Ein großer Komponist aus Weingarten ist tot

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Der Weingartener Musikprofessor Franz Beyer (Mitte) im Jahr 1983 bei der Verleihung des Kulturpreises der Städte Ravensburg und
Der Weingartener Musikprofessor Franz Beyer (Mitte) im Jahr 1983 bei der Verleihung des Kulturpreises der Städte Ravensburg und Weingarten. Beyer ist jetzt mit 96 Jahren verstorben. (Foto: SZ-Archiv)
Dorothee L. Schaefer

Franz Beyer, Professor emeritus der Hochschule für Musik und Theater in München, Herausgeber, Arrangeur und Komponist, hat – obwohl er seit 1962 in München lebte – den Kontakt zu seiner Heimatstadt Weingarten nie verloren. Seine zwei Jahre ältere Schwester Marianne, früher eine bekannte Cellistin, lebt noch im elterlichen Haus in Weingarten beim Stadtgarten, in dem er am 26. Februar 1922 geboren wurde.

Er wuchs in einer gebildeten und musisch interessierten Familie auf und wandte sich zunächst der Violine zu; bereits als Schüler beschäftigte er sich mit dem Notenschreiben. Jedoch unterbrach der Zweite Weltkrieg seine Ausbildung, die er mit dem Studium an der Musikhochschule Stuttgart begonnen hatte. Beyer konnte erst nach der Heimkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft (1943-1947) seine Ausbildung zum Bratschisten in Trossingen abschließen. Während der folgenden Jahre in Düsseldorf und Wuppertal spielte er die Viola in verschiedenen renommierten Ensembles; 1962 erhielt er den Ruf an die Hochschule für Musik und Theater in München. Die Professur wurde zum Brotberuf, Beyer war als ein guter Lehrer beliebt und seine Schüler erreichten alle ordentliche Positionen. Auch als Begleiter und Prüfer war er gefragt.

Bekannt wurde Franz Beyer jedoch vor allem als Musikforscher, Herausgeber und Arrangeur. Sein Name ist in der Fachwelt verbunden mit der Neubearbeitung des Mozart-Requiems, die seit ihrem Erscheinen 1971 und bis heute zur Referenzausgabe für viele international bekannte Dirigenten wurde. Abgesegnet hatte sie übrigens der berühmte Dirigent Bruno Walter auf Beyers schüchterne Anfrage, ob er sich daran wagen sollte. Für diese Leistung erhielt Beyer 1983 den Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten. Insgesamt umfasst sein Lebenswerk Neuausgaben, Arrangements und Bearbeitungen von mehr als 150 Werken von 25 Komponisten aus vier Jahrhunderten. Seine Interessenvielfalt setzt in Erstaunen ebenso wie die Geduld und die Fähigkeit, sich ganz einem Werk zu verschreiben und als Person hinter die Sache zurück zu treten.

Beim Kinderfest war Beyers Lied „Kränzel im Haar“ (Text Josef Schweikert) zu hören; dieses komponierte er 1951 mit einem schmissigen Refrain für das frühere Schülerfest. Wie die 1943 für seine kleine Nichte und Patenkind Luitgard (Schmid) geschriebenen „Wiegenlieder“ ist es ein Ausdruck der Lebensfreude. 1950 heiratete Beyer in Stuttgart, 1951, 1955 und 1960 kamen drei Söhne auf die Welt. Beyers ältester Sohn Johannes sieht bei der langen Lebensgemeinschaft seiner Eltern – seine Mutter ist 91 Jahre alt – in den gemeinsamen Interessen das wichtigste Bindeglied. „Treue, Ausdauer, Akribie“ nennt er die maßgeblichen Eigenschaften seines Vaters, der ein bescheidener und spiritueller Mensch gewesen sei.

Am 29. Juni ist Franz Beyer, der bis zuletzt geistig rege geblieben war, mit 96 Jahren nach kurzer Krankheit in München verstorben.

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