Blutritt ohne Pferde: Das sagen Leser der SZ zu der Forderung

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Prozession an Bäumen vorbei
Am Blutritt nehmen jedes Jahr deutlich mehr als 2000 Reiter teil. (Foto: Archiv: Roland Rasemann)

Es ist eine mutige, naive oder schlechte Idee, welche die Weingartenerin Franziska Groß in der vergangenen Woche hinsichtlich des Blutrittes vorgeschlagen hat. So zumindest sind die meisten der zahlreichen Reaktionen auf den Artikel „Für das Tierwohl: Versammlung beim Blutritt geplant“ in der „Schwäbischen Zeitung“ zu deuten.

Die Überlegung, die größte Reiterprozession Europas ohne Pferde stattfinden zu lassen und über mögliche Alternativen zu sprechen, hat ein großes Echo hervorgerufen. Fast 150 Kommentare auf dem Facebook-Kanal von „Schwaebische.de“ zeugen von der Brisanz des Themas. Und die reichen von Ablehnung über Sarkasmus bis hin zu Zuspruch.

Es kommt noch so weit, dass die Pferde getragen werden.

„Es kommt noch so weit, dass die Pferde getragen werden“, schreibt beispielsweise Engelbert H.. Andere bemühen das die lange Geschichte der Veranstaltung. „Brauchtum ist nichts wert. Schade. Und sie sind mit Gottes Segen unterwegs“, meint Ruth W. und Carmen C. meint: „Bitte aufhören, Traditionen kaputt zu machen. Geht erst mal ans Ponyreiten auf Jahrmärkten...“ Noch unreflektierter und geradezu persönlich wird Bruno S.: „Bleib bei deiner Musi und versuche nicht, die Jahrhunderte langen Traditionen unseres wunderherrlich schönen Oberschwaben kaputt zu machen!!!“

Unsachlich und emotional

Doch damit nicht genug. Einige User sprechen Franziska Groß den Bezug zu Weingarten ab. Andere meinen, man könne es auch übertreiben oder, dass solch eine Überlegung „absolut lächerlich“ sei. Noch einmal andere werden geradezu beleidigend, die an dieser Stelle aber ganz bewusst nicht zitiert werden. Und so geht es immer wieder unsachlich und emotional zu. Doch es gibt durchaus auch etwas reflektiertere Aussagen.

„Man sollte sich vorher vielleicht erst mal erkundigen, ob es wirklich Quälerei ist. Klar gibt es immer ein paar schwarze Schafe und es sollten nur die reiten, die ihr eigenes Pferd haben und es kennen und ihr Tier einschätzen können. Aber da braucht man nicht wieder alle über einen Kamm scheren und alte Traditionen gleich zu Nichte machen wollen“, schreibt Nini L..

Zuspruch gibt es auch von anderer Seite. „Viele der ´Herren´ können aber gar nicht reiten! Und viele sind einfach zu alt, um auf einem Pferd zu sitzen!“, meint Petra P. Derweil fordert Vere N. strengere Kontrollen: „Es sollten genauso Kontrollen stattfinden, wie auf den Turnieren. Das heißt Blutproben nehmen und die Pferde, die sediert sind, sofort mitsamt Reiter rausziehen; inklusive Geldstrafe! Die Pferde, die schon lange und gechillt mitlaufen, denen die Musik und viele Menschen egal sind, die können gut mitreiten.“

Blick auf andere Veranstaltungen

Ohnehin nehmen einige User den Stein des Anstoßes auf und zeigen mit dem Finger auf andere Veranstaltungen. „Bevor man in Weingarten die Pferde am Blutritt verbietet, sollte man eher in Ravensburg am Rutenfest-Umzug anfangen!“, schreibt Andrea R..

In ein ähnliches Horn bläst Brigitte H.: „Das glaub ich im Leben nicht, dass die Reiter morgens um 5 oder 6 Uhr zum Beten Alkohol brauchen und das habe ich auch noch nie gesehen! Und diese Dame hat auch keinerlei Empathie für diese großartige Tradition! Dann dürfen auf keinem Umzug bei Heimatfesten und so weiter Pferde mitlaufen! Ich finde das Ansinnen dieser Frau empörend!“ Und auch Bruno H. zeigt in seiner Argumentation, bevor er andere Kommentatoren beleidigt, mit dem Finger auf andere Veranstaltungen: „Dann muss man das sportliche Reiten – Springreiten und Dressur, Hindernisreiten – auch verbieten.“

Wieder eine andere Gruppe an Lesern beschäftigt sich mit der Frage der Alternative. So fragt Anneliese K.: „Auf was sollen die Herren denn reiten? Es heißt Blutritt und nicht Blutwandern. Heutzutage sind Pferde nun mal zu Reiten da und nicht nur zum Anschauen.“ Auch Anika S. schreibt: „Auf was reiten Sie dann? Schweine? Besen?“

Andere nehmen Vorschlag mit Humor

Es gibt aber auch einige User, die versuchen, das ganze locker zu nehmen und witzeln. „Steckenpferde, wäre doch lustig. Oder kennt ihr Ritter der Kokosnuss? Jedem zwei Kokosnusshälften geben und gegeneinander schlagen lassen. Hört sich an wie echte Pferde“, schreibt Markus P. und wird mit 25 Likes belohnt. Derweil könnte sich Dominique B. mit einem Augenzwinkern Scheinreiter wie an der Fasnet vorstellen.

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