Club F.A.I.R kümmert sich um benachteiligte Studenten

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 Die Mitarbeiter des Club F.A.I.R. Sie helfen unter anderem Studierenden mit Kind.
Die Mitarbeiter des Club F.A.I.R. Sie helfen unter anderem Studierenden mit Kind. (Foto: Margret Welsch)
Margret Welsch

Denkt man an Studenten fallen einem Partys und Feiern ein. Was nicht ausschließt, dass manche neben dem Studium noch ihre Kommilitonen unterstützen, die es nicht so leicht haben, weil sie neben ihrem Studium ein Kind großziehen oder arbeiten müssen oder mit schwierigen sozialen Lagen zu kämpfen haben. Als Ansprechpartner bietet sich neben anderen Diensten seit gut einem Jahr der Club F.A.I.R an, eine studentische Initiative, die sowohl an der Hochschule Ravensburg Weingarten (HS) als auch an der Pädagogischen Hochschule (PH) aktiv ist.

Im November 2017 wurde der Club F.A.I.R von Studierenden der HS und der PH gegründet. F.A.I.R steht für Familie, Arbeit, Individualität und Recht und umreißt das Spektrum der derzeit 30 Mitglieder zählenden Initiative. Dabei sei Familie das Einstiegsthema gewesen, sagt Nina Engel.

Die erste Zielgruppe von Club F.A.I.R: Studierende mit Kind. Deren erschwerte Situation, die Doppelbelastung von Studium und Familie hätten an den Hochschulen zu wenig Beachtung gefunden, so Engel. Immerhin gäbe es etwa 150 sowohl an der HS als auch an der PH.

„Seit sich der Club F.A.I.R der Sache angenommen hat, ist das Thema in aller Munde,“ betont Justine Rose. Neben Aufmerksamkeit generieren packt der Club F.A.I.R auch ganz praktisch an. So wurde ein Elternforum ins Leben gerufen, wo sich Betroffene austauschen und vernetzen können. Dabei kam, als Alternative zu Partys die Idee eines Familienfestes auf, das im letzten Sommer mit über 400 Besuchern erstmal über die Bühne ging und ein voller Erfolg gewesen sei. Bewusstsein schaffen und praktische Hilfe leisten gilt auch für die weiteren Themen. So gibt es Studierende, die aus verschiedenen Gründen ihr Studium selber finanzieren müssen. Was dann eng werden kann bei Praxissemestern, wie in der Sozialen Arbeit, wo man kaum etwas verdient und nur noch die Wochenenden bleiben, um für seinen Lebensunterhalt aufzukommen.

Mit dem Projekt „Fair statt Prekär“ setzt sich der Club für eine bessere Entlohnung während dieser Semester ein. Schließlich stehen die Punkte Individualität und Recht dafür, dass es keine Gleichschaltung gibt, sondern jeder Student das Recht habe, mit seinen Bedürfnissen individuell wahrgenommen zu werden, ob Behinderung, oder vom Ausland kommend.

Eigener Raum gewünscht

Gerade die internationalen Studierenden wüssten oft nicht um ihre Rechte, scheuten die Bürokratie. Einzelhilfe bieten in diesen Fällen die Mitglieder vom Club F.A.I.R an. So auch bei den „obdachlosen Kommilitonen“, die keine Wohnung finden. Vom Weitergeben von Vermieter-Plattformen bis zu Kurzzeit-Schlafplätzen in der eigenen Studentenbude reichen da die Hilfsangebote. Wichtig ist dem Club F.A.I.R nicht in Konkurrenz sondern in Kooperation mit anderen Initiativen der Hochschule tätig zu sein. „Wir wollen Lücken schließen“, sagt Marlin Ferlmann. Und wo es nötig sei, unbequeme Fragen stellen und den Finger in die Wunde legen. Wie bei Gewalt gegen Frauen, die man im letzten Jahr zum Thema machte.

Die Aktivitäten sind mittlerweile so angewachsen, dass sich die Initiative einen Raum in der Hochschule, auch als Anerkennung, wünschte, was vieles erleichterte, Wege ersparte. Denn dieses ehrenamtliche Engagement neben dem Studium plus Arbeit bei manchen sei ein Tanz auf Messers Schneide, weiß Ufuk Secilmis. Und doch sind sie mit Leidenschaft dabei, überzeugt davon, dass sich nur etwas verändert, wenn jeder seinen Teil dazu beiträgt.

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