Bruno Metzler ist zum 65. Mal beim Blutritt dabei

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 Bruno Metzler bei seinem ersten Blutritt im Jahr 1953 (Erster von links) und heute.
Bruno Metzler bei seinem ersten Blutritt im Jahr 1953 (Erster von links) und heute. (Foto: Fotos: Privat/Markus Reppner)

Pferde und der Blutritt: Das ist eine untrennbare Verbindung. Bei wohl nur wenigen Blutreitern ist dieser Verbindung so stark ausgeprägt und eng wie bei Bruno Metzler. 40 Jahre lang war der 76-Jährige aus Oberstaig bei Berg aktiver Sportreiter - Springen, Dressur, Gelände. Am Blutfreitag nächste Woche reitet er zum 65. Mal mit.

Familie hat den Pferdevirus

„Ich habe den Pferdevirus“, sagt Metzler und schmunzelt dabei. Doch es ist nicht allein seine Verbundenheit mit dem Reitsport, die dies zeigt. Ein Blick aus dem Fenster des Wohnhauses auf dem landwirtschaftlichen Familienbetrieb sind riesige Wiesen zu sehen, auf denen Pferde weiden. Wie lange der Hof schon im Besitz der Familie ist, kann Bruno Metzler nicht mehr so genau sagen. Nur eines ist sicher: Schon sein Großvater hatte den Hof bewirtschaftet. Es gab Kühe, Schweine, Hühner, Enten und Puten.

Vor sieben Jahren hat er die Verantwortung für den Hof in die Hände seines Sohnes Hubert gelegt. Er selbst hat sich etwas zurückgezogen, aber ganz ohne Arbeit, kann er nicht sein. Sohn Hubert hat den Bauernhof mit Vieh und Ackerland umstrukturiert. „Die Viecher sind jetzt weg“, sagt Bruno Metzler. Geblieben sind aber 55 Pferde, die die Metzlers in Pension haben, vor allem Sportpferde. Es gibt eine Reitschule, in die an den Nachmittagen Kinder und Erwachsenen zum Reitunterricht kommen - aus Spaß am Reiten, aber auch um sich professionell auf Wettkampf-Turniere vorzubereiten.

Den „Pferdevirus“ hat nicht nur Bruno Metzler. Sein Großvater hatte ihn, sein Vater hatte ihn und auch die beiden Söhne sind mit dem Pferdesport verbunden. Sogar das jüngste Familienmitglied strahlt glücklich, wenn es auf einem Pferd sitzen darf.

 Bruno Metzler heute.
Bruno Metzler heute. (Foto: Markus Reppner)

Doch im gleichen Maße wie der Pferdevirus die Familienlinie durchzieht, ist der Blutritt über die Generationen verteilt. Bruno Metzler Vater war über 50 Mal dabei, sein Sohn Hubert schon 30 Mal. „Wir sind auch eine Blutreiterfamilie“, sagt er. Dieser Tag sei etwas Besonderes in seinem Leben. An diesem Tag habe er sich stets freigenommen, erzählt seine Frau Erika, was diese noch unterstreicht, denn ein Landwirt kennt weder Wochenende noch Urlaub.

Am Freitag nach Christi Himmelfahrt wird er sich zum 65. Mal in Frack und Zylinder in den Sattel schwingen und die Standarte der Blutreitergruppe Blitzenreute tragen, wie schon seit vielen Jahren. Um halb vier wird aufgestanden, dann gehe es zum Sammelpunkt am Sportplatz in Baienfurt und um sechs Uhr sei Abritt zum Stellplatz.

„Der Tag hat gefehlt“

Seinen ersten Blutritt erlebte Bruno Metzler 1953 als Zehnjähriger. Seitdem war er immer dabei - bis auf vergangenes Jahr. Eine schwere Krankheit verhinderte seine Teilnahme. „Das war schon komisch“, sagt er. „Ich habe gemerkt, dass mir der Blutritt gefehlt hat.“ Seine Besinnung und das Rosenkranzgebet beginne immer dann, wenn die Prozession die Ösch erreicht.

Auch für die Verwandtschaft aus Baden-Baden ist der Blutritt fest im Terminkalender. Sie nehmen sich die Zeit, um schon am Abend vorher an der Lichterprozession und den Gottesdiensten teilzunehmen.

Das Pferd, das er reiten wird, gehört allerdings nicht ihm. „Das müssen schon besondere Pferde sein, die am Blutritt teilnehmen können“, sagt er. Charakter und Nervenstärke müssten sie haben, wenn es laut und eng zugehe, wenn sich Regenschirme ruckartig aufspannen oder Kinder zu nahe kommen. Da brauche es die Hilfe vom Reiter, er müsse vorausschauend agieren. Im Gegenzug müsse das Pferd natürlich die Hilfe auch annehmen.

Doch das beherrscht Bruno Metzler wohl wie kein zweiter. Wie lange er noch dabei sein wolle? „So lange es geht“, sagt er. „Wenn es anstrengend wird, dann ist Schluss“.

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