Der Wunsch nach Frieden gilt für alle Jahreszeiten

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 Lange geplant und endlich realisiert: das 70-köpfige Städtische Orchester Weingarten gab in der evangelischen Stadtkirche ein B
Lange geplant und endlich realisiert: das 70-köpfige Städtische Orchester Weingarten gab in der evangelischen Stadtkirche ein Benefizkonzert, ein Bläserquartett stand bei einigen Stücken auf der Empore. (Foto: Schaefer)
Dorothee L. Schaefer

Zuallererst ging das Licht wieder aus, denn für den Beginn seines Benefizkonzerts wollte Dirigent Rafael Ohmayer einen dramatischen Moment inszenieren: mit den schmetternden Fanfarenstößen von Aaron Coplands „Fanfare for the common man“, gewaltigen Paukenschlägen und großem Bläserklang hob sich gleichsam der Vorhang für die 70 Mitglieder des Städtischen Orchesters, die vor dem Chor der Evangelischen Stadtkirche gerade so Platz fanden.

Ein theatralischer eindrucksvoller Start für ein Konzert, umso mehr, als es das allererste Mal war, dass das Städtische Orchester in der Kirche spielte, was Pfarrer Stephan Günzler in seiner Begrüßung humorvoll als „unerklärlich“ schilderte. Aber nun sei es ja nach langem Einfädeln endlich gelungen, wofür er schon vorher seinen Dank entrichtete.

Danach unternahm Orchestervorstand und Baritonsaxophonist Alexander Kölle die Moderation des Konzerts, animierte das große Auditorium zur großzügigen Spende für das Gemeindehaus und die Spielgeräte, und gab einige Erklärungen zum Programm und zu den einzelnen Stücken. Natürlich alles Paradestücke des 20. Jahrhunderts und sogar jüngere Werke, die in ihrem Arrangement für Blasorchester fast jedem wohl schon mal ins Ohr gedrungen waren.

Das stramm rhythmische „Ross Roy“ von Jacob de Haan, das für ein Schulorchester im australischen Brisbane komponiert wurde, im typisch amerikanischen „Military Sound“, aber auch mit hübschen lyrischen Stellen. „Remember me“ von Pavel Stanek dagegen, 2006 entstanden, war sehr emotional mit warmem Sound der großen Blechinstrumente, der Hörner und Tuben. Schön gespielt auch der irische Folksong „Carickfergus“ mit dem Solisten Harald Küppers am Tenorhorn, eher melancholisch in der Stimmung als folkloristisch.

Das Programmthema „Frieden“ kam in einem Stimmungsbild von Thiemo Kraas unter dem Titel „Crossbreed“ (geschrieben zur 1200-Jahrfeier von Ellwangen) zum Tragen, denn der Komponist baut ein bekanntes Marienlied ein, lässt ein Bläserquartett aus der Entfernung auf der Empore spielen, verwendet eine Walzersequenz und endet mit Crossover.

Mit den drei Werken zum Schluss wurde das Thema intensiviert: Pachelbels „Canon“ ging zwar in diesem Arrangement die Wechselgesangsstruktur ziemlich verloren, und er klang in diesem üppigen Sound irgendwie mehr nach Filmmusik, aber zusammen mit Leonard Cohens berühmtem „Hallelujah“ von 1984, auch dies mit breitem Bläserklang ausgeformt, gewann der Schluss emotionale Dichte. Das letzte „Terra Pacem“ von Mario Bürki mit viel Perkussion, Xylophon und großem Trommelwirbel in einem dramatischen Mittelteil sowie einer großen Schlussapotheose war noch einmal so voluminös, dass der ganze Bau vibrierte.

Aber der hielt es aus, wie Stephan Günzler feststellte, der zum Abschluss des fünfviertelstündigen Konzerts noch einmal das Wort ergriff. Im letzten Stück, dem Wunsch nach Frieden, habe er etwas durchaus Kämpferisches wahrgenommen, und es ginge auch in unserer Zeit darum, dass man um den nicht selbstverständlichen Frieden kämpfen müsse.

„Der Friede braucht uns“, sagte Günzler in seinen nachdenklichen Worten, die mahnend, aber nicht ermahnend wirkten. Friede, das sei „die Freude an der Vielfalt“ des Lebens aller Generationen in einer Gemeinde.

Zu diesen Gedanken passte auch die Zugabe, die Rafael Ohmayer zur Freude des begeisterten Publikums mit dem Orchester vorbereitet hatte – Brahms so genanntes Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“.

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