Bundesverdienstkreuz: Weingartener Gemeinderätin hat sich zu früh gefreut

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Barbara Baur
Barbara Baur ist Gemeinderätin in Weingarten. (Foto: Archiv Drescher)
juma und Julia Marre

Barbara Baur ist außer sich gewesen vor Freude. Die Weingartenerin sollte im Sommer das Bundesverdienstkreuz erhalten. Das hatte ihr das Sozialministerium in Stuttgart schriftlich mitgeteilt.

„Liebe Barbara“, hat der grüne Sozialminister Manne Lucha seiner Parteifreundin handschriftlich dazu geschrieben, und „meine herzlichen Glückwünsche zu dieser Ehrung“ übermittelt. Doch wenige Wochen später erhielt Baur einen Anruf aus dem Ministerium ihres Ravensburger Parteigenossen: Eine Mitarbeiterin gestand einen Fehler ein, denn ein Bundesverdienstkreuz möchte das Sozialministerium nun doch nicht an Baur verleihen.

Ministerium räumt "bedauerliches Büroversehen" ein

„Peinlich für das Ministerium“, sagt Barbara Baur. Weshalb sie nun doch kein Bundesverdienstkreuz erhalten soll, hat ihr bis heute niemand plausibel erklärt. Aus dem Sozialministerium heißt es auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“: Barbara Baur soll nun doch nicht mit der höchsten Anerkennung, die es in Deutschland für Verdienste um das Gemeinwohl gibt, ausgezeichnet werden, weil es sich um „ein bedauerliches Büroversehen unsererseits“ handelt, erklärt Sprecher Markus Jox. So habe sich bei Baur „die Persönliche Referentin von Herrn Minister“ gemeldet, wie es aus dem Sozialministerium heißt, um sich dafür zu entschuldigen.

Die Pressestelle des Sozialministeriums erklärt den Vorgang wie folgt: „Das Regierungspräsidium Tübingen hat den von der Stadt Weingarten gestellten Antrag zur Verleihung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland – Bundesverdienstkreuz am Bande – an Frau Barbara Baur geprüft und ist zum Ergebnis gekommen, dass die Voraussetzungen für eine Verleihung dieses Ordens nicht erfüllt werden.“

Doch wer gegen die Auszeichnung an die Weingartenerin Einwände hegt, welche Kriterien etwa nicht erfüllt sind, darüber bewahrt sowohl das Sozialministerium als auch das Tübinger Regierungspräsidium Stillschweigen. „Aus Gründen der in Ordensangelegenheiten geltenden Vertraulichkeit und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen können keine Auskünfte über die im Prüfungsverfahren gewonnenen Erkenntnisse oder zur Erfüllung oder Nicht-Erfüllung der vorgegebenen Kriterien gegeben werden“, heißt es. So weit, so intransparent.

Für ein Bundesverdienstkreuz muss man sich schon sehr ins Zeug gelegt haben, was ich ja getan habe.

Barbara Baur

Nach welchen Kriterien ein Verdienstorden verliehen wird, ist in den „Ausführungsbestimmungen zum Statut des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ vom 5. September 1983 geregelt. Darin ist definiert: „Die Auszeichnungswürdigkeit einer Leistung bestimmt sich nach dem ihr zugrundeliegenden Maß an Gemeinsinn, Sachkenntnis und Tatkraft sowie nach ihrer Tragweite für das allgemeine Wohl.“

Barbara Baur arbeitet seit 35 Jahren von Weingarten aus ehrenamtlich daran, die Welt ein Stückchen besser zu gestalten (mehr dazu lesen Sie in einem Portrait über Barbara Baur). „Für ein Bundesverdienstkreuz muss man sich schon sehr ins Zeug gelegt haben“, sagt sie, „was ich ja getan habe.“ Doch das sieht offenbar jemand anders.

Staufermedaille statt Bundesverdienstkreuz

Und jetzt? Soll Baur anstelle des Bundesverdienstkreuzes die Staufermedaille des Landes erhalten, die „eine besondere, persönliche Auszeichnung des Ministerpräsidenten für Verdienste um das Land Baden-Württemberg und seine Bevölkerung“ sei, so heißt es aus dem Sozialministerium. Und obwohl ihr einige Weggefährten dazu geraten haben, diese „Ersatz-Auszeichnung“ abzulehnen, möchte Baur die Ehrung gerne annehmen.

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