„Blechschaden“ mischt Blasmusik auf

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Viel Spaß hatte „Blechschaden“ beim Gastspiel in Weingarten mit Dirigent Bob Ross.
Viel Spaß hatte „Blechschaden“ beim Gastspiel in Weingarten mit Dirigent Bob Ross. (Foto: Christel Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Während ihr Konzert am 2. Januar 2019 in der Elbphilharmonie Hamburg schon jetzt ausverkauft ist, sind im Kultur- und Kongresszentrum Weingarten am Freitagabend beim Gastspiel von „Blechschaden“ die Plätze auf den Flügeln sehr leer geblieben. Schade drum, denn wie schon frühere Konzerte in der Region gezeigt haben, garantiert dieses Ensemble den ultimativ anderen Hörgenuss.

Es ist ein hochkarätiges Ensemble, das der Hornist Bob Ross vor über dreißig Jahren um sich geschart hat. Die Musiker sind allesamt Mitglieder der Münchner Philharmoniker, einige zugleich Professoren: Schlagzeuger Arnold Riedhammer an der Musikhochschule München, Posaunist Dany Bonvin am Mozar-teum Salzburg, Trompeter Erich Rinner am Konservatorium Innsbruck. Doch so ein renommiertes Orchester spielt in erster Linie ernste Musik und lässt wenig Raum für Exkurse in die U-Musik.

Daher hat der agile Schotte Bob Ross, unverkennbar im blau-grün karierten Frackrock, im Jahr 1983 „Blechschaden“ gegründet, um nach Herzenslust zu musizieren, in spannenden Arrangements aus den strengen Grenzen zwischen E- und U-Musik auszubrechen und mit Schlagzeuguntermalung so manchen Klassiker mit einer Pop-Ikone zu vermählen. Dazwischen liefert Dirigent Bob Ross am Mikro launige Kommentare, nicht nur über seine Körpergröße von 1,58 m: „Ich bin der Größte hier vorne.“

Etwas ernsthafter als sonst war an diesem Abend das Programm, das auch den einzelnen Instrumenten Raum zum Profilieren gab. Mitreißend waren die Kraft und das Klangvolumen, mit dem die Bläser Bachs Toccata für Orgel ganz neu erleben ließen – der Komponist hätte seine Freude daran gehabt. Ebenso Giovanni Gabrieli aus der Venezianischen Hochrenaissance, dessen doppelchöriges Werk für zwei Blechbläserensembles eine wunderbare Echowirkung entfaltete.

„Schnellster Posaunist der Schweiz“

Hornist David Moltz glänzte mit dem Hornsolo aus Tschaikowskys fünfter Sinfonie, als „Tiefpunkt des Konzerts“ schickte Tubist Michael Schwarzfischer sein Instrument in die Tiefe – so feurig war das mexikanische Traditional, wie man es der Tuba nie zutrauen möchte. Auch in „Vientos Flamencos“ glänzten die tiefen Bläser mit spanischem Feuer. Mit frischem Schwung tanzte das ganze Ensemble Schostakowitschs Walzer Nr. 2, dafür durfte Dany Bonvin, der „schnellste Posaunist der Schweiz“, mit betörend samtenem Klang Piazzollas Libertango zelebrieren. Zu Arnold Riedhammers rasantem Schlagzeugsolo zum Beatles-Song „Norwegian Wood“ setzten die Kollegen vorsichtshalber Ohrenschützer auf.

Ungewöhnlich war, Johann Strauß‘ Pizzicato-Polka in schmachtender „André-Rieu-Fassung“ auf Blasinstrumenten zu hören, ebenso, wenn Posaunist Bonvin hingebungsvoll das „Chanson d’Amour“ sang. Wunderbarer Schönklang war zu genießen mit Franz Unterrainers volkstümlichen „Flügelhornklängen“, beim andachtsvollen Baumkirchner Jodler, bei Matthias Fischers samtenem Euphonium-Solo zu Elton Johns „Your Song“ und seinem Solo auf Carbon-Alphorn zum „Carribean Sunset“. Ob Funiculi Funicula, Sirtaki oder Steingadener Musikantenmarsch als „Rausschmeißer“ – dieses Bläserensemble ist einfach umwerfend.

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