Climate Recharge 1850: Neuer Verein will Klimaschutzkonzepte vorantreiben

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Die Gründungsmitglieder des neuen Vereins (ersten Reihe sitzend, von links: Vorstandssprecher Georg Nuoffer-Wagner, Vorstandsmit
Die Gründungsmitglieder des neuen Vereins (ersten Reihe sitzend, von links: Vorstandssprecher Georg Nuoffer-Wagner, Vorstandsmitglied Angela Abler-Heilig, die beiden Oberbürgermeister Daniel Rapp und Markus Ewald sowie Vorstandsmitglied Ralf Heilmann. (Foto: Anton Wassermann)
Anton Wassermann

An Ideen und wissenschaftlich erprobten Methoden für den Klimaschutz auch in unserer Region fehlt es meist nicht. Doch oft scheitern vielversprechende Konzepte daran, dass das Geld fehlt für die technische Umsetzung. Ein neuer Verein, der am Donnerstag in Weingarten gegründet worden ist, will dabei eine Vermittlerrolle übernehmen.

Experten aus Wirtschaft, Wissenshaft, Behörden und Politik – darunter auch die beiden Oberbürgermeister Daniel Rapp (Ravensburg) und Markus Ewald (Weingarten) – hoben den Verein im Hotel Altdorfer Hof aus der Taufe. Sprecher des dreiköpfigen Vorstands ist der Agrarwissenschaftler Georg Nuoffer- Wagner. Dem Gremium gehören ferner Angela Abler-Heilig und Ralf Heilmann an.

Der Vereinsname „Climate Recharge 1850“ bringt zum Ausdruck, dass man sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, die klimatischen Bedingungen wieder auf den Zustand zurückzuführen, der vor Beginn der industriellen Revolution in Deutschland geherrscht hat.

Ein erster Ansatz dafür ist die Bodenverbesserung in der Landwirtschaft. Nuoffer-Wagner hat hierbei die Pflanze Miscanthus als ideales Mittel ausgemacht, wie verloren gegangener Humus wieder aufgebaut werden kann. „Wird ein Prozent Humusaufbau realisiert, so werden pro Hektar bis zu 50 Tonnen CO2 dauerhaft gebunden und bis zu 400 Kubikmeter Wasser zusätzlich gespeichert“, hat der Agrarwissenschaftler errechnet.

Nun gilt es, Landwirte dafür zu gewinnen, diese Pflanze anzubauen, auch wenn sie zunächst nur einen sehr geringen wirtschaftlichen Ertrag abwirft. Sie ist allenfalls in gehäckselter Form als Einstreu verwendbar. Der Verein schaltet daher unabhängige Zertifizierer ein, die dieser Methode des Humusaufbaus amtlich bescheinigen, dass sie dauerhaft der Atmosphäre CO2 entzieht. Auf dieser Basis vergibt der Verein das Siegel „Klimagesund“. So kann der Verein das Projekt Firmen anbieten, die einen ökologischen Ausgleich suchen für ihren CO2-Ausstoß.

„Viele Firmen wollen kein Geld mehr ausgeben für eine Regenwald-Aufforstung, wenn gleich neben der aufgeforsteten Fläche alter Regenwald niedergebrannt wird“, berichtete Nuoffer-Wagner bei der Gründungsversammlung. Er ist daher zuversichtlich, dass sich hier in der Region genügend Geldgeber finden für eine großflächige Bodenverbesserung.

Daneben vergibt der Verein auch ein zweites Siegel mit der Bezeichnung „Klimaneutral“ für Methoden, bei denen fossile Energiequellen so ersetzt werden, dass kein zusätzliches CO2 an die Atmosphäre abgegeben wird. Auch hier geht es um den Einsatz pflanzlicher Rohstoffe, die in der Region angebaut werden können. Beide Siegel vergibt der Verein jeweils für die Dauer von drei Jahren und erhebt dafür eine Aufwandsentschädigung. Die Anforderungen werden jährlich überwacht.

Von seinen Mitgliedern erhebt der Verein keine finanziellen Beiträge. Daher mussten die beiden Oberbürgermeister vor ihrem Beitritt auch keine Zustimmung der jeweiligen Gemeinderäte einholen. Ihnen geht es um die politische und praktische Unterstützung, indem sie ihre Netzwerke nutzen für den Klimaschutz vor Ort. „Die Idee, unseren Boden in Oberschwaben zu verbessern und gleichzeitig etwas Gutes fürs Klima zu tun, ist so gut, dass sie unbedinbgt weiterverfolgt werden muss“, erklärte der Ravensburger OB Daniel Rapp.

Und sein Weingartener Kollege Markus Ewald, der sich nach seinem schweren Unfall in der beruflichen Wiedereingliederungsphase befindet, ergänzte: „Das Neue an diesem Verein ist die aktive Suche von Bürgerinnen und Bürgern nach Lösungen hin zur Klimaneutralität und Klimagesundung. Es freut mich außerordentlich, dass es solch ein Engagement in unserer Region gibt.“

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