Die Welfia pflegt ihre Tradition mit einem Augenzwinkern

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Die roten Uniformen und das markige Auftreten von Obercharge Georg Eble (links) und einem seiner Adjutanten dürfen nicht darüber (Foto: Anton Wassermann)
Schwäbische Zeitung
Anton Wassermann

Für Außenstehende muten die Rituale bei offiziellen Veranstaltungen einer Studentenverbindung ziemlich antiquiert und sehr seltsam an. Da marschieren der Obercharge Georg Eble und seine beiden Adjutanten in einer Operetten-Uniform in den Saal ein, sichtlich bemüht um einen weihevollen Gesichtsausdruck. Ein Herr reiferen Alters mit einer von deutlichen Gebrauchsspuren gekennzeichneten Studentenmütze entlockt dazu einem E-Piano die passende Musik. Die drei Uniformierten zücken ihre stumpfen Hiebwaffen und klopfen damit auf Bretter, die vor ihnen auf dem Tisch liegen. Der Fest-Kommers anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Welfia Weingarten nimmt seinen Lauf.

Bis auf den naturblonden Kurzhaarschnitt eines jüngeren Herrn, der wie viele andere Teilnehmer in Damenbegleitung erschienen ist, schimmern die Häupter der Versammelten in würdevollem Grau. Der Obercharge erteilt seine ritualisierten Anweisungen in Latein, befleißigt sich ansonsten aber einer wunderbar gestelzten deutschen Sprache, die er durch gezielte Übertreibung so auf die Spitze treibt, dass er ein schelmisches Schmunzeln nur mit größter Mühe unterdrücken kann.

Doch dieser ironische Umgang mit überkommenen Traditionen darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die dem Cartellverband (CV) katholischer Studentenschaften angeschlossene Welfia durchaus ernsthafte Ziele verfolgt. Gegenüber den laizistischen schlagenden Verbindungen mit ihrem teils zweifelhaften politischen Ruf grenzt man sich bewusst ab.

Christliche Überzeugung

Die Bundesbrüder im CV verpflichten sich zu lebenslanger gegenseitiger Unterstützung aus christlicher Überzeugung.

Deshalb luden die Veranstalter des Fest-Kommers als Gastredner den Rottenburger Weihbischof Johannes Kreidler ein. Er ist Ehrenmitglied einer anderen CV-Verbindung in Tübingen und wagte einen Ausblick, welchen Kurs die katholische Kirche unter dem neuen Papst Franziskus einschlagen könnte. Die Namenswahl und das bisherige Wirken des Argentiniers seien deutliche Hinweise darauf, dass dieser Papst den diakonischen Dienst in den Mittelpunkt seines Pontifikats stellen werde, meinte Kreidler. Er traut ihm ähnliche Umwälzungen zu, wie sie der vor 50 Jahren verstorbene Papst Johannes XXIII. mit der Einberufung des II. Vatikanischen Konzils angestoßen hat. „Aber er wird weder den Zölibat abschaffen, noch die Frauen-Ordination einführen“, ist sich der Weihbischof sicher. Die Kirche brauche ein weltoffenes Engagement, „das den Menschen die Dynamik des Evangeliums nahebringt“.

An den Beginn seines Rückblicks auf 50 Jahre Welfia stellt Bundesbruder Markus Blatt die Erinnerung an Ereignisse, die 1963 die Menschen in Deutschland und weltweit bewegt haben: das Ende der Ära Adenauer, den Berlin-Besuch und die Ermordung von Präsident Kennedy, die Einberufung des Konzils in Rom. Von Beginn an war es schwierig, an der PH Weingarten eine Studentenverbindung am Laufen zu halten. Erst 1968 erfolgte die Aufnahme in den CV. Mehrere Versuche, neue Studenten zu gewinnen, verpufften. Seit Jahren besteht die Welfia ausschließlich aus „alten Herren“. Drei Gründungsmitglieder wurden von Markus Blatt in besonderer Weise geehrt: Heinz Brugger, Horst Stadtmüller und Pfarrer Herbert Distel.

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