Ein Italiener im Weingartener Gemeinderat

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 Der Gastronom und Italiener Gaetano Stivala redet künftig mit in der Stadtpolitik.
Der Gastronom und Italiener Gaetano Stivala redet künftig mit in der Stadtpolitik. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Drei Anläufe hat es gebraucht. Nun ist es geschafft. Gaetano Stivala wurde bei der letzten Kommunalwahl in das Weingartner Stadtparlament mit 2783 Stimmen gewählt. Er ist einer von den sieben Räten der Freien Wähler. „Es ist gut, wenn auch mal neue Leute mitreden“, sagt der Weingartner Gastronom. Frischen Wind brauche die Stadtpolitik.

Der Mann hat eigentlich schon viel am Hals. Sein italienisches Restaurant im Lindenhofstadion fordert ihn mindestens sechs Tage die Woche. Bleibt der Ruhetag, mit dessen Ruhe es künftig nicht mehr weit her sein wird. Denn jetzt sind montags Sitzungen angesagt, Fraktion, Gemeinderat, Vorbereitung der Themen. Sein Landsmann, Giuseppe Mauta, hat den 54-Jährigen einst in die Politik gebracht.

Als der Weingartener Geschäftsmann aus dem kommunalen Gremium ausschied, gab er sozusagen den Stab an Gaetano Stivala weiter nach dem Motto: „Einer von uns Italienern muss doch im Gemeinderat sitzen“. Der beliebte Wirt der Pizzeria Italia ging nach anfänglichen Bedenken, „ein Ausländer im Gemeinderat“, auf das Angebot ein. War er bei der vorletzten Wahl noch erster Nachrücker, ist er nun mit 2783 Stimmen in den Gemeinderat eingezogen. Hat den 6. Platz der sieben Freien Wähler, der zweitstärksten Fraktion nach den Grünen, eingenommen. Weingarten ist dem gebürtigen Sizilianer, der seine italienische Staatsbürgerschaft behalten hat, längst zur zweiten Heimat geworden.

Vor 37 Jahren ist er nach Deutschland gekommen. War erst in Ulm in der Gastronomie, dann in Ravensburg, bevor er sich 1988 in Weingarten selbstständig machte mit der Pizzeria in der Tennishalle. 20 Jahre betrieb er diese. 2007 wechselte er dann ins Restaurant im Lindenhofstadion. Von vielen Gästen werde er natürlich angesprochen, unter anderem auch auf die Stadtpolitik. „Es tut schon gut, wenn mal andere Leute in dem Gremium sind und andere Meinungen von anderen Bevölkerungsgruppen gehört werden“, sagt Stivala, Vater von zwei Töchtern.

Dass es gerade auch mehr Jüngere geschafft haben, findet er sehr positiv. Die konstituierende Sitzung hat er bereits hinter sich. Aber natürlich brauche es Zeit, sich einzuarbeiten. Doch seien sie in der Fraktion ein gutes Team, die einander auch Hilfestellung gäben. Was die Themenschwerpunkte anbelange, sei er noch offen. „Ich lasse mich überraschen und werde mein Bestes geben“, sagt Gaetano Stivala. Hobbies gibt es bei ihm nicht. „Das Lokal braucht meine ganze Kraft.“

Und auch der Ruhetag wird künftig noch weniger Spielraum für Privates lassen. Ausgenommen ein bisschen Spielen mit dem kleinen Enkelkind, bevor es dann in den Weingartener Gemeinderat geht.

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