Cleverer baden in Nessenreben

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Schwäbische Zeitung

Das Weingartener Freibad Nessenreben ist ein Aushängeschild der Stadt. Nur ist der Betrieb eines solchen Bades in der Regel ein defizitäres Unterfangen. Um die Energieverbräuche genau unter die Lupe zu nehmen und Szenarien einer energetischen Optimierung zu entwickeln, haben die Stadtwerke Weingarten nun eine Kooperation mit der Hochschule Ravensburg-Weingarten beschlossen.

Die Idee dazu kam von einem Mitglied des Weingartener Schwimmsportvereins und Absolventen der Hochschule. „Es wird im ersten Schritt darum gehen, die entscheidenden Stellschrauben zu identifizieren“, sagt Alexander Geiger, Finanz- und Baubürgermeister der Stadt Weingarten und Leiter der Stadtwerke. Zwei Ziele seien damit verbunden: Erstens kurzfristige Maßnahmen zu identifizieren, die Einsparpotenziale bieten, ohne mit großen Kosten verbunden zu sein. Und zweitens sollen für zukünftig anstehende Investitionen die effektivsten Lösungen ausgemacht werden.

Die technischen Dimensionen hinter den Kulissen kann einem Christian Tietz bei einem Gang ins Maschinenherz des Freibades vor Augen führen. „In allen Becken zusammen sind vier Millionen Liter Wasser. Und jeder Tropfen wird vier- bis fünfmal am Tag gefiltert“, so der stellvertretende Betriebsleiter. Beheizt wird das Bad vorwiegend über ein mobiles Blockheizkraftwerk sowie eine solarthermische Absorberanlage.

Gerd Thieleke von der Hochschule in Weingarten sieht in diesem Projekt eine überaus spannende Materie für seine Studenten. „Wenn wir die Anlage virtuell nachgebaut haben, können wir alle Faktoren simulieren und genau berechnen, welchen Einfluss Sonne, Schatten, Regen oder die Abkühlung bei Nacht haben oder welche Energieeinsparung beispielsweise durch die Abdeckung des Beckens über Nacht möglich würde“, so der Experte für Energie- und Energiesystemtechnik.

Der Forschungsauftrag an die Hochschule Ravensburg-Weingarten erstreckt sich vorerst auf die laufende Badesaison 2018. „Ist das Modell des gesamten Freibades mitsamt der Anlagentechnik aber erst mal erstellt, dann können wir damit auch in den kommenden Jahren weiterarbeiten“, so Thieleke. Anknüpfungspunkte böten sich etwa aus dem Bachelor-Studiengang „Energie- und Umwelttechnik“. Man sehe, so Thieleke, was den Studierenden manchmal schwerfalle, habe durchaus einen praktischen Alltagsnutzen: „Vor allem die Thermodynamik und Strömungsmechanik helfen uns, das Freibad umweltfreundlicher und nachhaltiger zu machen.“

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