Ein Festival mit Bier- und Nuckelflasche

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Barbara Sohler

Das U&D damals und heute

Das U&D hat seine Anfänge in den späten 1980-er Jahren. Henning Schmid war einer der Gründerväter dieses Happenings, das damals auf dem Grillplatz in Nessenreben eine überschaubare, eingeweihte Party-Gemeinde anlockte. Das anhaltende miese Wetter und die desaströsen Finanzen hätten dem Festival nach sieben oder acht Jahren den Garaus gemacht, erinnert sich Schmid. Erst auf den Anstoß von Weingartens OB Markus Ewald gab es im Jahr 2009 die Idee, das Festival neu zu beleben. Das Forstamt und der BUND hätten jedoch abgewunken, der Grillplatz sei als Biohabitat geschützt und stehe nicht zur Diskussion. „Auch das Freibad-Gelände wurde vom Ordnungsamt damals nicht für ein Fest freigegeben“, fasst Schmid die Suche nach einem Austragungsort zusammen. Mit entsprechenden Auflagen konnte dann dem Hofgut-Gelände zwei Jahre später, 2011, richtiges Festival-Leben eingehaucht worden. Fabian Ruf, heute Hauptverantwortlicher für die Orga des nunmehr sechsten U&D, sorgt mit seiner ehrenamtlichen Crew durch den Verzicht auf Plastikbecher und der Ausgabe von Mehrweggeschirr oder Taschenaschenbechern für nachhaltige und müllfreies Feiern. „Bei geschätzten 5000 Besuchern fallen an zwei Tagen gerade mal etwa 300 Kilo Müll an“, resümiert Ruf. (bas)

Etwa 5000 Menschen haben sich am vergangenen Freitag und Samstag auf dem sechsten Umsonst-und-Draußen-Festival (U&D) in Nessenreben amüsiert. Und wie immer ist der Plan der Organisatoren aufgegangen: Nicht das typische Festival-Publikum sondern ein buntes, gut gelauntes Völckchen pilgerte auf das alte Hofgut-Gelände. Um Musik zu hören selbstverständlich. Aber auch um zu essen und zu trinken, um zu spielen und zu klettern, zu staunen und sich zu treffen.

„Es ist der Mix aus Musik und Festivalgefühl“, sagt der Waldburger Benedikt Bauhofer, Erst-Täter in Sachen U&D, während er im Schneidersitz auf dem warmen Gras relaxt, seinen Veggie-Burger vernascht und nebenbei Klein-Erwin beim Pommes-Picken überwacht. Ähnlich entspannt nehmen es auch der Papa mit dem schwarzen Motto-Shirt („Ich hasse Musik“), der ausgelassen mit seinem blondgelockten Töchterchen vor der Bühne tobt und die junge Mutter, der kurzerhand ihren Säugling anlegt. Aus gekippten Biertischen und gestapelten Bänken hat Jemand Holzsofas und zweigeschossige Stehtische gebastelt, ausrangierte Couches warten wie Ruheinseln auf tanzmüde Besucher.

Nachdem am Freitag rund 1500 Menschen den Auftakt vom U&D besucht haben, um ab 18 Uhr bis spät in die Nacht insgesamt fünf Band zu hören und so richtig abzufeiern, bei „Kaffkönig“ oder „Stepfather Fred“, steht der Samstag ganz im Zeichen der Familie. Bis zum frühen Abend sind schon mehr als 1800 Menschen durch die Einlasskontrollen gezuckelt, mit Hund oder Kinderwagen, mit bunten oder gar keinen Haaren mehr, an Krücken oder der Hand des Liebsten, in Netzstrümpfen oder barfuß. Es scheint beinahe so, als habe der U&D Besucher entweder ein Bier oder eine Nuckelflasche in der Hand – soll heißen: Das Publikum ist so bunt wie das Angebot auf dem U&D. Und das wiederum freut Fabian Ruf, den ersten Vorstand des U&D-Weingarten-Vereins. Schließlich ist das der Grundgedanke: Ein Festival für Alle. Oft genug hört er auch die Einwände: „Ich hab zwei kleine Kinder, das ist eher nichts für mich“ – aber genau für diese Zielgruppe sei das Festivalprogramm gemacht, verspricht Ruf.

Kletterkunst auf der Himmelsleiter

Und tatsächlich mischen sich frohgelaunte Menschen aus drei Generationen am Samstag im Hofgut-Hof. Von der blauen, haushohen Hüpfburg quietschen Kinderstimmen. Ein Magier jongliert mit Federbällen und brennenden Keulen und verzaubert beileibe nicht nur das junge Gemüse. An der Himmelsleiter stauen sich die Kletterkünstler – das heimlich Traum-Team sind die vierjährige Marie, die Seite an Seite mit Papa Martin Schilling die schlingernde 12-Meter-Leiter bezwingen will. Beim Gemüseraten drängeln sich die Kleinen während die Größeren auf der Halfpipe die Rollen ihrer Skates zum Glühen bringen. Und über allem liegt ein Summen und Flirren und die Sonne hängt vorbildlich am Herbsthimmel.

Für den Nachmittags-Sound sorgt neben „Vera“ und „Die Autos“ auch Diana Ezerek für gute Atmosphäre. Die junge Biberacher Sängerin und Songwriterin hüllt den Festivalplatz ein mit ihrer rauchig-warmen Jazzstimme. Sie erzählt Geschichten aus ihrem Leben, übersetzt die englischen, selbstgeschriebenen Texte vor jedem Song und nimmt ihre Zuhörer damit mit auf ihre Reisen. Nach Brasilien zum Beispiel, was sowohl „mega schwierig“ als auch sehr lehrreich gewesen sei und schließlich in ihrem Lied „I fall“ eine Entsprechung gefunden hat. „Ich suche die ganze Zeit nach etwas“ – damit beginnt ein anderes ihrer Lieder. Ein Lächeln kann es nicht gewesen sein. Denn das strahlt ihr hundertfach entgegen – vom glücklichen Publikum, das ihre Songs und die Lyrics genießt. Oder sich einfach nur einlullen lässt von ihren geschmeidigen Liedern. Beim Abhängen, Chillen, und beim Genießen dieser ganz spezielle Festival-Atmosphäre.

Das U&D damals und heute

Das U&D hat seine Anfänge in den späten 1980-er Jahren. Henning Schmid war einer der Gründerväter dieses Happenings, das damals auf dem Grillplatz in Nessenreben eine überschaubare, eingeweihte Party-Gemeinde anlockte. Das anhaltende miese Wetter und die desaströsen Finanzen hätten dem Festival nach sieben oder acht Jahren den Garaus gemacht, erinnert sich Schmid. Erst auf den Anstoß von Weingartens OB Markus Ewald gab es im Jahr 2009 die Idee, das Festival neu zu beleben. Das Forstamt und der BUND hätten jedoch abgewunken, der Grillplatz sei als Biohabitat geschützt und stehe nicht zur Diskussion. „Auch das Freibad-Gelände wurde vom Ordnungsamt damals nicht für ein Fest freigegeben“, fasst Schmid die Suche nach einem Austragungsort zusammen. Mit entsprechenden Auflagen konnte dann dem Hofgut-Gelände zwei Jahre später, 2011, richtiges Festival-Leben eingehaucht worden. Fabian Ruf, heute Hauptverantwortlicher für die Orga des nunmehr sechsten U&D, sorgt mit seiner ehrenamtlichen Crew durch den Verzicht auf Plastikbecher und der Ausgabe von Mehrweggeschirr oder Taschenaschenbechern für nachhaltige und müllfreies Feiern. „Bei geschätzten 5000 Besuchern fallen an zwei Tagen gerade mal etwa 300 Kilo Müll an“, resümiert Ruf. (bas)

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