene Winterjacke seiner Frau Mama für schlanke zwei Euro an – und hat prompt eine Interessentin am Haken. Auch wer Reitstiefel sucht oder Meerjungfrauen-Barbies, wer seinen Schleichtier-Zoo erweitern mag oder ein Feuerwehrauto samt rotem Kinderhelm sucht, der wird hier an geschätzt etwa hundert Ständen fündig. Der Stadtfest-Bummler gleitet von dort aus übergangslos in die Gabler- und die Gartenstraße. Dort warten dicke, selbstgestrickte Baumwollteppiche und afrikanisches Handwerk, Dirndl oder ausrangierte 1960-er Jahre Sesselchen, Dampfbügeleisen und Nachtschränkchen auf Käufer.

„Dieses Geschäft bringt nichts ein macht aber Spaß“ steht auf einem Schild am Stand von Susanne Schwob. Die Weingartnerin liebt die Atmosphäre des Stadtfestes, hat die Mama im Schlepptau und neben allerhand süßen Schnaps-Gläsern, Schätzen wie Mohairwolle oder selbstgezogene, fette Hauswurz-Pflanzen auch ein rares Kaffeegeschirr mit Bierlogo der ehemaligen Brauerei Köpf aus dem Keller geholt. „Die meisten sind hier unfassbar nett“, bescheinigt sie der großen Besucherschar auf dem Stadtfest. Nett, das gilt auch für die Kubanerin Patricia, die sich neben dem Eiscafé mit Klappstuhl, Tischchen und Rollkoffer eingerichtet hat und Zöpfe aus Kunsthaar anbietet. Sogar kostenlos. Zumindest für die elfjährige Jana, die gemeinsam mit ihrem Freund Jonathan fidelt und blockflötet und schließlich mit einer türkisfarbenen Kunsthaarsträhne weiterzieht, um die Stadtfestbesucher an einer anderen Ecke mit Straßenmusik zu beglücken.

Wer bei guten alten Rock’n’Roll-Klängen glücklich ist, der macht Halt beim bunt geschmückten Zelt des Rock’n’Roll Clubs Oberschwaben, wo die Tänzerinnen und Tänzer traditionell auf dem eigens verlegten Tanzboden die Petticoats fliegen und die Beine steppen lassen. Oder staunt zumindest über den Ford-Pickup oder den weißen Cadillac, die wie aus der Zeit gefallene Devotionalien neben der Tanzbühne geparkt sind. Die Kleinsten freuen sich auf gemächliche Runden an den beiden Kinderkarussells. Beim erstmalig vertretenen Verein der Schussagugga bringen Sabrina und ihre Kolleginnen zarte Airbrush-Tattoos auf Kinder- und Erwachsenenhaut. Und neben all den traditionellen Köstlichkeiten aus den Töpfen der Vereine wird beim DLRG heuer ein vegetarisches Weißwurstfrühstück (mit Obazda anstatt Weißwürsten) kredenzt. Damit wirklich alle auf ihre Kosten kommen, beim Stadtfest.

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